Interview mit Heffa Schücking
Protest mit Spaß – und Erfolg
Urgewald ist eine kleine Umweltorganisation in Westfalen und Heffa Schücking ihre Gründerin. Mit sechs Kollegen zwang sie die Deutsche Bank und die Hypovereinsbank in die Knie. // Interview: Martin Fütterer, Fotos: Thomas Langreder
![]() Eine Familie von Dickschädeln: Schon der Großvater von Heffa Schücking vertrat seine politischen Ansichten mit Nachdruck und erhielt deswegen dreimal Berufsverbot in Preußen und von den Nazis. Seine Enkelin steht ihm an Durchsetzungswillen nicht nach. |
Sechs Monate.
Was waren die Schritte?
Im März haben wir von dem Vorhaben erfahren und den Beschluss gefasst, uns zu engagieren. Wir haben Flyer und Protestpostkarten gedruckt und im April zu jeder uns bekannten Tschernobyl-Gedenk-Veranstaltung geschickt. Nach unserer Pressekonferenz zog sich die Bayerische Landesbank zurück, die hatten sowieso einen angekratzten Ruf wegen der Finanzierung eines Reaktorneubaus in Finnland. Im Mai waren wir bei den Aktionärsversammlungen der übrigen Banken, gemeinsam mit Aktivisten aus Bulgarien. Bei der Commerzbank zeigte dieser Besuch Wirkung: sie distanzierte sich ebenfalls von dem Projekt.
Deutsche Bank und Hypovereinsbank waren hartnäckiger …
Ja, die brauchten mehr Nachdruck. Ab Sommer konzentrierten wir uns auf die Verbreitung der Protestpostkarten, die zum Beispiel in der Zeitschrift Junge Kirche und dem Robin Wood-Magazin beigelegt wurden. Aber der wichtigste Schritt war der Anruf bei Schrot&Korn.
Den habe ich selbst entgegengenommen und war erst skeptisch.
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Und, konnten sie?
Bei diesem unerwartet hohen Rücklauf und großen Engagement kam uns die Idee zu einer Protestwoche in und vor den Bankfilialen. Wir wandten uns einerseits an örtliche Initiativen der Antiatomkraftbewegung und an Robin Wood und Greenpeace. Aber eben auch an die Leser von Schrot&Korn. Sechzig Protestgruppen sind am Ende entstanden, davon 20 bis 30 von den Schrot&Korn-Lesern, also bis dahin eher unorganisierten Bürgern. Das fand ich beachtlich.
Und die gingen einfach los?
Nein, die brauchten eine Menge Tipps und Unterstützung. Wir entwarfen einen Aktionsleitfaden, der alles Notwendige enthielt: von der Pressemeldung bis zu dem Tipp, sich in Staubschutzanzüge aus dem Baumarkt zu kleiden. Ein Rentnerpaar aus Eutin zum Beispiel rief uns an, weil sie sich nicht allein trauten. Die schickten wir zu Gruppen in Hamburg und Lübeck. Als sie dort „geübt“ hatten, meinten sie: Jetzt können wir das auch alleine in Eutin. So haben wir viele einzelne Menschen zusammengebracht, die vorher nichts miteinander zu tun hatten und auch keiner Organisation angehörten.
Es sind viele Bilder und Berichte von den Aktionen auf Ihrer Homepage. In Münster wurde sogar Tango getanzt!
Die Fantasie und Originalität der Aktionen hat mich besonders gefreut. Ich finde, Protest und Politik sollen auch schön, spielerisch und lustvoll sein. Ehrlich gesagt finde ich Protestbewegungen oft zu ernst und zu bitter.
Haben Sie eigentlich an einen Erfolg geglaubt?
Aber natürlich, wenn wir eine Kampagne starten, wollen wir auch gewinnen. Uns kommt es nicht auf den Protest als solchen an, sondern darauf, konkret etwas zu erreichen. Auch etwas, was mir an Protestbewegungen manchmal nicht gefällt: Mir scheint, sie glauben oft selbst nicht an einen Erfolg.
