Forscher finden Hinweise

Tumore durch Handy-Telefonate?

Mit einer Studie haben skandinavische und britische Wissenschaftler die Diskussion um mögliche Gesundheitsgefahren durch Mobiltelefone neu angeheizt. // Ursula Quass

Interview: Strahlenbelastung vermeiden

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Tumoren des Zentralnervensystems und dem Verhalten von Mobilfunknutzern, lautete die zentrale Frage des Forscherteams rund um Anna Lahkola von der finnischen Strahlenschutzkommission.

Nach viereinhalb Jahre dauernden Gesprächen mit 1522 Hirntumor-Patienten zu ihrem Telefonierverhalten und dem Vergleich mit einer Kontrollgruppe von 3301 Gesunden lässt sich laut den Wissenschaftlern als statistisch gesichertes Ergebnis festhalten: Nach zehn Jahren Handy-Nutzung ist das Risiko für einen Hirntumor auf der Seite des Kopfes, an die die Patienten das Mobiltelefon gewöhnlich halten, um 39 Prozent erhöht. Keinen belastbaren Zusammenhang fanden die Forscher dagegen zwischen dem Auftreten von Krebs und dem generellen Gebrauch von Handys, der Häufigkeit der Gespräche sowie der Dauer von Einzeltelefonaten.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), das den Schutz von Mensch und Umwelt durch Strahlen überwacht, sieht angesichts der neuen Studie keinen Grund, von seiner bisherigen Position abzuweichen: „Nach derzeitigem Erkenntnisstand besteht keine Gesundheitsgefährdung durch Handys, solange die SAR-Strahlungsgrenzwerte (siehe Interview) eingehalten sind. Es gibt aber Fragen, die noch geklärt werden müssen. Wir können nicht 100-prozentig ausschließen, dass es Wirkungen gibt, die wir noch nicht kennen. Schließlich handelt es sich um eine relativ neue Technologie“, erklärt BfS-Sprecher Florian Emrich. Wie die Forscher selbst sieht auch Emrich Bedarf an weiteren Untersuchungen. Mobilfunkgegnern wie Cornelia Waldmann-Selsam von der Ärzteinitiative Bamberger Appell, ein Zusammenschlusses von 130 Ärzten, geht das nicht schnell genug. „Wir brauchen keine neuen Studien. Wir müssen jetzt handeln“, fordert sie und verweist auf Untersuchungen von rund 2000 Patienten, die zahlreiche negative Gesundheitsfolgen des Mobilfunks ergeben hätten. Einigkeit herrscht in einem Punkt: Um Risiken möglichst zu vermeiden, sollte die eigene Strahlenbelastung so gering wiemöglich gehalten werden.

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