spezial: Umweltschonende Autos - Interview

"Vier-Liter-Auto reicht nicht aus"!

Dr. Werner Reh ist Referent für Verkehrspolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Der BUND hat mehrere verkehrspolitische Grundsatzpositionen entwickelt.

Wenn ich mir ein Vierl-Liter-Auto kaufe, habe ich dann nicht genug für den Klimaschutz getan?

Das ist ein wichtiger Schritt, insbesondere, wenn es von mehreren Personen genutzt wird. Bei einer durchschnittlichen Jahresfahrleistung von 11.000 Kilometern für Benzinautos emittiert aber auch ein Vier-Liter-Auto über eine Tonne CO2. Die ganze Palette umweltfreundlicher Mobilität sollte genutzt werden. Denn wir müssen uns auch einem globalen Vergleich stellen mit Ländern, die nur einen Bruchteil der CO2-Emissionen pro Kopf haben. Es ist nicht begründbar, dass die Industrieländer ein Vielfaches an Umweltverschmutzungsrechten im Vergleich zum Rest der Welt für sich reklamieren.

Sie gehen davon aus, dass die Menschen öfter und weiter fahren würden, wenn sparsame Autos im Trend lägen. Warum?

Wenn die Fixkosten für Erwerb und Unterhalt relativ hoch und die variablen Kosten niedrig sind, stellt das einen Anreiz zum Mehrfahren dar. Begrenzt werden kann dieser Anreiz durch Infrastruktur-Engpässe.

Wie kann sich jeder Einzelne umweltbewusster verhalten?

Konkrete Ratschläge für den Einzelnen sind schwierig. Jeder sollte im Rahmen seiner persönlichen Verantwortung seine Mobilität umweltverträglich gestalten. Jeder kann Sprit sparend fahren, Fahrgemeinschaften bilden, auf Flüge verzichten, auf Bus, Bahn, oder das Fahrrad umsteigen. Dabei wird man auch sein Umfeld neu entdecken und positive Begegnungen haben, wenn man nicht mehr allein in einer Blechkiste durch die Gegend fährt.

Ist es nicht viel unbequemer, mit Bussen und Bahnen zu fahren?

Da gibt es einige Vorurteile und Vorbehalte gegen überfüllte S-Bahnen. Mir ist es aber durchaus lieber, in vollen S-Bahnen oder Bussen mit Bekannten zu sprechen oder in einem Buch oder in der Zeitung zu lesen, als ein Auto mit mehr als einer Tonne Gewicht durch die Gegend zu chauffieren. Gute Musik kann man auch im Walkman in der Bahn hören, ohne auf den Verkehr achten zu müssen. Klar ist aber, dass zu Spitzenzeiten entweder die Takte verdichtet werden oder die Anfangszeiten im Berufs- und Schülerverkehr entzerrt werden müssen. Meist wird bei Bahn und Bus heute viel mehr Qualität bei den Fahrzeugen geboten als früher. Für mich persönlich ist das Kennenlernen von Berlin seit meinem Herzug eng mit der Nutzung meines Fahrrads verbunden. Für die Entdeckung einer Stadt ist das das weitaus beste Vehikel.

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