spezial: Naturtextilien - Gründe gegen Gentechnik
Chinesisches Desaster
Sie sollte die Erträge steigern und den Pestizideinsatz verringern: Doch der Einsatz gentechnisch veränderter Baumwolle geht im Olympialand 2008 nach hinten los.
Sieben Jahre nach dem Start mit gentechnisch veränderter Baumwolle müssen die Bauern genauso viel Insektengift versprühen wie jene, die sich auf herkömmliches Saatgut verlassen haben. Damit sind auch die erhofften höheren Gewinne durch die als besonders effizient angepriesenen Samen dahin, berichten Wissenschaftler der Cornell University in der ersten Langzeitstudie über die Auswirkungen von Genbaumwolle.
Im Gegenteil: Da das Gensaatgut dreimal so teuer ist wie herkömmliches, verdienten die 481 untersuchten chinesischen Farmer aus den fünf wichtigsten Baumwolle produzierenden Provinzen am Ende im Schnitt acht Prozent weniger als Bauern, die auf konventionelle, aber gentechnikfreie Landwirtschaft setzten.
Dabei wurden die Genbaumwollsamen mithilfe eines Bazillus‘ so manipuliert, dass die Pflanzen selbst ein Abwehrmittel gegen blätterfressende Mottenlarven produzieren können. Das sollte den Einsatz von Pestiziden verringern und die Erträge steigern.
Im vierten Jahr kamen die Käfer
In den ersten drei Jahren ging die Rechnung auf: Die Bauern konnten fast drei Viertel der sonst versprühten Insektenbekämpfungsmittel einsparen, ihre Erträge stiegen um mehr als ein Drittel. Doch im vierten Jahr des Anbaus begannen andere Schädlinge wie Käfer, die Genbaumwolle zu befallen – in Massen.
Um diese Sekundärschädlinge zu vernichten und damit ihre Ernte zu retten, mussten die Bauern fortan jede Pflanze bis zu 20 Mal mit Pestiziden besprühen. Die Gewinne waren dahin. Angesichts dieser bitteren Erfahrung für die chinesischen Bauern fürchten die Wissenschaftler nun, dass auch Genbauern in anderen Ländern vor ähnliche Probleme gestellt werden. Wie in China haben auch viele Farmer in den USA, Indien und Argentinien rasch und in großem Umfang auf gentechnisch veränderte Baumwolle umgestellt.
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