Schrot&Korn Titel 12/2008 

Spezial: Grüne Geldanlagen - Interview

„Ein Vorbild an Transparenz“

Walter Kahlenborn, Geschäftsführer des Vereins Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V.
www. forum-ng.de

Walter KahlenbornSind nachhaltige Geldanlagen sicherer als konventionelle?

Die Finanzmarktkrise zeigt, wie wichtig es ist, dass Finanzprodukte solide, sorgfältig und langfristig orientiert aufgebaut sind. Über diese Eigenschaften verfügen nachhaltige Investments. Sie können damit für den konventionellen Anlagemarkt ein Vorbild sein.

Wie viel haben die Deutschen in nachhaltige Geldanlagen investiert?

Wir haben das Volumen der nachhaltigen Anlagen bei deutschen Finanzdienst- leistern erhoben. Ende 2007 verwalteten diese 11,1 Milliarden Euro. Dieses Kapital stammt von deutschen und ausländischen Investoren. Die Anleger in Deutschland alleine hatten bis Ende des Jahres 2006 rund 8,7 Milliarden Euro in nachhaltige Geldanlagen investiert. Verglichen mit herkömmlichen Investments ist das nicht viel.

Entfaltet dieses Geld trotzdem Wirkung?

Das Volumen nachhaltiger Anlagen in Deutschland hat in diesem Jahr um 85 Prozent zugenommen - der Anteil an den gesamten verwalteten Assets nahm damit auf 0,7 Prozent zu. Dieser Prozentsatz mag gering erscheinen. Dennoch entfalten nachhaltige Investments positive Wirkungen. Nicht nur dort, wo das Geld arbeitet, also eine neue Windkraftanlage entsteht oder in saubere Technologien investiert wird, sondern auch im Finanzmarkt selbst. Beim Best-in-Class-Ansatz kommen die nachhaltigsten Atomkonzerne, Fluggesellschaften und Autobauer ins Portfolio.

Wollen die Kunden das?

Unsere Studie hat gezeigt, dass der Best-in-Class-Ansatz zurückgeht. Er wurde Ende 2007 bei rund einem Viertel der nachhaltigen Assets angewandt - im Jahr zuvor lag der Anteil noch bei 38 Prozent Der Best-in-Class-Ansatz erfüllt eine wichtige Funktion. Er belohnt zum Beispiel Autobauer, die sich durch eine besonders nachhaltige Unternehmenspolitik auszeichnen, für dieses Engagement durch Investitionen, während andere, die keine nachhaltige Strategie verfolgen, bestraft werden. Wichtig ist, dass die Anleger Kenntnis darüber haben, in welche Unternehmen sie ihr Geld investieren. Nachhaltige Investments entwickeln sich in Sachen Transparenz zu einem Vorreiter der gesamten Branche.

Mischen sich die Fondsmanager als Vertreter der Aktionäre in die Geschäftspolitik der Unternehmen ein?

Als Vertreter der Aktionäre haben die Fondsmanager ein Interesse daran, dass die Firmen verantwortungsvoll mit ihren Ressourcen umgehen. Unternehmen etwa, die jetzt ihren Kohlendioxidausstoß reduzieren, haben einen Wettbewerbsvorteil, wenn Gesetze dies später einfordern. Bei mehr als der Hälfte der nachhaltigen Assets in Deutschland beeinflussen die Finanzdienstleister etwa mit Schreiben oder in Gesprächen die Nachhaltigkeitspolitik der Unternehmen.

 

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