Brennpunkt: Grundnahrungsmittel für alle
Mehr Öko – weniger Hunger
Grundnahrungsmittel werden knapp. Während die Agroindustrie die Situation ausnutzt, um ihre Gentechnik zu propagieren, raten Wissenschaftler, verstärkt auf Ökolandbau zu setzen. // Leo Frühschütz
Eigentlich gäbe es genug zu essen für alle. Den Hunger machen die Menschen selbst. Weil sie Nahrungsmittel und Land ungleich verteilen, weil sie die natürlichen Ressourcen plündern oder Löhne zahlen, die für das tägliche Brot nicht reichen. Bis 2015 wollten die Regierenden der UNO-Staaten die Zahl der Hungernden halbiert haben. Stattdessen wächst sie. Auch deshalb, weil immer mehr Lebensmittel verbraucht werden, um Tiere zumästen und Autos zu bewegen. Die Weltmarktpreise für wichtige Grundnahrungsmittel haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt.

Hunger: ein Übel mit vielen Ursachen. Verantwortlich
ist auch die industrielle Landwirtschaft. Ökolandbau
hingegen kann laut FAO zur Ernährungssicherheit beitragen.
Viele Agrarexperten wissen, dass die industrialisierte Landwirtschaft mit ihrem hohen Bedarf an Kunstdünger und synthetischen Spritzgiften keine Zukunft mehr hat. Der Weltagrarrat, ein Expertengremium der UNO, hat im Frühjahr einen ausführlichen Bericht vorgelegt.
Darin kommen die 400 Fachleute zwar zum Schluss, die moderne Landwirtschaft habe einen Anstieg in der Nahrungsmittelproduktion gebracht. „Aber die Vorteile sind ungleich verteilt und haben einen zunehmend unannehmbaren Preis, den Kleinbauern, Arbeiter, ländliche Gegenden und die Umwelt bezahlen müssen.“ Die Experten fordern den Wechsel von einer nur auf Produktivität fixierten Sichtweise hin zu einer ganzheitlichen Betrachtung der Landwirtschaft. Im Mittelpunkt sollten dabei die Bedürfnisse der Kleinbauern in den verschiedenen Ökosystemen stehen.
Ökolandbau hilft Millionen
Ein solcher Weg ist der Ökolandbau. Er hat schon jetzt die Lebensumstände von Hunderttausenden von Bauern in Entwicklungsländern verbessert. Und er könnte Millionen weiteren helfen. „Der Ökolandbau kann zur Ernährungssicherheit beitragen, er kann den Klimawandel abmildern und die Wasserversorgung verbessern“, heißt es von Seiten der FAO.
Rund die Hälfte aller Hungernden sind Kleinbauern. Sie leben auf erodierten, abgewirtschafteten Böden, deren Erträge oft nicht zum Überleben reichen. Der Ökolandbau erhöht durch Kompostierung Humusgehalt und Fruchtbarkeit dieser Böden. Er sorgt durch Mischfruchtanbau und verbesserte Anbautechniken für stabilere Erträge. Da die Bauern dafür kaum Betriebsmittel von außen brauchen, müssen sie sich nicht verschulden. Das verbessert ihre wirtschaftliche Lage deutlich.
Studie belegt: Öko reicht
Ivette Perfecto und Catherine Badgley, Professorinnen an der Universität von Michigan, haben die Daten von fast 300 Vergleichen zwischen Ökolandbau und konventioneller Produktion ausgewertet und hochgerechnet. Ihre Zahlen zeigen, dass sich mit 100 Prozent Ökoanbau weltweit mindestens so viel Nahrung produzieren lässt wie derzeit. Vermutlich ist es sogar deutlich mehr, schätzen die beiden Wissenschaftlerinnen.
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