Warenkunde: Bio-Haustierfutter
Ein feines Fressen
Was in Fiffis Futter steckt, wissen meist nur die Hersteller. Die Deklaration lässt viel Spielraum. Wer seinem Liebling Fragwürdiges ersparen will, holt sich das Futter aus dem Bioladen. // Astrid Wahrenberg
Die Auswahl an Biofutter für Hund und Katze ist enorm. Dosen- oder Trockenfutter enthalten wahlweise Fleisch vom Rind, Schwein, Huhn, Lamm, Schaf, Fisch oder von der Pute aus Biohaltung. Hundebesitzer können zudem unter mehreren vegetarischen Futtersorten wählen. Daneben stehen in den Regalen zahlreiche Ergänzungsfutter: Reine Fleischterrinen, Gemüse pur oder Gemüse- Getreide-Mischungen. Auch das gibt’s alles in 100-Prozent-Bioqualität. Dabei waren die Futtermittelpioniere der Ökobranche wie Yarrah vor ein paar Jahren schon froh, wenn sie einen Teil der Produkte aus Öko-Rohstoffen herstellen konnten. Mit steigender Nachfrage nach Biolebensmitteln gibt es heute nur noch gelegentlich Versorgungsengpässe.
Das Beste ist das, was fehlt
Wie im Lebensmittelhandel, haben große konventionelle Tierfutterhersteller den Bedarf nach Bioprodukten erkannt. So bietet etwa die Firma Gimborn das Mineralfutter Bio Fit an. Deutschlands größte Tiernahrungskette Fressnapf führt seit November 2006 die Marke Bioplan. „Das Beste am Biofutter ist das, was fehlt“, heißt es in einer Pressemitteilung, „nämlich schädliche Rückstände aus landwirtschaftlicher Monokultur und Massentierhaltung, Farbstoffe, Geruchsstoffe, künstliche Anti-oxidantien und Konservierungsmittel, Lockstoffe, Aromastoffe und Gentechnik.“ Es seien gerade diese Substanzen, die bei Tieren allergische Reaktionen auslösen könnten. „Und das muss ja schließlich nicht sein“, heißt es bei Fressnapf weiter.
Keine Krallen, Gefieder, Hufe
Wovon man bei Gimborn und Fressnapf an dieser Stelle nicht spricht, sind tierische Nebenerzeugnisse wie etwa Schnäbel, Klauen, Sehnen, Knorpel und Gefieder. Sie dürfen Heimtierfutter beigemischt werden. An sich ist nichts dagegen zu sagen, wenn Schlachtreste von Tieren verarbeitet werden. Aber auf die Menge kommt es an. Konventionelle Hersteller und ihre Bioableger geben auf ihren Etiketten nicht preis, wie hoch der Anteil an diesen billigen und teilweise minderwertigen Eiweißquellen ist. Auf dem Etikett steht lediglich die Sammelbezeichnung „Fleisch und tierische Nebenprodukte“. Mit Fleisch kann teures Muskelfleisch sowie billiges Binde- und Fettgewebe gemeint sein. Biohersteller wie Bio-Pur, Yarrah, Terra-Pura, Herrmanns, Waseba und Demeter Felderzeugnisse, die es im Bioladen gibt, versichern, dass in ihr Tierfutter keine minderwertigen Nebenprodukte kommen. Unter minderwertig verstehen sie etwa Krallen, Gefieder, Hufe oder Schnäbel. Sie haben kaum Nährwert und erfüllen höchs- tens als Füllstoff einen Zweck. Biohersteller verarbeiten zu einem hohen Prozentsatz hochwertiges Muskelfleisch in Lebensmittelqualität sowie wenige, ausgesuchte Nebenerzeugnisse wie Herz, Leber, Lunge und Nieren, die manche Firmen explizit benennen. Innereien von Schlachttieren liefern wertvolle Vitamine, Mineralien und Aminosäuren. Im Herz steckt beispielsweise der für Katzen lebenswichtige Stoff Taurin, der sonst aus chemisch-synthetischen Quellen zugegeben werden müsste. Demeter Felderzeugnisse verarbeitet in „Defu Heimtierfutter“ neben Innereien auch Hühnerhälse, -kämme oder Augen von Demeter-Schlachttieren. „Es wäre doch eine Schande, das alles wegzuwerfen, zumal das gute Eiweißquellen sind“, sagt Demeter-Mitarbeiter Florian Schlüter. Ob man Hunde vegetarisch ernähren kann, ist ein viel diskutiertes Thema. Der Biomarkt bietet auch in diesem Bereich eine ganze Reihe von Produkten an. Die Firma Waseba (Marke Biopur) hat ein vegetarisches Alleinfuttermittel im Sortiment. Auch Bello‘s Crunchy von Regina Schmitz und Yarrah vegetarisches Hundefutter sind Alleinfuttermittel und verkaufen sich seit Jahren gut.
