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Prosit Prosecco!
Der perlende Wein aus Italien hat sich vom Trendgetränk zum Dauerliebling etabliert. Besonderes Kennzeichen: die Kordel um den Korken. // Nicole Galliwoda
Billige Weinbrause hat mal jemand zu Prosecco gesagt. Damit kann nur irgendein Fusel aus dem Discounter für rund zwei Euro gemeint sein. Denn in die meisten günstigen Flaschen aus konventionellem Handel füllen die Hersteller einen Verschnitt aus mehreren Weißweinen und versetzen das Ganze mit Kohlensäure – fertig. So ein einfacher Prosecco taugt oft nichts. Er verliert sehr schnell die Kohlensäure und schmeckt schal.
Bio-Weinbauern geben sich für die weiße Rebsorte mit dem klangvollen Namen „Prosecco“, die ausschließlich im Nordosten von Italien, in der kleinen Region Veneto in der Provinz Treviso wächst, sehr viel Mühe. Ihr Prosecco reift hauptsächlich mit gärungseigener Kohlensäure und bekommt dadurch ein sanftes Prickeln, das sich lange im Glas hält und das kräftige Traubenaroma ideal ausbildet. Er duftet nach frischen Äpfeln und schmeckt erfrischend und fein aromatisch.
Bio-Weinbauern bringen keine chemisch-synthetischen Dünger aus und spritzen keine Pestizide über ihre Weinberge, sondern schaffen in den begrünten Hügeln eine möglichst große Pflanzenvielfalt. Das lockt nützliche Insekten wie Raubmilben an, die sich über Schädlinge wie die Reblaus hermachen.
Hüter der Traube
Die Weinbauern kontrollieren ihre Reben sehr häufig, um Schädlingsbefall oder Pflanzenkrankheiten wie Mehltau schon im Ansatz zu entdecken. Eine frühzeitige Behandlung mit natürlichen Pflanzenstärkungsmitteln wie Kräuterjauchen oder Algenpräparaten kann die Ausbreitung im Weinberg verhindern.
Die Hüter der Trauben pressen und vergären die handgepflückten Früchte besonders schonend. Im Weinkeller sind chemische Hilfs- und Schönungsmittel verboten. Konventionelle Weinbauern dürfen durchaus Chemie einsetzen, etwa Kaliumverbindungen, um unerwünschte Geschmacksstoffe im Wein zu binden und herauszufiltern. Manche Bio-Hersteller wie Vivolovin setzen vor der Gärung Mostkonzentrat dazu, also ein Schuss extra Süße, um den Alkoholgehalt etwas zu erhöhen. Rapunzel verwendet für den Prosecco Veneto von der Azienda Agricola Pizzolato statt konzentriertem Most weniger süßen Traubensaft. Auch im Weinkeller verzichten Bio-Winzer auf chemische Hilfs- und Schönungsmittel, was konventionelle meist nicht tun.
Vielfalt Bio-Prosecco
Das Bio-Angebot ist breit gefächert mit durchaus Qualitäts- und auch Preisunterschieden. Es gibt Prosecco Frizzante, was übersetzt Perlwein bedeutet. Einziger Unterschied zum etwas teureren Prosecco Spumante ist der Kohlensäure- und Alkoholgehalt. Spumante ist Schaumwein, in dem von beidem etwas mehr steckt.
Der Edelste von allen
Ein besonders edles Tröpfchen stammt aus einer gesetzlich definierten Region in den Hügeln der Trevisaner Voralpen mit insgesamt 15 Gemeinden, die zwischen den Anbaugebieten Valdobbiadene und Conegliano liegen. Prosecco-Trauben, die dort wachsen, tragen die garantierte Ursprungsbezeichnung DOC. Dieser Prosecco erfüllt spezielle Qualitätsstandards.
Peter Riegel Weinimport hat einen solchen Prosecco im Sortiment, den Le Carline Valdobbiadene. Der Riva Moretta von Perlage trägt ebenfalls diese Bezeichnung. Er stammt aus dem Dorf Soligo, das genau in der Mitte der Anbauregion liegt. Wächst die Prosecco-Traube in einem anderen Landstrich Venetiens, trägt der Wein die Bezeichnung IGT, eine regional etwas weiter gefasste Herkunftsbezeichnung.
Der Clou mit der Kordel
Anders als bei Champagner oder Winzersekten wird Prosecco nicht in der aufwendigeren Flaschengärung, sondern meist in Tankgärung hergestellt. Der Gehalt an Alkohol und Kohlensäure ist geringer. Deshalb knallt der Korken auch nicht so laut beim Öffnen. Trotzdem schützt ein sicherer Verschluss mit Korken und Kordel fast alle Proseccoflaschen. Der Grund für diese Verpackung ist rein finanzieller Art: Laut Gesetzgeber sind Pilzkorken und Draht wie sie etwa Sektflaschen schließen, steuerpflichtig. Korken und Kordel nicht. Dank moderner Produktion wäre die Kordel-Sicherung heut gar nicht mehr nötig. Ohne geht es auch, wie zum Beispiel der Selezione von La Selva und der Il Ponte von Vivolovin sowie der Tonon Veneto von Riegel Weinimport zeigen. Der Prosecco Veneto von Tonon Veneto besitzt einen wieder verschließbaren Spannbügel. Das schmeckt auch dann noch prickelnd, wenn ein Schluck übrig bleibt. Aber wann passiert das schon mal!
Genießer-Tipp: Rosecco
Will man seinen Gästen schnell etwas Besonderes kredenzen, reicht ein Schuss Rosenwasser in den Prosecco: fertig ist der Aperitif. Rosenwasser gibt es in Bio-Qualität in Naturkostfachgeschäften. Ein paar Rosenblätter passen gut zur Dekoration dazu.
Prosecco und Grappa
Der Name Prosecco ist gesetzlich für das italienische Produkt reserviert. Das Getränk darf auch ohne Deklaration bis zu einem Anteil von 15 Prozent fremde Rebsorten enthalten. Das Pendant aus Deutschland nennt sich Perlwein, der oft mit dem Zusatz Secco (dt. trocken) vermarktet wird, damit er an das Original aus Italien erinnert.
Bei Prosecco handelt es sich aber um den Namen der Trauben – die zunächst nichts mit „trocken“ zu tun hat. Der echte Prosecco muss daher immer aus Venetien in Italien stammen, weil die gleichnamige Rebsorte nur dort angebaut wird. Aus den aromatischen Trauben keltern Weinbauern neben Schaum- oder Perlweinen auch stille Weine. Sogar Hochprozentiges gibt es wie den „Grappa di Prosecco“. Der 40-prozentige Branntwein wird aus den Pressrückständen der Trauben destilliert.
Genussreise ins Veneto
„Prosecco, Soave, Grappa & Valpolicella“ entführt Sie zu einer Genussreise ins Veneto, ein Landstrich zwischen Gardasee und Venedig. Das Buch stellt die Heimat des Proseccos vor und liefert Rat und Appetizer zu den kulinarischen Spezialitäten dieser Region. Das kleinformatige Buch liefert praktische Infos und Adressen von Gasthäusern, engagierten Weinbauern, alten Brennereien und über örtliche Feste. „Prosecco, Soave, Grappa & Valpolicella“. Unterwegs im Veneto” von Hans Messner und Michael Leischner, Carinthia Verlag, ISBN: 3-85378-547-6, 18 Euro.
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