spezial: Klimaschutz - Interview zu CO2-Ausstoß

Vermeiden, vermindern, kompensieren

Juliette de Grandpré ist Expertin für Klimaschutz und Emissionshandel bei der Umweltorganisation WWF.

GrandpreViele Unternehmen machen auf klimaneutral. Wie kann man seriöses Engagement von sogenanntem „Greenwashing“ unterscheiden?

Wir brauchen im Klimaschutz eine Reduktion der Treibhausgase. Die Kompensation, also der Ausgleich von Emissionen, ist bestenfalls ein Nullsummenspiel. Das reicht nicht. Deshalb gilt für seriösen Klimaschutz immer die Reihenfolge 1. Vermeiden, 2. Vermindern und 3. Nur den verbleibenden Rest an Treibhausgasen kompensieren.

Klingt nach viel Arbeit?

Ist es auch. Gerade die Verringerung der Emissionen ist aufwendig, erfordert oft erhebliche Investitionen und zieht sich über längere Zeit hin. Kompensation ist viel, viel einfacher. Man muss nur einen Anbieter von Zertifikaten anrufen und sagen: „Ich habe 20.000 Tonnen auszugleichen.“ Deshalb muss die Kompensation immer Teil eines ganzen Klimaschutzprogramms sein.

Gibt es positive Beispiele?

Einige Unternehmen machen das sehr seriös, ohne es an die große Glocke zu hängen. Was oft ausgeblendet wird, ist die Summe der Treibhausauswirkungen mancher hergestellten Produkte oder Dienstleistungen. Was nützt es, wenn eine Großbank zwar ihren Bürobetrieb und die Reisekosten ausgleicht, gleichzeitig aber ein Kohlekraftwerk in China finanziert?

Wie sieht das bei einzelnen Projekten aus? Etwa wenn man einen klimaneutralen Flug bucht?

Beim Flugverkehr wäre natürlich eine Kerosinsteuer viel wirksamer. Die verschiedenen Airlines scheuen aber die Steuer wie der Teufel das Weihwasser. Stattdessen bieten sie zweifelhafte Klimatickets an und wälzen die Verantwortung an die Kunden ab. Eine Fluggesellschaft, die es ernst meint, müsste jedes verkaufte Ticket kompensieren.

Im Übrigen richten Abgase in großen Höhen viel mehr Schäden an. Deshalb benützen seriöse Klimaforscher bei ihren Berechnungen einen sogenannten RFI-Faktor (Radiative Forcing Index), der dies berücksichtigt. Doch den nötigen RFI-Faktor von 2,7 verwendet keine Fluggesellschaft. Den finden Sie nur in den Rechnern seriöser Angebote wie Atmosfair.

Welcher Fall von Greenwashing ärgert Sie besonders?

Der Stromanbieter e-wie-einfach, ein Tochterunternehmen des Energiekonzerns Eon, bietet einen sogenannten Klimatarif mit einem freiwilligen Aufschlag an.

So etwas ist für mich Verbrauchertäuschung. Den Kunden wird suggeriert, sie kaufen ein ökologisches Produkt. In Wirklichkeit besteht der Strommix von e-wie-einfach zu über 80 Prozent aus Kernenergie und fossilen Energieträgern. Einige der schmutzigsten Kraftwerke Europas gehören dem Mutterkonzern Eon. Da gäbe es jede Menge Ansätze, die CO2-Bilanz zu verbessern.

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