Feiermonat MAI

Frühlingsleicht und festlich

Kaum ein Monat bietet so viele Gelegenheiten für spontane Feste. Die Natur blüht auf, ein Feiertag jagt den nächsten – und bezaubert mit leichten Genüssen wie Spargel, Kräuter und Erdbeeren. // Rita Henß

-> Rezepte

Crossover-Küche„Alles neu macht der Mai ...“, heißt es in einem Kinderlied. Der fünfte Monat steht für Aufbruch und Wiederbeginn, für das üppige Erwachen der Natur und freudige Feste. Alles blüht und grünt, die Pflanzensäfte steigen und Leichtigkeit liegt in der Luft! Jetzt sind die ersten Spargel und Erdbeeren reif, Rhabarber und frische Maikräuter wachsen und versprechen kulinarische Leichtigkeit und Gaumenwonne. Erich Kästner hat den Charakter des Wonnemonats und das frohe Seufzen, das er den Menschen entlockt, in einen wunderbaren Vers gegossen: „Im Galarock des heiteren Verschwenders, ein Blumenzepter in der schmalen Hand, fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders, aus seiner Kutsche grüßend übers Land. Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle. Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei. Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle. Oh, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!“

Walpurgis, Himmelfahrt

Ein Jahr aus lauter Mai – das wäre was. Aber dann kämen wir aus dem Feiern gar nicht mehr raus. Walpurgisnacht, Himmelfahrt, Muttertag, Tag der Arbeit, Pfingsten – und dazu noch all die Volks- und Straßenfeste, die Frühjahrsmärkte, die ersten Balkon- oder Gartenpartys und die Hochzeitsfeiern mit Maiglöckchen-Dekoration. Der „Mozart des Kalenders” schafft es mühelos, Gegensätzliches zu vereinen. Vom Liebeszauber bis zum Hexenfeuer reicht sein Repertoire, vom Mariengedenken bis zur politischen Manifestation. Bereits die keltischen Druiden feierten das endgültige Ende des Winters mit geheimen Ritualen. Zur Zeit Karl des Großen begrüßten dann vor allem die Ritter und Adeligen den Frühling mit Tänzen und Spielen. Aber auch die Bevölkerung der Dörfer und Städte huldigte ihm – auf Wiesen und Plätzen, manchmal auch fern der Siedlungen auf Bergkuppen und Bergrücken. Das Volk der Sachsen etwa versammelte sich regelmäßig im Harz, um den Mai mit Opfergaben willkommen zu heißen. Nachdem man die heidnische Gemeinschaft getauft hatte, wollte sie trotzdem nicht von ihren angestammten Kultstätten lassen. Anfänglich vermummt, dann in immer furchterregenderer Verkleidung, kehrten die Sachsen alljährlich zu ihren Götterplätzen zurück. So sollen, der Sage nach, die Spukgeschichten um Hexen und ihre Feste im Harz entstanden sein. Die katholische Kirche versuchte, dem tief verwurzelten Glauben der Menschen an Dämonen entgegenzusteuern, und widmete den Tag des 1. Mai der heiligen Walburga als der Patronin der Bauersfrauen und Mägde. Aber noch immer werden vielerorts in der Nacht zum 1. Mai mit Krach und Feuer „die Hexen verjagt”.

Maibaum, Bock und Königin

Einer der weitverbreitetsten Maibräuche ist das Maibaum-Aufstellen. Unter dem mit einem Kranz geschmückten „Baum” (meist eine langer Baumstamm) tanzt das Festvolk dann fröhlich in den Mai – zur Blasmusik oder zu Discorhythmen. Wer Durst hat, löscht ihn mit einem Maibock-Bier oder einer Maibowle. Oft wird im Rahmen dieser Feiern auch eine Maikönigin gekürt. Dieser Brauch ist bereits seit dem 13. Jahrhundert bekannt.

