Schrot&Korn Titel 1/2009 

Kochen mit Sarah Wiener

Mit Spaß genießen lernen

Die Stiftung der Köchin Sarah Wiener organisiert bundesweit Kochkurse an Schulen. Die Kinder sind von der Reise in die reiche Welt frischer Lebensmittel und Vitamine begeistert. // Martina Petersen

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-> Interview mit Sarah Wiener

Sarah Wiener mit KindernDie meisten Schüler sind lange vor Stundenbeginn da, waschen sich Hände und Gesicht und streifen ihr knallblaues Poloshirt der Sarah-Wiener-Stiftung über. Doch zu Beginn der heutigen Kochstunde ist die Enttäuschung groß: „Genussreiches Frühstück“ steht auf dem Stundenplan. - Doch das ist für die meisten hier überhaupt keine Mahlzeit. „Ich komme her, um richtig kochen zu lernen, und jetzt soll ich hier bloß Obst schnippeln“, sagt Denise (12) frustriert. Alle der elf Schüler zwischen 11 und 15 Jahren haben den zweistündigen Kochkurs freiwillig gewählt und ihr Interesse an Ernährung ist an der Grund-, Haupt- und Realschule Slomanstieg keine Selbstverständlichkeit. Hier im Hamburger Arbeiterviertel Veddel gehen Kinder aus 30 Nationen zur Schule, fast 90 Prozent der Familien haben einen Migrationshintergrund.

Sinnliches Erleben

Wer hier die Schule besucht, hat für das Frühstück einen Schokoriegel dabei oder holt sich aus der Kantine ein Stück Pizza. Zu Hause gibt es viel Fladenbrot, eine Fertigmahlzeit oder Döner vom Imbiss. Doch so eine Ernährung ist auf Dauer teuer und sie macht bei mangelnder Bewegung dick. Schon in den unteren Klassen sind viele Schüler übergewichtig. Als Schulleiterin Hiltrud Kneuer von der Sarah-Wiener-Stiftung das Angebot bekam, an ihrer Schule die gesponserten dreimonatigen Kochkurse einzurichten, griff sie sofort zu. „Man kann bei der Ernährung der Kinder eine Menge bewegen“, sagt sie. „Aber man muss das Thema im Unterricht begleiten. Wenn man nur eine Kiste mit Äpfeln in die Klasse stellt, beißen die Kinder einmal hinein und schmeißen sie dann durch die Gegend.“ Fernsehköchin Sarah Wiener setzt bei ihrem Konzept auf sinnliches Erleben, spielerische Anleitungen und Gruppendynamik. Bei der Stiftungsgründung Ende 2007 holte sie neben Alfred Biolek den Bio-anbauverband Demeter mit ins Boot, dessen Betriebe genauso wie die 13 Großhändler im Naturkostverband „Die Regionalen“ und andere Händler ihre Lebensmittel gratis zur Verfügung stellen. Rund 70 Prozent der Schulen können mit Bioprodukten versorgt werden. Die Schüler legen eigene Kräutergärten an und besuchen Biobauernhöfe in ihrer Region. 2008 wurden an über 40 Schulen Lehrer oder engagierte Ehrenamtliche zu „Botschaftern“ fortgebildet, die die Kurse anleiten.

Lust am Probieren

„Am Anfang kommen immer Sprüche, dass das Essen hier viel zu gesund ist“, sagt „Botschafterin“ Janina Schendera und lacht. „Doch dann siegt die Lust am Probieren und Zubereiten.“ Inzwischen haben sich drei Gruppen gebildet, die nach Rezept einen Obstsalat, ein Müsli und einen Bananendrink zubereiten. Besarta (11) schneidet die Bananen rappelschnell in Wiegetechnik. „Ich habe hier einen Trick gelernt“, sagt sie stolz. „Die Spitze bleibt auf dem Schneidebrett, man hebt nur den hinteren Teil des Messers.“ Vanessa (10) und Sofia (12) kommen auf die Idee, die Schale der Biozitrone mit in den Milchshake zu reiben: „Dann brauchen wir nichts wegschmeißen.“ Und Döner-Fan Ferhat (15), der seine Orange akribisch schält, wirft die Frage auf: „Wie viele Kalorien hat das hier eigentlich?“

Berufswunsch: Koch!

Begeistert erzählen die Kinder von den ersten Stunden, in denen Dips für Rohkost und ein Hamburger zubereitet wurden. „Beim Hamburger muss man auf mageres Fleisch achten“, hat Dennis gelernt. Er hat die Rezepte schon zu Hause nachgekocht und sein Berufswunsch steht fest: „Ich werde Koch!“ Inzwischen haben Sofia und Vanessa den Tisch mit liebevoll gefalteten Servietten gedeckt. Dass man hier beim Essen nicht herumläuft, gemeinsam beginnt und sich „Guten Appetit“ wünscht, ist noch eine schwierige Übung. Alle laden sich Berge von gesundem Frühstück in die Schüssel und genießen ihr Müsli. Die Reste werden für zu Hause eingepackt. „Ich finde, ein Mann muss kochen können“, sagt Achmad (11) entschieden. „Wenn ich mal eine Frau habe und der sagen muss, dass ich das nicht kann - das wäre ja total peinlich!“ Weitere Infos: www.sarah-wiener-stiftung.org Spendenkonto: Commerzbank Berlin-Wannsee, BLZ 100 400 00, Kto. 444 15 15

Tipps für gesunde Kinder-Ernährung

GemüseDas Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung empfiehlt im Rahmen seines Optimix-Konzeptes für Kinder und Jugendliche:

Infos: www.fke-do.de

Sinnlich zum Erfolg

Kinder lieben es, wenn sie Nahrung mit allen Sinnen entdecken können. Warum nicht mal mit verbundenen Augen Gemüse- und Obstsorten ertasten? Und wer einmal einen Hamburger mit schlappem Salatblatt auseinandergenommen hat, bekommt schnell Lust, ihn mit frischen Zutaten „nachzubauen“.

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