Brennpunkt: Grundnahrungsmittel - Interview
Entscheidend ist ein fairer Preis
Der Agraringenieur Lukas Kilcher arbeitet
am Forschungsinstitut
für biologischen Landbau (FiBL).
www.fibl.org
Können 100 Prozent Ökolandbau die Menschheit
ernähren?
Es gibt Modellrechnungen von Kollegen, die zu diesem Ergebnis kommen. Unbestritten ist, dass der Ökolandbau einen sehr wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherheit leisten kann. Durch die Vielfalt im Anbau ist er ein stabiles System und weniger anfällig. Solche positiven Auswirkungen zeigen sich in vielen Ökoprojekten.
Ist die Rückkehr zur traditionellen Landwirtschaft eine Lösung?
Die Lösung heißt nicht „zurück zu den Wurzeln”. Der Biolandbau verknüpft traditionelles bäuerliches Wissen mit Er-kenntnissen moderner agrarökologischer Forschung. Zusammen mit den Bauern entwickeln wir Anbaumethoden und Verfahren, welche an die jeweiligen Standorte und lokalen Bedingungen angepasst sind. Aufgepfropfte Hightech-Lösungen sind nicht nachhaltig.
Wie verhilft man dem Ökolandbau zum weltweiten Durchbruch?
Die Menschen brauchen Zugang zum nötigen Fachwissen, müssen also geschult werden. Außerdem brauchen sie einen Marktzugang für ihre Produkte, sowohl im Land als auch für den Export. Auch ist noch viel Forschung nötig, um die Methoden des Ökolandbaus optimal an lokale Bedingungen anzupassen.
Was sind die größten Schwierigkeiten?
Erst mal ist entscheidend, dass die Bauern für ihre Anstrengungen fair honoriert werden. Eine Schwierigkeit für viele Kleinbauern in den Tropen ist der Mangel an kompostierbarem Material, weil die Nachfrage nach organischen Reststoffen als Viehfutter und für die Energieproduktion steigt. Ein weiteres Problem sind die hohen Kosten für die Zertifizierung. In der Harmonisierung von Richtlinien, Zertifizierung und Akkreditierung braucht es dringend weitere Anstrengungen.
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