Schrot&Korn Titel 09/2008 

BioBasics - Bio-Basiswissen - Teil 5 - Ei und Huhn. Öko oder Käfig?

Alles ei-nerl-ei?

Muss es wirklich bio sein? Oder reicht Freiland? Was ist besser für Mensch und Huhn? Wir beleuchten die Hintergründe. // Gudrun Ambros

Sind Bio-Eidotter gelber?

Nein, im Gegenteil. Manchmal sieht ein Bio-Eidotter ziemlich blässlich aus. Das kommt daher, dass man Biohühnern keinen synthetischen Farbstoff ins Futter mischt. Farbstoffe wie Canthaxanthin oder synthetisch produziertes Carotin sorgen bei Käfighaltung dafür, dass Hennen das ganze Jahr über Eier mit rötlich gel-bem Dotter legen. Große Mengen Canthaxanthin können aber die Augennetzhaut schädigen und sind deshalb fürs Biohuhn tabu. Andere künstlich produzierte Farbstoffe ebenso. Im Übrigen hängt die Dotterfarbe bei Freilandhühnern auch von der Jahreszeit ab: Nehmen die Temperaturen draußen zu, wird die Farbe satter. Das führen Forscher darauf zurück, dass die Vögel im Frühjahr, Sommer und Herbst Gelegenheit bekommen, frische Grünpflanzen zu rupfen. Das führt zu höheren Carotinwerten im Ei, was sich auf die Dotterfarbe auswirkt. Aus Carotin kann der Körper Vitamin A herstellen. Apropos Futter: Biohühner kriegen kein gentechnisch verändertes Futter, keine künstlichen Eiweißbestandteile oder vorbeugend Medikamente.

Leben Freilandhühner freier?

Ja, denn sie haben mehr Bewegungsfreiheit. Tagsüber können sie jederzeit raus. Der Aufenthalt an der frischen Luft stärkt die Abwehrkräfte und Sonnenlicht fördert die Bildung von Vitamin D. Bewegung und Sonne sorgen wiederum für stärkere Knochen, für besser ausgebildete Muskeln und hoffentlich auch für größeres Wohlbefinden. So positiv sich die Freiheit auswirkt, sie hat auch ihren Preis. Natürlich zu leben – Laufen, Flattern, Scharren – kostet Energie. Die muss das Tier durch zusätzliche Nahrung wieder zu sich nehmen. Das steigert die Kosten für den Geflügelhalter. Überhaupt machen Freilandhühner mehr Arbeit. Auch, weil sie im optimalen Fall öfters umziehen sollten, damit die Grünfläche nicht zu stark beansprucht wird. Kritiker der Biohaltung argumentieren, Biohühner würden sich häufiger mit Keimen und Parasiten aus dem Vogeldreck infizieren. Tierschützer sagen, dies sei kein Grund, die Tiere unwürdig in Käfige zu stecken. Es liege in der Verantwortung des Bauern, seine Tiere regelmäßig zu kontrollieren. Lesen Sie auch „Sind Biohühner stärker mit Salmonellen belastet?“.

Wie viel Eier legt ein Huhn?

Käfighühner schaffen bis zu 300 Stück pro Jahr. Voraussetzung: Sie kriegen ausschließlich Hochleistungsfutter, bewegen sich möglichst wenig und werden durch nichts vom Eierlegen abgelenkt – kein Scharren, kein Staubbad. Bis zu 20 Stunden Kunstlicht pro Tag gaukelt den Tieren vor, es wäre ewig Frühjahr – Bedingungen, unter denen die Legeleistung am höchsten ist. Biohühnern gönnt man Auslauf und echtes Tageslicht, das allerdings durch Kunstlicht ergänzt werden darf (Bioland-Regelung: Maximal sind 16 Stunden Kunstlicht erlaubt). Biohühner fressen vor allem Biogetreide, -Erbsen und -Mais. Tiermehle sind verboten. Unter diesen Bedingungen legt ein Huhn 50 Eier weniger pro Jahr – also 250 Eier. Auch den Bio-Masthähnchen geht es besser als ihren konventionell gehaltenen Kameraden. Sie bekommen mehr Zeit zum Wachsen, 90 statt 56 Tage. Für den Verbraucher bedeutet das: zarteres Fleisch, besserer Geschmack. Bei den konventionell gehaltenen Broilern drückt das Turbomasttempo auf die Gesundheit. Wenn Muskeln schneller wachsen als der Rest, entstehen als Nebenwirkung verformte Gelenke und brüchige Knochen.

Sind frei laufende Hühner immer bio?

Nicht unbedingt. Freilandhühnern können Hochleistungsfutter und vorbeugende Medikamentengaben verabreicht werden. Dann sind es keine Biohühner. Freilandhühnern stehen in beiden Haltungsformen – konventionell und bio – im Auslauf vier Quadratmeter pro Huhn zur Verfügung. In einer Biogruppe leben maximal – aber doch beachtliche – 4 800 Biohühner zusammen. Bei der Bodenhaltung muss ein Quadratmeter für neun Legehennen beziehungsweise für 20 Masthähnchen reichen. Üblich sind 20 000 bis 30 000 Tiere pro Gruppe. Noch schlimmer steht es um Hühner aus Käfighaltung. Pro Huhn sind 550 Quadratzentimeter Fläche vorgesehen, etwas weniger als ein DIN-A4-Blatt. Demnächst sollen es 800 cm2 sein. Wegen der 250 cm2 größeren Grundfläche heißen die Käfige dann Volieren. Die Hühner stehen ständig auf einem Drahtgeflecht, durch das der Kot durchfällt. Kein Sand, kein Grashalm, kein Nest. Sie drängen sich zu mehreren in den Käfigen. Bis zu 100 000 Vögel sind in einer Halle zusammengepfercht.

Wollen Biozüchter das Unmögliche?

Nein, aber auf den ersten Blick sieht es vielleicht so aus. Denn Biozüchter würden gerne ein Huhn züchten, das sowohl viele Eier legt als auch ordentlich Fleisch ansetzt. Der Gedanke ist nicht neu. Früher auf den Höfen legten die Hennen jahrelang Eier und ihre Brüder landeten, sobald sie ausgewachsen waren, auf dem Grill. Seitdem es spezielle Lege- und Fleischrassen gibt, sehen sich die Leiter der Brütereien gezwungen, die männlichen Küken auszusortieren. Sie werden getötet und zu Tiermehl verarbeitet. Das ist auch in ökologisch wirtschaftenden Betrieben so. Biozüchter arbeiten deshalb daran, eine Hühnerrasse zu entwickeln, bei der auch die männlichen Tiere in der Mast verwendet werden können – ein Zweinutzungshuhn sozusagen. Allerdings: Solch ein Huhn wird wohl nie so viel ansetzen wie ein reines Masthuhn und auch nicht so viele Eier legen wie ein Legehuhn. Das bedeutet, die Verbraucher müssten diesen kükenfreundlichen Weg mitgehen und bereit sein, etwaige Ertragsverluste aufzufangen.

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