Genfood-Kritiker ausgezeichnet

Alternativer Nobelpreis für die Schmeisers

„Für ihren Mut bei der Verteidigung der Artenvielfalt und der Rechte der Bauern“ hat die Stiftung Right Livelihood Award das kanadische Ehepaar Percy und Louise Schmeiser mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. // Leo Frühschütz

Das kanadische Farmerpaar kämpft seit Jahren gegen den US-amerikanischen Gentechnikkonzern Monsanto und dessen „ökologisch und moralisch perverse Auslegung des Patentrechts“, wie es die Stiftung nennt. Über 40 Jahre lang hatten die Schmeisers in der westkanadischen Provinz Saskatchewan Raps angebaut und gezüchtet.

Ein Lebenswerk kaputt gemacht

„Wir hatten Sorten entwickelt, die speziell an die regionalen Bedingungen angepasst waren. 1998 stellte sich heraus, dass unsere Rapsfelder und damit unser Saatgut mit Genraps von Monsanto verunreinigt waren. Die Arbeit von über 40 Jahren war zerstört,“ erzählt der 76-jährige Farmer.

Anstatt den immensen Schaden zu ersetzen, bezichtigte Monsanto die Schmeisers, sie hätten den Genraps illegal angebaut und verklagte sie auf Lizenzzahlungen. Nach sechs Jahren juristischer Auseinandersetzung bestätigte der Oberste Gerichtshof von Kanada die Eigentumsrechte von Monsanto, entschied aber auch, dass die Schmeisers die von Monsanto geforderten rund 700000 Euro nicht zahlen mussten. 2006 verklagten die Schmeisers Monsanto, weil deren Genraps erneut ihre Felder kontaminierte. Sie wollten erreichen, dass der Konzern für diese Verunreinigung haften muss. Eine außergerichtliche Einigung scheiterte. Für den 23. Januar 2008 hat das Gericht die mündliche Verhandlung angesetzt.

Der Kampf gegen Monsanto machte Percy Schmeiser zu einem der bekanntesten Gesichter der Anti-Gentechnik-Bewegung. Über 50 Länder hat er in den letzten Jahren besucht und dort seine Botschaft verbreitet: „Es gibt keine Koexistenz, keinen Sicherheitsabstand. Die Ausbreitung genmanipulierter Organismen (GMO) lässt sich nicht kontrollieren. Die Wahlfreiheit ist verloren, wenn GMO eingeführt werden.“ Über seine Motive sagt Percy Schmeiser: „Wir wollen unseren Enkeln eine saubere Welt hinterlassen.Außerdem habe ich mich immer für die Bauern eingesetzt.“

Kraftquelle Partnerin

Das will er auch weiterhin tun. „Meine Frau Louise und ich haben uns geschworen: Solange wir am Leben sind, werden wir für das Recht der Farmer kämpfen. Louise hat eine sehr starke Persönlichkeit. Ohne ihre Unterstützung hätte ich das nicht geschafft.“ Deshalb ging der Alternative Nobelpreis auch an beide.

Der Preis wird seit 1980 vergeben und ist mit 250.000 Euro dotiert, die sich jedes Jahr drei oder vier Preisträger teilen. Er gilt als wichtigste Auszeichnung für Umwelt, Nachhaltigkeit und Menschenrechte. Ins Leben gerufen hat den Preis der deutsch-schwedische Publizist Jakob von Uexküll. Neben den Schmeisers erhielten ihn in diesem Jahr der Völkerrechtler Christopher Weeramantry aus Sri Lanka, die kenianische Friedensaktivistin Dekha Ibrahim Abdi sowie das Unternehmen Grameen Shakti für seine Solarinitiative in bengalischen Dörfern.

Percy Schmeiser

Der Landwirt und Saatgutzüchter lebt in der kanadischen Provinz Saskatchewan und besitzt eine 600 Hektar große Farm. Er war lange Bürgermeister seiner Heimatgemeinde und einige Jahre Abgeordneter im Parlament seiner Provinz. Percy und seine Frau Louise haben fünf Kinder und 15 Enkel. Alle Dokumente seines „klassischen Aufstands David gegen Goliath“ sind ins Internet gestellt:

www.percyschmeiser.com

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