Wie war es, als Sie die Nachricht von den Banken bekamen, dass Sie sich durchgesetzt haben?
Wir waren begeistert, aber auch etwas ratlos – denn wir hatten ja die Protestwoche schon organisiert. Die Banken wünschten sich natürlich, dass wir die ausfallen lassen und boten sich sogar an, die Aktionsgruppen selbst anzurufen. Aber wir dachten: Nein, wir wollen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Es geht ja nicht nur um Belene.
Um was noch?
Vielleicht können wir zumindest eine der Banken dazu bringen, ganz von solchen Projekten Abstand zu nehmen. Zum Beispiel die Hypovereinsbank bzw. deren neuen Besitzer, die italienische Unicredit. Die spielt eine Schlüsselrolle bei der Industriefinanzierung in Mittel- und Osteuropa. Die „Hypo“ hatte sich eigentlich aus der Atomfinanzierung immer herausgehalten, bis sie von der Unicredit übernommen wurde. Ich glaube, viele Mitarbeiter der Bank waren selbst nicht glücklich mit dem Projekt. Deshalb wollen wir jetzt versuchen, ganz oben anzusetzen: Direkt bei dem Vorstandsvorsitzenden der Unicredit, Signore Alessandro Profumo. Der macht, glaube ich, gerne eine „bella Figura“, und das gelingt ihm mit solchen Finanzierungen nicht. Mit einer klaren Absage an Atomkraft würde er viel besser aussehen.
Wie können die Leser von Schrot&Korn das unterstützen?
Schreiben Sie direkt an Herrn Profumo! Argumente und Infos gibt es auf unserer Homepage www.urgewald.de. Wie sich bereits gezeigt hat: Ein paar Tausend Protestpostkarten, Faxe oder Briefe und wenige Hundert Demonstranten können Unternehmen tief erschüttern. Die Macht der Unternehmen mag groß sein, die der Verbraucher ist es nicht minder. Man muss sie nur nutzen! Sehr wirksam ist natürlich, den Atomausstieg selbst zu machen – indem man nur noch atomfreien Strom kauft. Wie das geht, zeigt die Aktion „www.atomausstieg-selber-machen.de“, die auch wir unterstützen.
Klein aber fein
Urgewald ist neben internationalen Giganten wie Greenpeace oder WWF und auch nationalen Größen wie BUND und NABU ein Zwerg von einer Umweltorganisation. Dennoch hat Urgewald schon viel erreicht. Das mag an dem strategischen Ansatzpunkt liegen: Den Export umwelt-schädlicher Technologie aus Deutschland in die Welt zu verhindern, indem man die Finanzierungen aushebelt. So hat Urgewald zum Beispiel erreicht, dass Deutschland keine staatlichen Ausfallbürgschaften mehr für die Finanzierung von Atomkraftwerken stellt.
Machen Sie mit!
Kein Geld für Atomkraft!
Der italienische Bankkonzern Unicredit ist Eigner der Hypovereinsbank und ein wichtiger Kandidat für die Finanzierung von Atomkraftwerken insbesondere in Osteuropa. Nach der Urgewald-Kampagne hat sich die Bank aus der Finanzierung des bulgarischen Atomkraftwerks Belene zurückgezogen. Ein guter Zeitpunkt den Vorstand von der Finanzierungvon Atomkraft ganz abzubringen. Schreiben Sie an:
Unicredit Group, Alessandro Profumo
Piazza Cordusio, 20121 Milano, Italien
alessandro.profumo@unicreditgroup.eu
Fax 00 39 02 88 64 65 399Argumente gibt es bei www.urgewald.de. Wenn Sie ein Konto bei der Hypovereinsbank haben: Drohen Sie an, die Bank zu wechseln!
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Kein
Geld für Atomkraft!