spezial: Bio-Bauern - Öko-Pflanzenschutz

Striegeln statt spritzen

Unkraut auf dem Acker. Ein Graus für Bio-Bauern. Die Praxis zeigt aber: Mit einem gutem Zeitgefühl für die richtigen Arbeitseinsätze ist bereits viel gewonnen.

Der Öko-Landbau setzt auf mechanische Unkrautbekämpfung. Das klingt nach Jäten, Schweiß und Kreuzschmerzen. Bei einigen Kulturen wie Möhren müssen die Bio-Bauern auch mal mit der Hacke in der Hand aufs Feld. Beim tief wurzelnden Ampfer auf Wiesen und Feldern hilft nur das Ausstechen. Und wer die Ackerkratzdistel im Zaum halten will, muss ihr vor dem Aussamen die Köpfe abschneiden. Doch das meiste unerwünschte Beikraut bekämpfen die Bio-Bauern vom Traktor aus – mit Striegel oder Hacke im Schlepptau. Diese Geräte entwurzeln die frisch gekeimten Pflanzen. Oft striegelt ein Bio-Bauer das Feld zweimal im Abstand von zwei Wochen, bevor er Getreide oder Gemüse aussät. Hat sich die Saat zum Spross entwickelt, macht er bei weiteren Fahrten mit der Hacke neu gewachsenes Unkraut in den Furchen zwischen den Getreidereihen unschädlich. „Entscheidend ist der richtige Zeitpunkt“, formuliert Stefan Schmutz seine Erfahrungen.

Stimmigere Arbeitsgänge

Er muss genau beachten, wie weit das Unkraut gediehen und wie feucht der Boden ist. Bei nassem Wetter kann es passieren, dass die vom Striegel ausgerissenen Unkräuter wieder anwachsen anstatt zu vertrocknen. Wichtig sind auch optimale Bedingungen für die Aussaat, damit die Pflanzen schneller aufkommen als das Unkraut. „Im konventionellen Anbau kann man hinterher mit Düngergaben oder der Spritze korrigierend eingreifen. Im Öko-Landbau muss jeder Arbeitsgang stimmen.“ Das wichtigste Instrument für die Unkrautregulierung ist für ihn die Fruchtfolge. Durch den Wechsel von Winter- und Sommergetreide oder durch schnell wachsende Zwischensaaten lassen sich die Unkräuter von vorneherein in Schach halten.

Die vielfältigen Fruchtfolgen und die mechanische Unkrautregulierung sind wichtige Gründe dafür, dass auf Bio-Betrieben im Durchschnitt 10 bis 25 Prozent mehr Arbeit anfällt als auf konventionellen Höfen. In Betrieben mit Obst-, Gemüse- oder Gartenbau kann sich der Arbeitsaufwand aufgrund der vielen Handarbeit sogar verdoppeln. So rechnen die Bio-Bauern pro Hektar Zwiebeln mit 200 Arbeitsstunden für das Jäten per Hand. Dafür brauchen sie Saison-Arbeitskräfte, die extra zu Buche schlagen.

Deshalb sind die Personalkosten von Bio-Betrieben viermal höher als die konventioneller Bauern.

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