Afrikanische Küche - Interview

"Afrikanische Küche - das ist Improvisation und Frauenpower"

Dr. Dodo Liadé ist Politologe und stammt von der Elfenbeinküste. Er organisiert Events rund um die afrikanische Kultur. Für die Naturkostfirma Herbaria hat er afrikanische Gewürzmischungen kreiert.

Dodo LiadeSie werden Botschafter der afrikanischen Esskultur genannt. Warum?

Ich zitiere da gerne einen Chinesen: "Um die Sitten eines Volkes kennenzulernen, braucht man zwei Bücher. Ein Gesetzbuch und ein Kochbuch." Ich bin kein Jurist, Gesetzbücher kann ich nicht schreiben. Kochbücher schon.

Was ist typisch für die traditionell-afrikanische Küche?

Frische Zutaten, viele Gewürze, Improvisation und Frauenpower – das ist typisch für die afrikanische Küche. Afrikanerinnen regieren dort. Diese Macht wollen sie nicht so leicht abgeben und das ist gut so.

Sie selbst haben aber schon als Junge kochen gelernt ...

Ja. Als Siebenjähriger, bei meiner Mutter. Das hat mich so fasziniert, da wollte ich einfach gerne helfen.

Gibt es die traditionell-afrikanische Küche heute überhaupt noch?

Überall. Zum Glück hat die „Vergewaltigung“ der Esskultur, die Dörfer noch nicht erreicht. Damit meine ich jede Art von Fast Food. Fast Food von der Firma, die ich nicht nennen will, gibt es in den Großstädten noch nicht. Aber es gibt dort schon moderne Schnellküchen, eine Art Vorreiter von Fast Food.

Was bedeutet "moderne Küche"?

Die moderne afrikanische Küche ist eine Erfindung der Kolonisation, eine Kopie der europäischen Esskultur, die teilweise afrikanische Zutaten verwendet. Die Modernisierung zeigt sich auch beim Küchenwerkzeug: In den Städten benutzen die Frauen die Moulinette, anstelle des Mörsers, und Dosenöffner sind leider auch ein Begriff geworden.

Hauptnahrungsmittel ist meist ein Brei aus Getreide oder Wurzeln. Ist Fleisch wichtig für ein afrikanisches Essen?

Sowohl Fleisch als auch Fisch. Der Begriff „vegetarisches Essen“ existiert nicht in Afrika. Wer kein Fleisch oder keinen Fisch isst, konnte keines bekommen oder er kann es sich nicht leisten.

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