Editorial

Alle reden vom Investivlohn

In den 50er- und 60er-Jahren hatte man schon die Idee: Beteiligt die Arbeitnehmer am Produktivkapital der deutschen Wirtschaft – dann haben sie automatisch am Wertzuwachs der Wirtschaft teil und zudem eine Einkommenssäule, die im Falle von Erwerbslosigkeit und im Alter Härten mildert oder ausgleicht. Die Idee wurde damals auf ein Nebengleis geschoben.

Heute taucht diese Idee als "Investivlohn" wieder auf, denn wie schon damals vorausgesagt, sind die Einkünfte aus Kapital gestiegen, während die aus Arbeit seit Jahren weitgehend stagnieren. Dennoch wird wohl auch die aktuelle Diskussion theoretisch bleiben. Weil sie nach Ansicht der meisten Kommentatoren nicht alle Probleme löst, sondern Vor- und Nachteile hat.

In unserem Verlag gibt es dazu keine Diskussion. Stattdessen gibt es seit vielen Jahren ein Beteiligungsmodell mit zwei Säulen:

1. Erfolgsbeteiligung als Teil des Gehalts:
Je nachdem, wie gut das Jahr läuft, erhalten die Mitarbeiter im nächsten Jahr eine Erfolgsbeteiligung. Diese wird pro Arbeitsstunde errechnet und ist für alle festen Mitarbeiter gleich – ob Geschäftsführer oder Vertriebskraft.

2. Beteiligung am Unternehmen:
Feste Mitarbeiter können Geld – z. B. einen Teil ihres Lohns – in den Verlag investieren. Im Rahmen der Steuergesetze fördert das der Verlag. Die Beteiligungen haben eine feste Grundverzinsung. Je nach Jahreserfolg des Unternehmens gibt es zusätzlich eine Gewinnausschüttung.

Die Erfolgsbeteiligung auf Lohn und Kapital nimmt alle Mitarbeiter in die Verantwortung – und macht sie zu Mitentscheidern und Nutznießern. Wenn große Investitionen oder riskante Entscheidungen anstehen, dann kann sich das direkt auf die Einkommen aller auswirken – aber Arbeitsplätze sind erst mal nicht in Gefahr. Solche Entscheidungen werden folgerichtig in der Mitarbeiterversammlung zur Diskussion gestellt. Zum Beispiel war für 2006 der Wunsch, Schrot&Korn mit einem besseren Umschlagpapier auszustatten. Da nicht absehbar war, ob die Mehrkosten durch Mehreinnahmen gedeckt werden würden, bedeutete das für die Mitarbeiter ein Risiko von bis zu 5.000 Euro pro Kopf. In der Mitarbeiterversammlung stellten sich alle Mitarbeiter ausdrücklich hinter die Entscheidung. Der Erfolg gab uns recht. Schrot&Korn wurde attraktiver – und die Mehreinnahmen konnten realisiert werden.

Die Beteiligung der Mitarbeiter am Risiko und Erfolg des Unternehmens ersetzt weder Arbeitslosenversicherung noch Altersvorsorge. Aber sie ist eine sinnvolle Ergänzung. Denn sie mobilisiert Kräfte und Potenziale, die sonst den gemeinsamen Zielen nicht zur Verfügung stünden. Und sie sorgt dafür, dass der gemeinsam erarbeitete Erfolg dann tatsächlich auch gemeinsam geteilt wird.

Martin Fütterer

… wir haben den Investivlohn!

verlagsmitarbeiter
Die festen Mitarbeiter des Bio Verlags sind über eine Prämie auf das Gehalt am Erfolg des Verlags beteiligt. Viele haben außerdem eine Beteiligung erworben.

Auf den Staat warten oder selbst was tun?

Es hat lange gedauert, bis unser Beteiligungsmodell sowohl steuer- wie auch sozialversicherungsrechtlich abgeklopft war. Der deutsche Staat macht solche Modelle nicht gerade einfach! Wenn Sie sich für die konkrete Ausgestaltung interessieren: Die Grundlagen finden Sie im Internet unter erfolg.bioverlag.de

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