Studie des Umweltbundesamtes
Genug Strom auch ohne Kohle und Atom
Auch ohne Atomkraftwerke und zusätzliche Kohlekraftwerke ist die Versorgungssicherheit bis 2020 nicht in Gefahr. Das bestätigt nun auch das Umweltbundesamt in einer Studie. // Manfred Loosen
Im Juni 2000 hatte die Bundesregierung mit den Energieunternehmen vereinbart, aus der Atomkraft auszusteigen. Kritiker dieser Absprache wandten ein, dies gefährde die Versorgungssicherheit. Zudem sei ohne Atomstrom das Klimaschutzziel, bis 2020 die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, nicht zu erreichen. Dem widerspricht das Umweltbundesamt (UBA) nun. Das Ziel, die Emissionen zu senken und gleichzeitig die Stromversorgung zu sichern, sei auch erreichbar, wenn man auf die Nutzung der Atomkraft verzichte. Fünf Bedingungen seien hierfür jedoch zu erfüllen (siehe Kasten).
Über die Bestätigung des UBA, dass es keine Versorgungslücke im Energieangebot geben wird, freute sich der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger: „Jetzt hat auch das Umweltbundesamt klargestellt, dass ohne Atomstrom und ohne neue Kohlekraftwerke ambitionierte Klimaschutzziele und eine sichere Stromversorgung erreichbar bleiben. Die Chefs der Energieunternehmen sollten endlich einsehen, dass ihre Panikmache vor einem Blackout in Deutschland gescheitert ist.“ Nach Ansicht des BUND könnten regenerative Energien bis 2020 die Kapazitäten der abzuschaltenden Atomkraftwerke ersetzen.
Den von der Deutschen Energieagentur (Dena) zur Deckung einer „Stromlücke“ errechneten Bedarf von 15 zusätzlichen Großkraftwerken stellte der BUND infrage. Deutschlands Stromexporte hätten im zurückliegenden Jahr der Leistung zweier Atomkraftwerke entsprochen. Dieser hohe Exportanteil belege, dass es auch dann keine Stromlücke gebe, wenn mehrere Reaktoren wegen technischer Pannen monatelang abgeschaltet blieben. Neue Kohlekraftwerke unterliefen zudem die nationalen Klimaschutzziele. Weiger kündigte an, der BUND werde den Bürgerprotest an den Standorten geplanter neuer Kohlekraftwerke weiter unterstützen.
UBA: So geht‘s ohne Atomstrom
1. Stromsparen: Der Bruttostromverbrauch muss um 11 Prozent gesenkt werden (Vergleich 2005/2020).
2. Strom aus der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), vor allem auf Erdgasbasis, muss auf 25 Prozent gesteigert werden.
3. Es dürfen keine zusätzlichen Kohlekraftwerke über die heute schon im Bau befindlichen hinaus gebaut werden.
4. Die Stromproduktion auf Basis erneuerbarer Energien muss – wie im Leitszenario vorgesehen – weiter ausgebaut werden.
5. Alte, ineffiziente Kraftwerke müssen abgeschaltet werden, sobald die vorgesehene Lebensdauer erreicht ist.
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