Editorial

Endlich mal wieder gute Stimmung

Wachsende Steuereinnahmen, fallende Arbeitslosenzahlen, Wirtschaftswachstum bei 2,5% – anscheinend gehts uns in Deutschland wieder gut. Vielleicht hat Gerhard Schröder doch zu früh das Handtuch geworfen? Er, die SPD und Die Grünen könnten diese Erfolge heute als Ergebnis ihrer Reformen feiern. Stattdessen fällt der Erfolg weitgehend an Angela Merkel – denn das Gedächtnis der Menschen ist kurz.

Eine Schwalbe ...

macht noch keinen Sommer. Ein gutes Jahr 2006 in Deutschland ist vielleicht ein beginnender Aufschwung – oder auch nicht.8,8% Wachstum im Naturkosthandel 2006 hingegen, ist ein recht stabiler Wert. Mit diesem Wachstum setzt sich der Fach-handel mit seinen Stärken auch gegen „Bio“ im Discounter durch.

So kurz wie beim Wetter. Frühlingstemperaturen im Januar – und gleich ist die Rede davon, dass es womöglich nie wieder schneit. Schon vergessen, dass wir erst im letzten Winter so viel Schnee hatten, dass es für drei Jahre reichte? Beim Wetter wie bei der Wirtschaft ist die aktuelle Stimmung oft die Zukunftsprognose. Das übliche Auf und Ab kommt dann irgendwie immer sehr überraschend.

Keine Überraschung ist, dass der Naturkost-Fachhandel 2006 um 8,8% wuchs und damit weit über dem deutschen Durchschnitt lag. Ein solches Wachstum hatte er auch in Zeiten, in denen Deutschlands Wirtschaft und Verbraucher schlecht drauf waren. Ihr Bioladen, Bio-Fachgeschäft oder Bio-Supermarkt setzt sich also im Allgemeinen gegen die zunehmende Konkurrenz von Bio im allgemeinen Lebensmittelhandel durch. Es spricht sogar einiges dafür, dass der unsichere Bio-Neukunde, verwirrt von Bio-Grabbelkörben bei Norma oder Lidl, zunehmend zum Bio-Fachgeschäft schaut, wo er ein wesentlich klareres und vor allem breiteres Bio-Sortiment vorfindet.

„Bio“ ist zwar seit 30 Jahren fast immer, aber nicht immer gewachsen. Zum Beispiel 2002, in der Folge des Nitrofen-Skandals, als die im Jahr zuvor durch den BSE-Schock gewonnenen Neukunden ihr Vertrauen in „Bio“ gleich wieder verloren. Auch damals gab es Fachleute, die die aktuelle Stimmung gleich zur unabänderlichen Zukunft hochredeten: Bio habe den Zenit überschritten. Das hatte Bio nicht, wie man heute sehen kann. Und die Zukunft? Sagen wir so: Biologischer Anbau und biologisch angebaute Produkte lösen Probleme und Bedürfnisse, die wir lösen müssen, ob wir wollen oder nicht. Deswegen ist ein Ende des Wachstums erst mal nicht in Sicht. Ob dieses aber bei 20 oder bei 70% Marktanteil für „Bio“ liegen wird, ob das noch 10 oder noch 100 Jahre dauert – das vorauszusagen überlassen wir den Wetterfröschen und Wirtschaftsweisen.

Wachstum kommt eben nicht nur von Stimmung, sondern vor allem von Leistung. Dass Bioläden eine gute Leistung bringen, haben Sie vier Jahre in Folge bescheinigt: In einer der größten Kundenbefragungen in Deutschland, der Schrot&Korn-Leserwahl „Die besten Naturkostläden“. Erste Ergebnisse für 2006 finden Sie auf Seite 7.

Martin Fütterer

bester NaturkostladenDie besten Naturkostläden –
erste Ergebnisse

38.866 Leser, knapp 3.000 weniger als im Jahr zuvor, haben Noten für ihren Naturkostladen abgegeben. Über 30.000 davon – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr – haben mit persönlichen Bemerkungen genau formuliert, was ihnen gefällt und wo Verbesserungen nötig sind. Auf Seite 7 erfahren Sie mehr über das Abschneiden kleiner und großer Läden, die Wünsche der Kunden und – ob Sie mit Ihrer Stimmkarte vielleicht sogar gewonnen haben!

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