Gesünder ohne Fleisch
Zu den Kunden gehören vor allem Besitzer von Hunden mit Allergien und Vegetarier. Studien der Tierschutzorganisation PETA besagen, dass fleischlos ernährte Hunde ein geringeres Infektions- und Krebsrisiko haben. Der Deutsche Tierschutzbund hält eine vegetarische Hundeernährung generell ebenfalls für möglich, gibt aber zu bedenken: „Der Hund ist ein Carnivore. Er frisst gerne Fleisch. Daher empfehlen wir einem Hundehalter, bei der Ernährung seines Vierbeiners nicht ganz auf Fleisch zu verzichten. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn der Hund zwischendurch einmal vegetarisch ernährt wird. Aber: Hunde freuen sich nun einmal auch über einen Knochen oder ein Stück Fleisch.“
Begriff ungeschützt
Die EG-Öko-Verordnung regelt nur Lebensmittel für den menschlichen Verzehr. Dennoch verwenden Bioproduzenten von Heimtierfutter nur Öko- zutaten. Sie lassen das sogar von Kontrollstellen prüfen. Das sechseckige, staatliche Biosiegel darf zwar nicht auf die Verpackung, Verbandslogos und Bioprüfsiegel schon.
Biofutter gegen Allergien
- Die Internetforen sind voll davon: Berichte von Hunde- und Katzenbesitzern, die über Haut- reaktionen, Blähungen, Erbrechen, Verdauungs-probleme, Juckreiz oder Milbenallergie ihrer Lieblinge klagen.
- Viele Kunden steigen deshalb auf Biofutter um. Bei zahlreichen Vierbeinern bringt schon allein der Verzicht auf bedenkliche Zusatzstoffe sowie Grundzutaten, die nicht mit Hormonen, Antibiotika und Pestiziden belastet sind, eine Besserung.
- Für allergiegeplagte Haustiere bieten Biotier- futteranbieter außerdem Alleinfuttermittel mit glutenfreiem Getreideanteil an. Auch auf Soja wird teilweise verzichtet. Für eine Ausschlussdiät sind Futtermittel mit nur einer tierischen Proteinquelle (z. B. Rind, Huhn, Fisch) geeignet. Terra-Pura bietet auch Dosen mit Pferdefleisch (nicht bio) an. So kann man herausfinden, ob und auf welches tierische Eiweiß das Tier reagiert. Bei Hunden kann man eventuell mit vegetarischem Futter die Allergie in den Griff bekommen.
Biofressen schmackhaft machen
Da sind sie wie Kinder: Tieren, die Konventionelles gewöhnt sind, kann man gutes Biofutter nicht immer gleich schmackhaft machen. Ihr Fresstrieb ist auf synthetische Lockstoffe programmiert. Defu schwört auf den natürlichen Lockstoff Bioleberhydrolysat. Eine hohe Akzeptanz verspricht auch Yarrah. Sie sei vor allem „der vielseitigen Verwendung von Huhn als Hauptbestandteil zu verdanken“, heißt es. Terra-Pura empfiehlt, die Vierbeiner langsam umzustellen. Dazu soll zunächst das konventionelle Futter mit Biofutter vermischt werden. Tipp: Etwas heißes Wasser darübergießen, das setzt das Fleischaroma frei.
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