Schrot&Korn Titel 12/2008 

Spezial: Grüne Geldanlagen - Grüne Schätze

Der wahre Wert der Natur

Ökosysteme erbringen Leistungen, die wir kostenlos nutzen. Ihren Wert merkt man meist erst, wenn die Natur zerstört ist.

Pavan Sukhdev ist Generaldirektor der Deutschen Bank und leitet deren Abteilung „Globale Märkte“ in London. Für den indischen Banker ist die Natur mit ihrer Artenvielfalt ein wertvolles Kapital. Wie wertvoll genau, das errechnet er zurzeit im Auftrag der Staatschefs der großen Industrienationen. Einen Zwischenbericht hat er im Mai vorgelegt. Darin steht, dass allein die derzeit weltweit ausgewiesenen Schutzgebiete Leistungen für die Menschen in Höhe von fünf Billionen US-Dollar jährlich erbringen - kostenlos.

Ein Korallenriff etwa geht mit jährlich bis zu 6 000 US-Dollar pro Hektar in die Bilanz ein. Das Riff ist die Kinderstube zahlreicher Fischarten, von denen später die Fischer leben. Es zieht Touristen an und schützt als Wellenbrecher die Küste. Anhand bereits zerstörter Riffe, etwa vor der Karibik-Insel Jamaika, ließen sich die Einbußen im Tourismus und in der Fischerei hochrechnen.

Vom Wert der Mangrovenwälder

Bis 2030 werden, wenn sich nichts ändert, 60 Prozent aller Korallenriffe vernichtet sein. Dadurch drohen Schäden in Milliardenhöhe. Andererseits die Riffe zu schützen, kostet nur einen Bruchteil davon, argumentiert Pavan Sukhdev. Ähnliche Berechnungen von Meeresbiologen gibt es für Mangrovenwälder vor der Westküste Mexikos.

Weil sie als Laichplatz und Lebensraum für zahlreiche Fischarten unverzichtbar sind, berechnet sich ein Hektar auf 37 500 US-Dollar. Da ist der Nutzen als Überschwemmungsschutz noch nicht eingerechnet. Die mexikanische Regierung jedoch verkauft das Land lieber als Bauplatz für Industrieanlagen oder Shrimpsfarmen - für rund 1 000 Dollar pro Hektar. Ein klares Verlustgeschäft, das jedoch erst deutlich wird, wenn es zu spät ist.

Der Wert des Bestäubens

Den weltweiten Nutzen der Insekten als Bestäuber für die Landwirtschaft bezifferten deutsche und französische Wissenschaftler kürzlich mit 150 Milliarden Euro im Jahr. Pavan Sukhdev soll nun Instrumente ent-wickeln, damit dieser finanzielle Wert der Natur bei wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen künftig berücksichtigt wird.

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