Raus in die „atmende Pastelle“

Seit rund hundert Jahren hat der 1. Mai überdies eine politische Bedeutung. Er gilt als Tag der Arbeit und wird heute besonders von den Gewerkschaften begangen. Festgelegt als internationaler Feiertag der Arbeiterbewegung wurde er 1889 in Paris. Statt arbeitspolitische Kundgebung und Demonstration wählen viele Menschen den Ausflug in die „atmende Pastelle”, der verschwenderisch gewandeten Natur. Mit Familie, Freunden, dem oder der Liebsten, mit Kind und Kegel, geht es zur Apfelblütenwanderung, zum Maispaziergang durch den Park, zur fröhlichen Flussfahrt oder zum Feiern in den Garten. Solch heitere Freiluftaktivitäten bieten sich an allen Maifesttagen – es sei denn, der Himmel öffnet seine Schleusen. Doch da spendet der Volksmund mit Bauernregeln Trost. Etwa so: Auf Philippi und Jakobi (1. Mai) Regen, folgt ein sich‘rer Erntesegen. Festlich-leichte Rezepte für spontane und deshalb umso schönere Maifeste finden Sie auf den folgenden Seiten.

Mit Wonne

Dieses Missverständnis haben wir Karl dem Großen zu verdanken: Er führte für den nach Jupiter Maius (römischer Gott des Wachstums) benannten Mai den Namen wunnimanot ein – korrekt zu übersetzen mit Weidemonat. Somit ist der Mai der Monat, in dem die Tiere aus dem Stall wieder auf die Wiese dürfen. Sicher eine Wonne für sie!

Kulinarische Wonnen im Mai

Spargel
Ägypter und Griechen kannten ihn, kultiviert haben ihn aber erst die Römer: für die Tische der Noblen. In Deutschland wurde zunächst nur Grünspargel angepflanzt, vom Norden her setzte sich dann die weiße Sorte durch.

Waldmeister
Cumarin nennt sich der Stoff, dem die Maibowle ihren Geschmack verdankt. Er kommt im Waldmeister vor, aber auch in Datteln oder Tonkabohnen. Für die Bowle wird Waldmeister 30 Minuten in Weißwein gehängt – länger nicht, sonst entfalten sich Bitterstoffe.

Rhabarber
Als Fremden (barbar) von der Rha (Wolga) bezeichneten die Griechen die Staude, die die Chinesen schon vor 4 000 Jahren als Heilmittel nutzten. In der Küche kennt man ihn seit dem 18. Jahrhundert. Botanisch ein Gemüse, wird er meist wie Obst verwendet.

Maischolle
Jung, zart und fein schmeckt der Goldbutt nur im Wonnemonat. Er ist dann gerade mal einen Handteller groß. Ob der Plattfisch wirklich frisch aus dem Meer kommt, zeigen die Äderchen neben den Gräten im Fleisch: Sie müssen blassrosa oder rotbräunlich sein.

Erdbeere
Der botanische Name „Fragaria“ tauchte erstmals 1330 bei Matthaeus Silvaticus auf. Er leitet sich aus dem lateinischen „fragare“ (duften) ab. Bereits unsere Urahnen kannten die Walderdbeere. Erste Funde reichen bis in die Steinzeit zurück.

Maibock
Die starke, spritzige und helle Bockbier-Spezialität gibt es jedes Jahr von März bis Juni. Das untergärige Starkbier hat über 6 Vol.-% Alkohol. Früher war es zur Fastenzeit besonders willkommen, da es tatsächlich als Ersatz für feste Nahrung diente.

Maikräuter – für Auge und Gaumen

Das bekannteste Maikraut ist der Waldmeister. Zu den klassischen Küchenkräutern zählt der Kerbel (Abb.). Man kann ihn wunderbar in Suppen einsetzen; in Frankreich gehört er unverzichtbar zu Erbsen. Die jungen Blätter des Gundermann kochte man früher häufig als Gemüse. Und vor der Kultivierung des Hopfens nutzte man die harzig-aromatische Pflanze aufgrund ihrer Bitterstoffe zur Konservierung von Bier. Erfrischend säuerlich schmecken die jungen Triebe und Blätter der Tripmadam (Fetthenne). Auch Brunnenkresse, Schafgarbe, Kleiner Wiesenknopf und junge Brennnesseln sind köstliche Frühlingsboten. Einfach ausprobieren!

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