Schrot&Korn Titel 12/2008 

Spezial: Grüne Geldanlagen

Doppelte Dividende

Die Gier nach Rendite kann in die Katastrophe führen. Das haben die letzten Monate deutlich gezeigt. Wer sein Geld nachhaltig anlegt, profitiert persönlich und investiert in die Zukunft. // Leo Frühschütz

nahhaltige Energieprojekte
Auch für Aktien bei nachhaltigen Energieprojekten gilt: größere Chance auf hohe Rendite, höheres Risiko. (Foto: Thaut images/Fotolia)

In Deutschland drehen sich etwa 20 000 Windräder. Zusammen haben sie im letzten Jahr fast 40 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert. Das ist mehr, als die drei größten deutschen Atommeiler 2007 erzeugt haben. 90 000 Menschen fanden bisher in der deutschen Windenergie-Branche Arbeit. Ermöglicht haben dieses Job- und Energiewunder auch Tausende privater Anleger, die Millionen in Windkraftanlagen investierten. Erst als sich die Windräder immer erfolgreicher drehten, sprangen große Stromkonzerne wie RWE und E.ON auf den Zug auf. Auch der Erfolg deutscher Solarfirmen wie Solarworld oder Phoenix war nur möglich, weil Anleger beim Börsengang und bei Kapitalerhöhungen mutig Aktien zeichneten und so den Firmen Geld für Investitionen bereitstellten.

Die Nachfrage ließ die Kurse zeitweise explodieren. Der 2001 gestartete Solaraktienindex PPVX stieg von 1 000 auf 5 000 Punkte. Doch der Börsencrash im Oktober ließ die Solaraktien purzeln. Fonds, die in Aktien verschiedener nachhaltiger Unternehmen investiert hatten, gerieten durch die sinkenden Kurse ebenfalls unter Druck. Für nachhaltige Geldanlagen gilt deshalb ebenfalls: Firmenbeteiligungen wie Aktien bieten zwar die Chance auf eine höhere Rendite, sind aber riskanter als festverzinsliche Wertpapiere. Auch diese gibt es als grüne Variante. Nachhaltige Rentenfonds zum Beispiel kaufen Anleihen von Eisenbahnunternehmen oder Pfandbriefe demokratischer Staaten. Bei nachhaltigen Anlegern hat die Finanzmarktkrise die Nachfrage nach solchen Produkten oder nach Festgeldkonten steigen lassen.

45 neue Ökofonds

30 Milliarden Euro haben die Anleger bisher in die in Deutschland zugelassenen nachhaltigen Publikumsfonds investiert. Allein im ersten Halbjahr 2008 kamen 45 neue Fonds auf den Markt. Erhoben hat diese Zahlen das Sustainable Business Institute (SBI). Dessen Leiter, Paschen von Flotow, sieht die Themen Klimawandel und erneuerbare Energien als Treiber des Wachstums. „Ein Großteil des Geldes fließt in Themenfonds. Die Aufmerksamkeit, die der enorme Boom erzeugte, hat aber auch das Angebot an breiter angelegten Nachhaltigkeitsfonds steigen lassen.“

Der wachsende Markt mit seinen vielen neuen Angeboten macht es den Anlegern nicht leicht. Denn jeder versteht unter Ökologie und Nachhaltigkeit etwas anderes. Das kann zu unliebsamen Überraschungen führen: Wer etwa sein Geld in den größten Neue-Energie-Fonds, den Blackrock Global Funds New Energy, inves-tiert, wird dadurch Miteigentümer des Agrarkonzerns Archer Daniels Midland (ADM), dem wichtigsten Händler von Gensoja. Denn ADM stellt auch Biosprit aus Ethanol her und fand deshalb Eingang in den Fonds. Mit dem Pioneer Funds-Global Ecology erzielten Investoren in den fünf Jahren vor dem Börsencrash eine Top-Rendite von 18 Prozent jährlich. Diesen Gewinn erwirtschaftete der Fonds unter anderem mit Aktien des Atomstromkonzerns E.ON und des Chemiekonzerns BASF. Das ist nicht unbedingt ökologisch, aber erklärbar. Viele Fonds treffen ihre Auswahl nach dem Best-in-Class-Prinzip. Dabei wählen sieben Rating-Agenturen aus jedem Wirtschaftssektor diejenigen aus, die am nachhaltigsten wirtschaften. Bei solchen Vergleichen schneidet die Lufthansa besser ab als Aeroflot, BMW besser als Porsche.

Jahresberichte durchforsten

Wer Überraschungen vermeiden will, muss sich vorab über die Anlagestrategie der Fonds informieren und nach Ausschlusskriterien fragen. Es gibt genügend Indizes und Fonds, bei denen Aktien außen vor bleiben, wenn die Firmen auch nur ein bisschen mit Gentechnik, Atomstrom oder Rüstung zu tun haben. Jeder seriöse Fonds hat im Internet seine Jahresberichte mit dem gesamten Aktienbestand veröffentlicht. Besonders vorbildliche Fonds zeichnet der Europäische Dachverband für nachhaltige Geldanlagen (Eurosif) mit einem Transparenzlogo aus. „Nachhaltige Investments entwickeln sich in Sachen Transparenz zu einem Vorreiter der gesamten Branche“, lobt Walter Kahlenborn, Geschäftsführer des Forums Nachhaltige Geldanlagen (siehe Interview). Es waren undurchsichtige, hoch riskante Geldanlagen, die die Finanzkrise ausgelöst hatten.

