Plätzchen und Kaffee
Die Erfinder süßer Kuchen
Köstliche Legenden ranken sich um Plätzchen und Kaffee. Fast immer spielen Hirten darin eine Rolle. Aber auch Mönche und Dichter kommen zu Wort. // Rita Henß
Es gibt Berufsstände, die scheinen prädestiniert
für Legenden, zum Beispiel die Hirten. Sowohl die Weihnachtsplätzchen
als auch den Kaffee, so heißt es, verdanken wir ihnen.
Wie das? Fangen wir an mit den Festtagsküchlein: Die
Hirten waren gerade dabei, ihre Brote zu backen, da sahen
sie den Weihnachtsstern am Himmel leuchten. Sofort machten
sie sich mit ihren Herden auf den Weg nach Bethlehem, wohin
der Stern sie führte. Bei aller Aufregung hatten die
Hirten allerdings ihre Brote im Ofen vergessen. Als sie nach
Hause zurückkehrten, strömte ihnen jedoch statt
des Geruchs nach verbrannten Laiben herrlicher Duft entgegen.
Sie konnten kaum glauben, was geschehen war. Die Brote waren
zwar sehr dunkel, schmeckten aber himmlisch süß.
Allen Freunden und Bekannten gaben die glücklichen Viehhüter
eine Kostprobe des süßen Brotes, brachen es in
Stückchen, damit jeder in den Genuss kam. Als Erinnerung
an dieses Wunder backen nicht nur die Hirtenfamilien, jeweils
zur Heiligen Nacht kleine würzige Himmelskuchen ...
Lebkuchen und weiße Kuchen
Das legendäre Gebäck dürfte der Vorläufer des Lebkuchens gewesen sein, dessen Nüsse seit alters her Tod und Auferstehung symbolisieren. Doch Lebkuchen waren eine teure Gabe zum Fest; daher begann man sie im 19. Jahrhundert durch Plätzchen zu ersetzen. Helle Kuchen wurden schon bei der Wintersonnenwende der Kelten am 21. Dezember gereicht. Die Frauen sammelten dafür Weizen. Die Müller mahlten an diesem Tag umsonst und bekamen zum Dank Stechpalmen und Mistelzweige. Auch den Göttern wurden einige der weißen Kuchen geopfert.
Doch zurück zu den Hirten. Jenen aus der äthiopischen Provinz Kaffa, so schreibt 1671 Antonius Faustus Naironus in seinem Buch „De saluberrima potione cahve“, soll aufgefallen sein, dass ein Teil der Ziegenherde, der von einem Strauch mit weißen Blüten und roten Früchten gefressen hatte, bis in die Nacht hinein munter umhersprang, während die anderen Tiere müde waren. Als ein Hirte selbst die Früchte des Strauchs versuchte, stellte er auch bei sich eine belebende Wirkung fest. Die Hirten erzählten dies den Mönchen des nahe gelegenen Klosters. Neugierig geworden, bereiteten die frommen Männer einen Aufguss aus den merkwürdigen Früchten und konnten fortan bis tief in die Nacht hinein wach bleiben und miteinander reden ...
Wie Kaffee nach Europa kam
Tatsächlich wurde der Kaffee in Äthiopien bereits im 9.Jahrhundert erwähnt. Von dort gelangte er vermutlich im 14. Jahrhundert durch Sklavenhändler nach Arabien. Handelszentrum war die Hafenstadt Mocha, das heutige Al Mukha im Jemen. Die erste Anpflanzung außerhalb Afrikas und Arabiens geschah durch van Hoorn, der als Gouverneur von Niederländisch-Ostindien im 17. Jahrhundert in Ceylon und auf Java erste Versuche anstellen ließ. Von diesen Plantagen gelangten Anfang des 18. Jahrhunderts mehrere Exemplare nach Europa und wurden hier in botanischen Gärten kultiviert, z. B. in Amsterdam, wo erstmals ein Kaffeestrauch auf europäischem Boden gezogen wurde.
Goethe inspirierte Koffein
Das Getränk selbst erfreute sich damals schon längst großer Beliebtheit. Das erste Kaffeehaus (in Persien) fand rasch Nachahmer in vielen Ländern. So lernte der Augsburger Arzt Leonhard Rauwolf bereits 1573 in Aleppo (Syrien) den Genuss von Kaffee kennen. Ursprünglich war Kaffee ein sehr teures Gut, daher konnten ihn sich anfänglich nur gut situierte Bürger und Aristokraten leisten. Auch so mancher berühmte Künstler frönte gern dem Kaffeegenuss. Ludwig van Beethoven etwa hatte es sich angewöhnt, genau 60 Kaffeebohnen abzuzählen, um daraus eine Tasse Mokka zu brauen. Und von Johann Wolfgang von Goethe stammte die Idee, die Kaffeebohnen zu destillieren. Als der Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge diesen Dichtergedanken in die Tat umsetzte, entdeckte er dabei das Koffein. Und das ist keine Legende!
Schon gewusst?
Europas erstes Kaffeehaus eröffnete 1554 in Istanbul. Hundert Jahre später verfügten Venedig, London, Wien, Hamburg, Marseille, Bremen, Leipzig und Regensburg über ein Café. 1689 bescherte der Sizilianer Francesco Procopio Paris das „Procope“. In Berlin eröffnete 1721 das erste Café.
Der arabische Begriff qahwa wurde auch im Sinne von Wein verwandt. Denn wie bei der Rebe entscheiden Böden und Klima maßgeblich über den Geschmack. Begriffe wie „feine Säure“ und „viel Körper“ gehen daher Winzern und Kaffeebauern gleichermaßen gut von den Lippen.
Plätzchen und feines Gebäck galten bis ins 19. Jahrhundert als Luxusgut. Die Zutaten waren teuer, allen voran der Zucker, das importierte „weiße Gold“. Erst als es gelang, die kristalline Süße aus heimischen Zuckerrüben zu gewinnen, konnten sich auch einfache Leute Zucker ab und an leisten.
Namenspatron der Plätzchen ist tatsächlich der Platz – aber nicht der architektonische, sondern ein ebenfalls so bezeichneter süßer Fladen, der im Rheinischen bis heute als Blatz bekannt ist. Dessen Bezeichnung geht zurück auf das lateinische Wort placenta – was schlicht Kuchen bedeutet.
Zeit, viel Zeit, braucht der traditionelle Kaffeegenuss in seinem Heimatland Äthiopien. Bei der Zeremonie werden die Bohnen erst vor aller Augen geröstet, dann heiß im Mörser zerstoßen und anschließend als grobes Pulver in einer speziellen Kanne (jebana) mit Wasser drei Mal aufgekocht.
Eine soziale Funktion erfüllen Kaffeerunden vielerorts. Sie dienen nicht nur dem Genuss, sondern beim Kaffeetrinken werden traditionell Probleme besprochen und Streitereien geschlichtet. Mit Kardamom, Nelken oder anderen Gewürzen, sowie mit Salz und Butter, kochen einige Völker ihren Kaffee.
„Café Sano“ – gesunder Kaffee
In der mexikanischen Region Oaxaca hat er seit über hundert Jahren Tradition. Ohne künstlichen Dünger oder Pestizide kultivieren indianische Kleinbauern ihre Kaffeesträucher im Einklang mit der Natur. Schattenbäume, Durchmischung mit Nutzpflanzen und handwerkliche Pflege garantieren höchste Qualität. Auch in Nicaragua, Äthiopien (der Ursprungsregion des Arabica), Uganda (Heimat des Robusta) und anderen Ländern gibt es immer mehr ökologische Alternativen zur konventionellen Großplantage.
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