begegnen: Interview

"Ökologie des Herzens"

Als junger Abt hat der heutige Bischof Gregor Maria Hanke ein Kloster auf „Bio“ umgestellt. Gegen Gentechnik im Freien ist er grundsätzlich. Dass das Bistum Magdeburg ein Genforschungszentrum in Gatersleben betreibt, ist ihm neu. // Martin Fütterer, Fotos: Frank Boxler

In Ihrer Zeit als Abt hat sich das Kloster Plankstetten zu einer Art ökologischem Musterbetrieb gewandelt. Was waren die Motive?

Der Auslöser war die Krise der Landwirtschaft in den 80er-Jahren. Das hat unseren damals noch jungen Landwirt Frater Richard dazu gebracht, die Sackgasse des Ganzen zu erkennen und neue Wege zu suchen. Jeder Landwirt, egal ob er konventionell oder biologisch wirtschaftet, hat eine Liebe zu seinem Land und keiner möchte dem Land Gewalt antun. Das würde ich jedenfalls von der kleinstrukturierten Landwirtschaft in genere sagen wollen.

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Macht Euch die Erde untertan? Für Bischof Gregor Hanke aus Eichstätt ist das kein Freibrief für Ausbeutung sondern ein Auftrag für die Pflege der Schöpfung.

Plankstetten ist aber nicht gerade ein Kleinbetrieb, oder?

Mit Wald sind es etwa 220 Hektar.

Es haben nicht alle Landwirte die gleiche Konsequenz aus der Lage gezogen. Viele haben die konventionelle Schraube noch weitergedreht.

Wenn Sie in einem Kloster leben, das über 850 Jahre besteht, dann denkt man an die, die vor einem waren und die, die hoffentlich nach einem kommen. Die schnelllebige Art des Wirtschaftens geht uns gegen den Strich. Aus der Verantwortung gegenüber der Schöpfung hat sich dann der ökologische Weg des Klosters entwickelt.

Wie wäre dann Ihre Interpretation des Bibelwortes „macht Euch die Erde untertan“?

Wenn man den hebräischen Text genau liest, dann ist das der Auftrag, eine Kulturlandschaft zu gestalten. Die Erde, das Land, das einem anvertraut ist, zu pflegen, zu bebauen, auch ein Sozialgefüge zu entwickeln. Die Bibel gibt für mich jedenfalls keinen Auftrag, die Erde auszubeuten.

Gab es in Ihrem Lernprozess ein Schlüsselerlebnis?

Es war ein kontinuierlicher Prozess, ein Damaskusereignis hats da nicht gegeben.

Gab es Zweifel?

Es gab Zweifel, ob denn ohne den Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger die Erde das wirtschaftlich Notwendige einfach aus sich hervorbringen würde.

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Bischof Gregor Hanke mit Redakteur Martin Fütterer im Bischofshaus in Eichstätt.

War es denn erfolgreich?

Das ging ja in drei Schritten, die wir nicht vorhersehen konnten. Erst haben wir die Landwirtschaft begonnen umzustellen. Dann haben wir gemerkt, es nutzt nichts nur Rohprodukte für den Markt zu erzeugen. Wir mussten selbst verarbeiten und im dritten Schritt selbst vermarkten. Auf einmal hatten wir nicht nur eine andere landwirtschaftliche Methode, sondern wurden ein Wirtschaftbetrieb. Das musste eine geistliche Gemeinschaft erst mal verarbeiten, die das nicht von vornherein als erklärtes Ziel hatte.

Wie wurde diese neu geschaffene Identität dann im Kloster integriert?

Den Benediktinermönchen obliegt es ja, von ihrer Hände Arbeit zu leben. Das ist eine über 1500 Jahre alte Regel. Wir hatten vorher mehr Schule und mehr pastorale Betätigung und da war einiges an Umlernen erforderlich. Die Abtei hat sich in diesem Zusammenhang ein neues Motto gegeben: Leben aus dem Ursprung.

Die katholische Kirche ist ein großer Immobilien- und Landbesitzer, der zweitgrößte nach dem Staat selbst. Hat die Kirche da einen Auftrag?

Wenn Sie da auch an unsere Kirchen und Pfarrhäuser denken – es ist ja nicht alles landwirtschaftliche Nutzfläche. Den Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung umzusetzen, erfordert Fantasie und ist nicht immer einfach. Ich darf zum Beispiel hier auf der Schutzengel-Kirche keine Solarzellen anbringen.

Gibt es denn in der katholischen Kirche insgesamt eine Tendenz, Ökologie zum Thema zu machen?

