Editorial
Unternehmen sind beeinflussbar
Zwei Antworten aus dem Interview
mit Heffa Schücking von der Umweltorganisation Urgewald
gaben mir zu denken. Auf die Frage, ob es nicht erstaunlich
sei, dass Großbanken vor ein paar Tausend Verbrauchern
in die Knie gingen, anwortete sie: „Die Macht der Wirtschaft
wird nicht überschätzt, die Macht der Verbraucher
und der Zivilgesellschaft wird unterschätzt.“ Auf
die Frage, ob Politiker nicht viel beeinflussbarer sein sollten
als die Wirtschaft, sagte sie: „Meiner Erfahrung nach
lassen sich Unternehmen leichter beeinflussen als Politiker.
Unternehmen sind sehr empfindlich, wenn ihnen die Kunden weglaufen.
|
Außerdem fragten wir uns, warum Entscheidungen von erheblicher Tragweite so oft dem gesunden Menschenverstand, dem Gemeinwohl und auch der Wirtschaftlichkeit widersprechen. Zum Beispiel ein veraltetes Atomkraftwerk in ein Erdbebengebiet zu bauen. Heffa Schücking: „Auch wenn so ein Projekt wahnwitzig erscheint und auch wirtschaftlich keinen Sinn macht, gibt es doch Einzelne, die von dem Geschäft profitieren.“
Der Verdacht liegt nahe, dass auch Politiker profitieren, legal und illegal, durch Nebeneinkünfte, Gefälligkeiten, aber auch den Zugang zu exklusiven Denk- und Lebensstilzirkeln. In den USA ist die Vernetzung zwischen Fachpolitikern und den Öl-, Atom-, Rüstungs- und Gentechnikkonzernen eklatant, die halbe Regierung stammt aus der Ölindustrie. In Europa äußerte EU-Kommissar Stavros Dimas Zweifel an der Unabhängigkeit der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, die gentechnisch veränderte Produkte regelmäßig als unbedenklich einstuft. In Deutschland kann der Verdacht der Vorteilsnahme schwer ausgeräumt werden, solange die Nebeneinkünfte von Politikern nicht transparent sind. Das Gesetz zur Offenlegung besteht zwar seit Juni 2005, aber Bundestagspräsident Norbert Lammert hat es noch nicht vollzogen. Die Angelegenheit ist beim Bundesverfassungsgericht anhängig.
- Drängen Sie auf Transparenz bei Politikereinkünften. Zum Beispiel indem Sie sich bei der entsprechenden Aktion bei www.campact.de beteiligen.
- Setzen Sie Ihre Macht als Kunde ein.
In diesem Sinne, wünschen wir Ihnen ein einflussreiches neues Jahr!
Worauf noch warten?
Bundestagspräsident Norbert Lammert könnte das Gesetz zur Transparenz bei Politikereinkünften längst vollzogen haben.
Schreiben Sie ihm!
Bundestagspräsident Norbert Lammert
Deutscher Bundestag
Platz der Republik 1
11011 Berlin
norbert.lammert@bundestag.de
Fax 0 30 / 22 7368 78Mustertexte auf:
www.campact.de
Aktion zu Politikernebeneinkünften
Anmerkungen und Kommentare zum Artikel
| Leserbrief schreiben | Seite empfehlen | |


