BioBasics - Bio-Basiswissen - Teil 3 - Obst und Gemüse
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Von Ananas bis Zucchini: Bioläden bieten ein umfassendes Sortiment an Obst und Gemüse. Wer zum ersten Mal davorsteht, hat womöglich ein paar Fragen. // Leo Frühschütz
Schmecken Bioäpfel besser?
Sehr oft. Geschmack ist subjektiv und viele Biokunden schwärmen davon, dass die Bioerzeugnisse noch so intensiv schmecken „wie früher“. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass Obst und Gemüse weniger Wasser enthalten, weil sie keinen Kunstdünger bekommen. Dadurch sind Geschmacksstoffe und Fruchtzucker stärker konzentriert. Bei Gemüse wie Kohl oder Zwiebeln sind wichtige Geschmacksstoffe Teil der Schädlingsabwehr. Die ist in Bioprodukten besonders fit, weil sie nicht gespritzt werden. Biobauern greifen häufiger zu alten Sorten, weil sie an regionale Bedingungen besser angepasst sind. Weil sie nicht auf Höchsterträge gezüchtet wurden, schmecken sie oft intensiver. Das gilt auch für neue Sorten, die speziell für den Ökolandbau entwickelt wurden, etwa die Möhrensorte Rodelika. Die große Sortenvielfalt im Bioladen bietet immer wieder neue Geschmackserlebnisse. Auf den Geschmack wirken neben der Sortenwahl auch Boden, Klima und Erntezeitpunkt ein. Eine Tomate, die zu wenig Sonnenschein abbekam oder zu früh geerntet wurde, die schmeckt fad – auch wenn sie bio ist.
Warum ist Bio-Obst teurer?
Biolebensmittel haben ihren Preis. Weil die Biobauern stärker auf die Umwelt achten, müssen sie mehr arbeiten und ernten dennoch weniger. Zum Beispiel Äpfel: Um schöne, makellose Äpfel anzubieten, spritzen konventionelle Obstbauern ihre Bäume im Schnitt 28 Mal im Jahr. Ökobauern dürfen im Kampf gegen Mehltau, Schorf oder Apfelwickler nur auf wenige Mittel wie Schwefelkalk zurückgreifen. Ansonsten können sie nur gezielt Nützlinge fördern. Doch das Anlegen von Hecken oder Randstreifen kostet wertvollen Platz. Die Verluste an Äpfeln lassen sich dadurch begrenzen, aber nicht verhindern. Weil sie die Gassen zwischen den Bäumen nicht mit Her- biziden sauber spritzen, müssen sie das Gras dort vier- bis fünfmal im Jahr mähen. Arbeitsaufwendig ist auch das mechanische Ausdünnen. Dabei werden überzählige Blüten entfernt, damit der Baum nur so viele Früchte trägt, wie er auch ernähren kann. Konventionelle Obstbauern machen das mit chemischen Mitteln. Im Laden sind Bioäpfel deshalb im Durchschnitt ein Euro je Kilogramm teurer als konventionelle.
Braucht man die ganze Plastikverpackung?
Nein. Üblich sind abgepackte Produkte im herkömmlichen Supermarkt. Dort ist das wichtig, damit Bio- und konventionelles Obst nicht wild durcheinanderkugeln. So bleibt alles sortiert und der Kunde kann auf der Verpackung lesen, dass er Bioäpfel kauft. Im Bioladen besteht keine Verwechslungsgefahr, hier sind Obst und Gemüse 100 Prozent bio. Deshalb bieten die Läden die Ware meist so an, wie sie die Erzeuger in Kisten gepackt haben. Heimisches Gemüse und Obst liegen oft in flachen grünen Plastikkisten. Das sind Mehrwegbehälter, die über den Großhandel zurück an den Bauern gehen und von ihm gewaschen und neu gefüllt werden. Nur Kartoffeln und gelegentlich Zwiebeln oder Zitrusfrüchte sind in Tüten oder Netze abgepackt. Äpfel im Sechserpack oder in Folien eingeschweißte Gurken haben im Bioladen Seltenheitswert. Dabei wären sie aus Sicht der Läden durchaus praktisch. Das Wiegen an der Kasse entfällt, die Folien halten das Verpackte länger frisch und die Kunden könnten nicht jeden Pfirsich einzeln in die Hand nehmen. Doch genau das sollen sie – und sehen, dass er frisch ist.
Ist Bio gesünder?
Ja: Immer mehr Untersuchungen belegen, dass Bioerzeugnisse mehr gesundheitsfördernde Substanzen wie Vitamine und Antioxidantien enthalten. Zwar hängt der Gehalt solcher Stoffe auch von anderen Faktoren wie Sorten, Boden oder Witterung ab. Doch tendenziell liegen Bioprodukte vorn. Das liegt daran, dass die Antioxidantien auch die Früchte selbst vor Krankheiten schützen. Weil Biobauern keine Pestizide einsetzen, müssen die Pflanzen sich selbst helfen und bilden mehr dieser schützenden Stoffe. Gleichzeitig führt der Verzicht auf Spritzgifte dazu, dass Bioerzeugnisse kaum Pestizidrückstände enthalten. Konventionelles Obst und Gemüse ist im Schnitt 200-mal stärker belastet, ergaben jahrelange Untersuchungen der baden-württembergischen Lebensmittelbehörde. Offiziell gelten die Pestizidrückstände innerhalb der amtlichen Grenzwerte zwar als unbedenklich. Doch gibt es kaum Untersuchungen, wie sich der Cocktail aus bis zu 15 verschiedenen Giften in konventionellen Produkten langfristig auf die Gesundheit auswirkt.
Woher kommen Obst und Gemüse im Bioladen?
Manche Bioläden verkaufen direkt Obst oder Gemüse von Biobauern aus der Region. Viele Biogärtner betreiben auch eigene Hofläden. Doch in der Regel liefert ein Großhändler dem Laden Obst und Gemüse. Der Händler hat viele regionale Lieferanten, kauft aber auch Produkte aus Übersee ein. Die ersten Kartoffeln ernten deutsche Bauern Ende Mai. Wer früher Knollen der neuen Ernte will, muss zu Kartoffeln aus Italien oder Ägypten greifen. Tomaten im April kommen entweder aus dem Treibhaus oder aus Südspanien. Das Herkunftsland der Produkte steht auf den Kisten und Packungen. Wenn deutsche Produkte Saison haben, achten die Händler darauf, dass heimisches Gemüse im Regal steht. Doch der Kunde entscheidet. Derzeit kommen 83 Prozent aller Biokartoffeln (auch der im Supermarkt) aus Deutschland. Bei Äpfeln, Erdbeeren, Möhren und Frischgemüse ist es jeweils etwas mehr als die Hälfte. Bei Tomaten und Birnen kommt nur jede Fünfte aus Deutschland. Wichtigste Lieferländer für Zitrusfrüchte sind Italien und Spanien.
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