Es gibt da kein zentrales Strategiepapier. In der Kirche ist Ökologie schon lange ein Thema, schon seit den 80er-Jahren, durchaus im Zusammenhang mit den Ressourcen der Dritten Welt. Die Frage der Umsetzung ist dann mehr eine Frage der einzelnen Gemeinschaften. Ich träume beispielsweise hier in Eichstätt von einem Hackschnitzel-Heizwerk, aber da müssen viele Köpfe mitdenken und Schultern mittragen.

Sie haben den Begriff „Ökologie des Herzens“ geprägt, was meinen Sie damit?

Damit will ich ausdrücken, dass sich die Ökologie nicht in einem Regelwerk beschränken darf, den Umgang mit der Schöpfung besser zu organisieren. Die Ökologie des Herzens ist eine Haltung der Verantwortung für das, was mir anvertraut ist. Meine Gedanken, meine innere Einstellung gehören dazu. Ökologie des Herzens ist ein Ausdruck, der mich auch in einer gewissen Ehrfurcht stehen lässt, zu dem, womit ich umgehe. Die Welt, die Ressourcen der Welt, sind nicht mein Besitz. Die Ökologie des Herzens geht zu diesem Besitzstreben auf Distanz.

Ist der Übergriff zu vertreten, den wir begehen, indem wir Tiere töten und verzehren?

Ich komme aus der Tradition des Mönchtums und diese christliche Tradition steht dem Fleischverzehr sehr zurückhaltend gegenüber. Das hat gesundheitliche aber auch spirituelle Gründe. Ohne Fleischverzehr ist man geistig freier, tierische Nahrung belastet. Der heilige Benedikt lehnt das Fleisch von Vierfüßern ab, das Geflügel und Fisch lässt er noch zu.

Fleischverzehr an sich verdammen Sie nicht?

Wenn denn schon Fleisch gegessen wird, dann bin ich der Meinung, dass die Tiere artgerecht und in Würde gehalten werden müssen. Außerdem ist das ökologische Gesamtgewicht zu beachten. Wenn alle Menschen weltweit so viel Fleisch essen wollten wie hier üblich, dann hätten wir Riesenprobleme. Schon jetzt ist der Futtermittelexport aus der Dritten Welt hierher eine ökologische und soziale Katastrophe. Das zeigt: Unser Lebensstil in Europa und USA ist ein Ausnahmelebensstil, den wir uns insgesamt gar nicht leisten können.

Was halten Sie denn von Gentechnik?

Ich bin absolut gegen den Einsatz von Gentechnik im Freien. Ich halte das für sehr gefährlich.

Ich bin dieser Tage darauf gestoßen, dass eines der aktivsten Forschungszentren für Agrargentechnik in Deutschland der katholischen Kirche gehört. Und zwar die Biopark GmbH in Gatersleben, im Besitz der Gero AG Magdeburg, wiederum im Besitz des Bistums Magdeburg. Was sagen Sie denn dazu?

Dieser Umstand ist mir gänzlich neu und erscheint mir fast unwahrscheinlich. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich da erst informieren und mit dem Bischof in Magdeburg Kontakt aufnehmen will.

Vielen Dank Bischof Hanke für dieses Gespräch. Und wir sind gespannt auf Ihre Stellungnahme zu Gatersleben.

Bischof Gregor Maria Hanke

Hanke

Gregor Maria Hanke studierte an der Katholischen Universität Eichstätt (1974-1980), in London, Oxford, Würzburg, Rom und Frankfurt/Sankt Georgen katholische Theologie und Anglistik. 1981 trat er in das Kloster Plankstetten ein (Ordensname Gregor nach Gregor von Nyssa) und empfing 1983 das Sakrament der Priesterweihe. Am 13. Juli 1993 wurde Gregor Maria Hanke zum Abt des oberpfälzischen Benediktinerklosters Plank-stetten bei Berching gewählt. Am 14. Oktober 2006 wurde er durch Papst Benedikt XVI. als Nachfolger von Walter Mixa zum 82. Bischof von Eichstätt ernannt.

Katholische Kirche betreibt Gentechnik-Forschungszentrum

Die Biopark-Gmbh in Gatersleben/Sachsen-Anhalt ist ein Forschungszentrumfür Agrargentechnik in Deutschland. Es bietet die Infrastruktur für Existenzgründer aus dem Bereich der Pflanzen-Biotechnologie und stellt Gewächshäuser und Freiflächen für Anbauversuche bereit. In unmittelbarer Nähe betreibt die Genbank IPK Erhaltungszüchtung für 150000 Kulturpflanzen aus aller Welt. Biopark gehört der Gero AG, diese wiederum dem Bistum Magdeburg.

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