Warenkunde: Allzweckreiniger

Saubere Alleskönner

Ein ganzes Arsenal an Putzmitteln muss nicht sein. Umwelt- und gesundheitsfreundlicher sind Allzweckreiniger – und ganz besonders Öko-Allzweckreiniger. // Ursula Quass

Es soll blitzen im Haushalt, suggeriert die Werbung und verweist auf eine schier unüberblickbare Palette an Reinigungsmitteln. Und ständig werden es mehr: Im Schnitt 6.500 neue Wasch- und Putzmittel oder neue Rezepturen bestehender Marken kommen laut Umweltbundesamt pro Jahr auf den Markt.

Gut 1,3 Millionen Tonnen der Mittel werden jährlich an den privaten Endverbraucher verkauft. Aber, und das wird häufig unterschätzt: Wasch- und Reinigungsmittel belasten vor allem das Abwasser ganz erheblich. Dabei reichen für den Hausputz einige wenige Produkte völlig aus, allen voran Allzweckreiniger. Sie sind wahre Alleskönner und für alle wischbeständigen Oberflächen in Küche, Bad und WC geeignet.

Da jedes noch so schonende Putzmittel der Umwelt schadet, gilt als wichtigste Grundregel: richtig dosieren. Informationen dazu finden sich auf jeder Packung, das ist Pflicht. Das Motto „viel hilft viel“ trifft eindeutig nicht zu – im Gegenteil: Fällt die Dosierung zu üppig aus, bilden sich lästige Schlieren.

Zusammengesetzt sind die Allzweckreiniger der verschiedenen Anbieter ähnlich. Herzstück sind die waschaktiven Substanzen, die Tenside. Diese reduzieren die Oberflächenspannung des Wassers. Dadurch kann das Wasser in und zwischen den Schmutz eindringen und ihn lösen, sodass der Dreck entfernt werden kann.

Verdünnt ohne Unterschied

Der Tensidgehalt liegt bei Allzweckreinigern in der Regel bei unter fünf Prozent. Dazu kommen oft Duft- und Farbstoffe sowie Konservierungsmittel. Ist der Reiniger im Putzeimer erst einmal kräftig verdünnt, gibt es in der Wirkung kaum Unterschiede, haben Vergleichstests ergeben. Alle Tenside in für den privaten Endverbraucher bestimmten Reinigungsmitteln müssen vollständig biologisch abbaubar sein, so schreibt es das Gesetz vor. Für die übrigen Stoffe gibt es selten gesetzlichen Bestimmungen.

Orangenschalenöl bedenklich

Nach Meinung des Umweltbundesamtes sollten in Allzweckreinigern nicht enthalten sein: Phosphate, deren Einsatz zu einer Überdüngung der Gewässer führen kann. Auch sind Produkte ohne organische Lösungsmittel umweltfreundlicher, selbst dann, wenn es sich um natürliche Lösemittel wie Orangenschalenöl handelt. Dieses besteht zu 98 Prozent aus Limonenen. Obwohl natürlich, wirkt dieser Stoff stark allergen und ist schlecht biologisch abbaubar.

Auch Glykolether und -ester gehören nicht in den Reiniger. Sie können zu Bindehautreizungen, Nierenschäden und in Einzelfällen zu Störungen des Nervensystems führen. Ebenso sollte Salmiak besser außen vor bleiben.Problematisch sind zudem halogenorganische Verbindungen, die Brom, Jod oder meistens Chlor enthalten. Sie gelten als allergieauslösend, manche erzeugen Krebs, fast alle reichern sich in der Umwelt an. Auch in der Regel als Konservierungsstoff eingesetztes Formaldehyd und Formaldehydabspalter sind krebs- und allergieverdächtig und reizen schon in geringen Mengen die Schleimhäute.

