Einkauf: Bio-Weizenbier
Gold im Glas
Das Glas ist elegant geschwungen. Sein Inhalt funkelt goldgelb im Sonnenlicht. Beim ersten Glas Weizenbier im Biergarten gerät der Autor dieser Zeilen immer wieder ins Schwärmen ... // Leo Frühschütz
Ein gutes Weißbier schmeckt wie ein Geschmacksakkord: Hefe als satter und kräftiger Grundton, harmonisch abgemischt mit malziger Süße und bitterem Hopfen. Darüber schweben Bananen- und Pfirsicharomen als Obertöne und leise schwingt etwas Gewürznelke mit. Schon ein Schluck füllt den Mund aus wie ein Fortissimo den Konzertsaal ... Für einen eingeschworenen Pilstrinker mag dieses Loblied eines bekennenden Weißbierfans allzu hymnisch klingen. Doch es muss ja Gründe dafür geben, dass sich diese im vergangenen Jahrhundert fast ausgestorbene altbayerische Spezialität in den letzten 40 Jahren auf Platz drei der Bierhitliste hochgearbeitet hat. Da ist zum einen der Anteil von 50 bis 70 Prozent Weizen im Malz, das bei den anderen Bieren aus purer Gerste besteht. Hinzu kommt die spezielle obergärige Hefe. Die heißt so, weil sie beim Brauen obenauf schwimmt. Obergärige Hefen erledigen ihre Arbeit bei 15 bis 20 Grad. Als die Brauereien noch keine großen Kühlmaschinen hatten, war dies die gängige Art, in der warmen Jahreshälfte Bier zu brauen.
Die Hefe macht‘s
Erst als Carl von Linde vor 130 Jahren die Kühlmaschine erfand, begann der Siegeszug der untergärigen Hefe. Sie arbeitet am besten bei fünf bis zehn Grad und bringt Biere hervor, die deutlich länger halten. Geschmacklich kommen sie aber nicht an die obergärigen Spezialitäten Kölsch, Alt und Weißbier heran. Die Weizenkörner und die Weißbierhefe bringen fruchtige Aromastoffe ins Bier. Um diese nicht zu überdecken, hopfen die Brauer das Weißbier nicht so stark wie ein Pils.
So kommt der Schaum ins Bier
Wird das Weizen abgefüllt, kommt noch ein Schuss Bierwürze dazu. Den vergären die Hefezellen, während die Flasche im Keller lagert. Dabei produzieren sie die Extraportion Kohlendioxid, die das Weißbier so schön schäumen lässt. Die Hefe bleibt nach getaner Arbeit in der Flasche. Das sieht, riecht und schmeckt man. Einzige Ausnahme ist das Kristallweizen. Das gärt im Lagertank nach und kommt sauber abgefiltert in die Flasche. Spritzig, klar und schlank, mit einem Hauch von Weizen – so kommen selbst Pilstrinker auf den Geschmack. Überzeugte Alttrinker sollten sich über das dunkle Weißbier herantasten. Dessen Malz hat, wie beim Alt, beim Trocknen etwas mehr Hitze abbekommen. Das führt beim Brauen zu dunkelbraunen Bieren mit malzigerem Geschmack und mehr Röstaromen. Doch der Klassiker ist das helle, naturtrübe Hefe-Weizen. Obwohl die Zutaten die gleichen sind, schmeckt es bei jeder Brauerei anders. Doch eines haben die Biobrauer gemeinsam: Sie nehmen das Reinheitsgebot wörtlich. Das Braugetreide und der Hopfen werden nicht mit Pestiziden besprüht. Der Glukosesirup, auf dem die Hefen wachsen, wird nicht mithilfe genmanipulierter Enzyme aus Genmais gewonnen, wie das bei manchen konventionellen Brauereien der Fall ist. Malz und Hopfen werden nicht geschwefelt. Die Richtlinien der Bioanbauverbände verbieten zudem den Einsatz von Hopfenextrakt. Ionenaustauscher und Aktivkohle bleiben außen vor, ebenso wie das Stabilisierungsmittel Polyvinylpolypyrrolidon (PVPP). Biobrauer arbeiten nicht mit erhöhtem Druck oder Heißabfüllung, um die Gärung zu beschleunigen und die Haltbarkeit zu verlängern.
Solides Handwerk
Von den fünf bundesweit vertretenen Unternehmen brauen drei ausschließlich ein breites Sortiment verschiedener Biobiere: Neumarkter Lammsbräu, Riedenburger und Pinkus Müller, die auch eng mit den Bioverbänden zusammenarbeiten. Rother Bräu und Glossner sind Mischbetriebe im Norden Bayerns, die ihr Biobier mit EU-Zertifizierung brauen. Neben den bundesweiten Marken bieten Bioläden oft kleine, nur regional vermarktete Biobiere an. Mit etwas Glück stößt man dort auf eine Spezialität, die eigentlich nur für hohe Feiertage gebraut wird: ein Bio-Weizen-Bock.
Weiß- oder Weizenbier
In Bayern heißt das Weizen Weißbier. Die Bezeichnung stammt vom Brauverfahren, bei dem die Hefe als weißer Schaum auf dem Sud schwimmt. Die Berliner Weiße ist eine enge Verwandte, enthält allerdings weniger Alkohol.
Weißbier für Sportler
Auch Weißbier gibt es in alkoholarmen und alkoholfreien Varianten. Oft werden sie als vitaminhaltige, isotonische Durstlöscher beworben. Isotonische Getränke weisen die gleiche Konzentration gelöster Stoffe auf wie Blut und werden deshalb schnell vom Körper aufgenommen.
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