Editorial
Gedanken am Ende
Eine Dezemberausgabe bringt es mit sich: Gedanken zum Jahresende. Weil ich dieses Editorial schon am 31. Oktober schreibe, ist aber noch gar nicht absehbar, was das Jahr noch bringen wird!
Nicht
absehbar ist zum Beispiel, wie das Ringen um ein neues Gentechnik-Gesetz
ausgehen wird. Kanzlerin Merkel und Forschungsministerin Schavan
hätten gerne Erleichterungen für den Anbau von transgenen
Pflanzen. Landwirtschafts-minister Seehofer scheint Agrargentechnik
inzwischen kritischer zu sehen und für die Beibehaltung
des relativ strengen Gesetzes zu kämpfen. Während
wir die letzten drei Monate täglich bangten, mit welchem
Kompromiss das Gesetz nun verwässert werden soll, meldete
sich am 29.10. die CSU mit der Forderung an Seehofer, das
Gesetz nicht nur nicht zu verwässern, sondern möglichst
noch zu verschärfen. Damit ist das Rennen so ungewiss
wie nie zuvor und es sollte uns wundern, wenn es Minister
Seehofer gelingt, bis Weihnachten einen Gesetzesentwurf vorzulegen.
Unterstützen können Sie diesen Prozess, indem Sie persönlich an die Politiker schreiben. 1.000 Briefe oder Faxe zählen mehr als 10.000 Unterschriften oder Standard-E-Mails. Schreiben Sie aber nicht nur an Minister Seehofer. Auch Kanzlerin Merkel und Forschungsministerin Schavan sollen die Erfahrung machen, wie beeindruckend das Abarbeiten einiger Hundert oder Tausend persönlicher Schreiben engagierter Bürger ist. Wenn Sie dafür dann doch keine Zeit haben, bietet Ihnen campact.de die Möglichkeit, mit ein paar Mausklicks wenigs-tens per Internet Protest einzulegen.
Wenn ich Ihnen so etwas nahelege, bin ich schon sicher, dass viele von Ihnen es auch tun werden. Denn eine wesentliche Erfahrung des ablaufenden Jahres ist, dass Sie sehr aktiv und engagiert sind. Nicht nur bei Gentechnik, sondern auch bei Atomkraft und Verbraucherinformationsgesetz, haben Sie die Aktionsaufrufe der Umwelt- und Verbraucherorganisationen zahlreich aufgegriffen. Der größte Erfolg dieses Jahres ist vielleicht, dass mit Ihrer Hilfe die Organisation Urgewald deutsche Großbanken dazu bringen konnte, aus der Finanzierung des Atomkraftwerkes Belene, in einem Erdbebengebiet in Bulgarien, auszusteigen (Seite 7).
Bei der Ideensammlung zu einem Artikel über Depressionen für das Aprilheft 2007 kam folgender Gedanke auf: Eine Ursache für Depressionen könnte fehlender Lebenssinn sein und eine Ur-sache für fehlenden Sinn das Gefühl, nichts bewirken zu können. Ich finde, das Jahr 2006 zeigt, dass man durchaus etwas bewirken kann – wenn man etwas tut – besonders, wenn viele Menschen das Gleiche tun. Und damit Sie weiterhin viel und gemeinsam mit anderen tun können, werden wir Ihnen auch im nächsten Jahr möglichst oft Gelegenheit dazu geben.
Schreiben Sie an:
Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel
Dorotheenstraße 84, 10117 Berlin
Fax: 0 18 88 / 2 72-25 55
InternetPost@bundesregierung.deBundesministerin
Dr. Annette Schavan (BMBF)
11044 Berlin
Fax: 0 18 88 / 57 55 16
information@bmbf.bund.deBundesminister
Horst Seehofer (BMELV)
11055 Berlin
Fax: 0 30 / 20 06- 42 62
poststelle@bmelv.bund.de
Aufregung um Zimt
Es erinnert ein bisschen an Acrylamid: Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende schon, benutzen wir das Gewürz und nun wird plötzlich ein Skandal daraus. Mehr Hintergrund.
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