Biotierzucht
Leistung alleine genügt nicht
Viele Biobauern engagieren sich in der Zucht. Das ist auch dringend notwendig. Denn die konventionellen Hochleistungsrassen eignen sich nicht für eine artgerechte Ökotierhaltung. // Leo Frühschütz
- Roberts Biogeflügel
Gute Hühner brauchen Zeit - Herrmannsdorfer Landwerkstätten
Weide, wühlen, Würmer
Ständig Höchstleistungen bringen zu müssen, das stresst, macht anfällig für Krankheiten und laugt aus. Das gilt für Menschen wie für Tiere. Hochleistungshühner legen über 300 Eier im Jahr, Kühe geben in der gleichen Zeit bis zu 10.000 Liter Milch. Masthähnchen wachsen innerhalb von vier Wochen zu zwei Kilogramm schweren Fleischbergen heran.
Auch Biobauern arbeiten meist mit einseitig auf Höchstleistungen gezüchteten Rassen. Notgedrungen, weil es kaum Alternativen gibt. Doch sie können mit solchen Tieren wenig anfangen. Denn sie bringen ihre Höchstleistungen nur mit besonders energiereichem Futter. Diese Eiweißcocktails haben aber mit artgerechter Ernährung wenig zu tun. Rinder wollen Raufutter wie Gras und Heu fressen. Hühner wollen auch ganze Körner zum Picken. Biobauern brauchen Tiere, die mit artgerechtem Futter gut auskommen. Hochleistungstiere sind anfällig und werden leicht krank. Zudem schadet die Dauerbelastung ihrer Gesundheit. Die Kühe leiden häufig an Euterentzündung und Gelenkschäden, bei Masthähnchen wächst das Skelett nicht schnell genug mit und verformt sich. Schweine und Hühner sind oft verhaltensgestört und gehen aufeinander los. Die Legehennen sind nach einem Jahr so ausgelaugt, dass sie oft nicht mal mehr als Suppenhuhn taugen. Viele Kühe sind schon nach drei Jahren Milcherzeugung verbraucht und müssen vorzeitig zum Metzger.
Vielfalt der Nutztiere ging zurück
Biobauern brauchen langlebige, widerstandsfähige Tiere mit ausgeglichenem Temperament. Tiere, die auf der Weide Wind und Wetter trotzen können. Neugierige Schweine und Hühner, die sich aus dem Stall trauen. Doch die sind so einfach nicht zu finden. Die Vielfalt der Nutztierrassen ist in den letzten 50 Jahren rapide zurückgegangen. Die Züchtung hat sich ganz auf die Belange der industriellen Landwirtschaft ausgerichtet. Bei Hühnern und Schweinen kümmern sich spezialisierte Betriebe um die Aufzucht. Die Bauern kaufen sich Jungtiere und züchten nicht selbst.
Biozucht mit alten Rassen
Bei Rindern ist die bäuerliche Zucht noch verbreitet. Engagierte Biobauern züchten Rinder mit Eigenschaften wie: Vitalität der Nachkommen, Eutergesundheit, Weidetauglichkeit und Fleischqualität. Denn jede Milchkuh muss einmal zum Metzger. Dann sollte sich aus dem Fleisch noch eine gute Biosalami machen lassen. Auch die männlichen Kälber und Jungbullen sollen ordentliches Fleisch liefern. Bei der Zucht greifen Biobauern oft auf selten gewordene Rassen zurück, die zwar weniger leistungsfähig, dafür aber robust und regional angepasst sind.
Bei den Schweinen gehen die Biozüchter zwei Wege. Die einen setzen auf alte Rassen wie Schwäbisch-Hällische oder Bunte Bentheimer Schweine. Die anderen suchen aus den handelsüblichen Rassen die Eber und Sauen mit biotauglichen Eigenschaften heraus. Dazu zählen der Geschmack des Fleisches, eine gute Verwertung von Biofutter, Widerstandsfähigkeit und gute Muttereigenschaften. Denn Biosauen leben 40 Tage mit den Ferkeln zusammen und müssen sich um sie kümmern. Konventionelle Zuchtsauen werden oft fixiert. Sie sollen gebären und säugen und dürfen sich ansonsten nicht um den Nachwuchs kümmern.
Bei den Hühnern ist eine eigene Biozüchtung besonders schwierig. Eine Handvoll großer Unternehmen kontrolliert das genetische Material und damit die Zucht. Alte Rassen gibt es zwar, doch ist deren Leistung gering und die Haltung kaum wirtschaftlich. Dennoch arbeiten einige Züchter engagiert an biogeeigneten Hühnern. Sie wollen damit ein Problem lösen. Die männlichen Küken der Legehennen taugen züchtungsbedingt nicht zur Mast, weil sie das Futter schlecht verwerten. Deshalb werden sie noch am ersten Lebenstag getötet. Gebraucht wird eine Hühnerrasse, deren Hennen genug Eier legen und deren Hähne dennoch ordentlich Fleisch ansetzen. Erste Beispiele gibt es. Eines gackert im Internet unter www.kollbecksmoorhuhn.de
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