Öko-Allzweckreiniger unterscheiden sich von denen konventioneller Hersteller gleich in mehreren Punkten – auch wenn die Bio-Firmen bislang keine einheitlichen Kriterien festgelegt haben. Das beginnt bei den Tensiden: In Öko-Produkten kommen überwiegend rein pflanzliche Tenside (Seifen aus Pflanzenöl, Zuckertenside) sowie pflanzlich-mineralische Tenside (Fettalkoholsulfate) zum Einsatz.Konventionelle Firmen setzen dagegen vorwiegend auf petrochemische Komponenten. Das lehnen die meisten Anbieter im Naturkosthandel ab, wobei manche Öko-Hersteller einen Kompromiss eingehen und Mischtenside einsetzen, also einen Mix aus erdöl- und pflanzenrohstoffbasierten Tensiden. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der schnelle Bioabbau der Tenside. Tenside, die ohne große chemische Abwandlung aus nachwachsenden Rohstoffen gemacht sind, erfüllen diese Bedingung meist viel besser als auf petrochemischer Basis hergestellte.

Das löst Allergien aus

Synthetische Farb- und Duftstoffe sowie Konservierungsmittel haben in Öko-Putzmitteln nichts verloren. Begründet wird das mit deren hohem allergieauslösenden Potenzial. Stattdessen kommen ätherische Öle zum Einsatz. Die duften natürlich und helfen zusammen mit etwas Alkohol und einer höheren Konzentration der Tenside, den Reiniger ohne künstliche Stoffe stabil zu halten. Allerdings können auch natürliche Duftstoffe Allergien auslösen.

Alle Hersteller – egal ob öko oder konventionell – müssen die Inhaltsstoffe im Internet auflisten. Diese Deklarationspflicht dient in erster Linie dazu, dass Allergiker unverträgliche Substanzen herausfiltern können. Bei Hautproblemen sind Reiniger zu empfehlen, die nicht-ionische Tenside enthalten. Noch hautschonender sind laut Umweltbundesamt amphotere Tenside, wie sie in Handgeschirrspülmitteln verwendet werden. Was viele nicht wissen: Handgeschirrspülmittel sind wie Allzweckreiniger im Prinzip für alle Anwendungen geeignet.

Putzmittel sparen

Frische Flecken lassen sich leichter entfernen. Oft reicht Wasser mit ein bisschen Seife. Hartnäckige Verschmutzungen sollten eingeweicht werden. Auch geeignete Schwämme, Tücher oder Bürsten helfen, Putzmittel zu sparen. Ums Schrubben kommt man entgegen anders lautender Werbeaussagen ohnehin nicht herum.

Klinisch rein muss nicht sein
  • Antibakterielle und desinfizierende Substanzen sind für die normale Haushaltshygiene überflüssig. Tests belegen, dass sie teilweise nicht mehr Keime als herkömmliche Produkte beseitigen.Dafür enthalten viele Mittel Wirkstoffe, die Allergien auslösen können.
  • Außerdem können sie die Hautflora schädigen und so Krankheitserregern den Weg bereiten. Klinische Reinheit ist auch gar nicht gut: Eine allzu saubere Umgebung verhindert, dass sich bei Kindern das Immunsystem optimal entwickelt. Sie werden anfälliger für Allergien und Infekte.
  • Je öfter solche Mittel eingesetzt werden, desto wahrscheinlicher wird, dass die Bakterien gegen die Wirkstoffe resistent werden – und damit auch gegen in der Medizin eingesetzte Wirkstoffe. Erkrankt jemand so stark, dass das Bad desinfiziert werden muss, sollte man seinen Arzt fragen.
Ökos setzen auf Volldeklaration

Öko-Hersteller listen die Inhaltsstoffe in der Regel schon auf der Packung konkret auf. Hier finden sich in den meisten Fällen keine Sammelbezeichnungen wie „Duftstoffe“. Bei konventionellen Produkten steht meist nur der Gehalt der Tenside auf dem Etikett. Im Internet müssen sich alle Hersteller in die Flasche schauen lassen – auch wenn die chemischen Angaben für Laien kaum mehr erhellend sind.

Anmerkungen und Kommentare zum Artikel

Leserbrief schreiben Seite empfehlen
powered by
Impressum
Newsletter
Forum
Anfragen