Bei der Rendite müssen sich nachhaltige Aktienfonds nicht verstecken. Das zeigt der Vergleich verschiedener Aktien-Indizes. So ein Index fasst die Entwicklung mehrerer Aktien zusammen. Meist erfolgt die Auswahl nach Größe oder Region. Der DAX spiegelt zum Beispiel die Kurse der 30 größten an der Frankfurter Börse notierten deutschen Unternehmen wider. Inzwischen gibt es rund 30 Indizes für nachhaltige Unternehmen oder Umweltaktien. Dazu gehören der Dow Jones Sustainability Index, der Natur-Aktien-Index oder FTSE4Good. Oft sind Fonds und andere Anlegeprodukte wie Zertifikate oder Baskets an solche Indizes gebunden und spiegeln deren Portfolio wider. Mithilfe solcher Indizes lassen sich die Kurse nachhaltiger Aktien mit der allgemeinen Börsenentwicklung vergleichen.

Auswertungen des Branchendienstes Ecoreporter.de zeigen klar: Auch in Krisenzeiten schnitten die Nachhaltigkeitsindizes fast immer besser ab als gängige Börsenbarometer wie der DAX. Eine Studie im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ergab, dass die Fonds umso erfolgreicher waren, je stärker sie Nachhaltigkeitskriterien bei der Aktienauswahl berücksichtigten. Nachhaltig investieren bringt also eine doppelte Dividende, ist gut für Geldbeutel und Gewissen. Wie ein solches Investment aussieht, hängt von der Summe und den jeweiligen Bedürfnissen ab. Wer fürs Alter vorsorgen will, interessiert sich eher für ökologisch ausgerichtete Rentenversicherungen oder Mischfonds. Sie enthalten Aktien und festverzinsliche Wertpapiere. Auch Riester-Rentenprodukte gibt es längst in Grün.

Nie alles in ein Projekt

Wesentlich riskanter sind Direktbeteiligungen an einzelnen Unternehmen. Geht die Firma pleite, ist der Anteil futsch. Deshalb sollte man nie das ganze Geld in ein Projekt stecken. Beteiligungen in deutsche Solaranlagen gelten wegen der langfris- tigen Einspeisevergütung als relativ sicher.

Vorsichtig sollte man bei Geldsammlern sein, die keine einschlägige Erfahrung vorweisen können oder keine konkreten Projekte, in die das Geld investiert wird. Die bei Solar-, Windkraft- oder Immobilienbeteiligungen üblichen geschlossenen Fonds sind nicht handelbar. Im Gegensatz zu Aktienfonds liegt das Geld dort bis zu 20 Jahre fest und lässt sich höchs-tens unter Verlust loseisen. Für die eiserne Reserve taugt eine solche Anlage nicht. Wer professionelle Tipps will, kann auf einige unabhängige Berater zurückgreifen, die sich auf nachhaltige Investments spezialisiert haben. Oder er geht zu einer der einschlägigen Banken.

Grüne Banken

In Deutschland sind dies die GLS Bank, die Umweltbank, die Ethikbank und die Frankfurter Niederlassung der niederländischen Triodos-Bank. Hinzu kommen rund 15 konfessionelle Institute, die zum Teil nur für Kirchenmitarbeiter zugänglich sind. Die Banken unterscheiden sich in ihren Schwerpunkten und den Serviceangeboten (siehe Kasten). Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich nach ethisch-ökologischen Kriterien ausrichten. „Finanzunternehmen müssen wieder ihrer einzig berechtigten Aufgabe nachkommen, nämlich realwirtschaftliche Vorgänge zu finanzieren und abzubilden“, kommentierte Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS Bank, die Finanzkrise.

Das Geld der Kunden soll in konkrete und sinnvolle Vorhaben fließen, vom Bioladen über soziale Projekte bis hin zu Wärmedämmungen. Je mehr Kunden ihr Geld diesen ethisch-ökologisch ausgerichteten Banken anvertrauen, desto mehr Projekte können diese mit Krediten unterstützen. GLS und Umweltbank kommen zusammen derzeit auf rund 15 000.

Zaster durch Laster

Der 2002 aufgelegte Vice Fund investiert nur in Aktien von Firmen, die mit Tabak, Alkohol, Waffen oder Glücksspiel zu tun haben. Die jährliche Rendite liegt bei 12 Prozent. „Selbst in schlechten Zeiten wollen die Leute ja trinken, rauchen oder wetten“, begründet Vice Fund-Erfinder Dan Ahrens den Erfolg.

Schlusslicht Deutsche BankDeutsche Bank

Die Deutsche Bank schneidet in Nachhaltigkeits-Ratings regelmäßig schlecht ab. Ein Grund dafür sind fehlende Regeln bei der Kreditvergabe. „Bei der Wahl ihrer Geschäftspartner kennt die Deutsche Bank keine Skrupel und stellt auch den schwärzesten Schafen Finanzierungen bereit“, erklärt Barbara Happe von der Menschenrechtsorganisation Urgewald. Sie hat in einer Broschüre acht besonders krasse Fälle dargestellt. Die Nachhaltigkeitserklärungen der Bank bezeichnet sie als „reine Imagepolitur“. www.urgewald.de

Nachhaltige Banken

Ethik BankSammelt vor allem Anlegergelder. Kredite gibt es nur begrenzt. Girokonto möglich. Im Sicherungssystem der Volksbanken.

UmweltBankSchwerpunkte sind Beteiligungen und Ökobau-Kredite. Kein Girokonto. Einlagen nur gesetzlich abgesichert.

GLS BankVollbank vom Girokonto mit Geldkarte bis zum Kredit. Mitglied im Sicherungssystem der Genossenschaftsbanken.

Trido BankDie Frankfurter Filiale der niederländischen Bank ist vor allem als Projektfinanzierer tätig.

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