Schrot&Korn Titel 2/2009 

Spezial: Demo digital

Protest via Mausklick

Wer in den 70er-, 80er-Jahren politisiert wurde, erinnert sich an die mühsamen Begleiterscheinungen des Engagements. Heute geht das bequemer.

Stundenlang im Regen in der Fußgängerzone hinter dem Infotisch stehen, Demos in eisiger Kälte, Plakate kleben, mühsames Kopieren von Flugblättern für den Frieden und gegen AKWs sowie die verzweifelten Versuche, Entscheidungsträger mit Unterschriftensammlungen oder Telefonaten zu beeindrucken: So war das vor 30 Jahren.

Engagiert von zu Hause aus

Das tröstliche Gefühl, dass die kleine Bürgerinitiative vor Ort Teil einer großen Gemeinschaft im ganzen Land ist, stellte sich nur selten ein, vor allem, wenn mal wieder nur drei Leute zur wöchentlichen Sitzung gekommen waren. Im Zeitalter des Internets und der Web-Communitys kann man als engagierter Bürger und Verbraucher auch daheim vor dem Computer sitzen und versuchen, die Welt zu verändern. Die Seite www.campact.de aus Verden bei Bremen (der Name kommt von „campaign“ - Kampagne - und „action“) hat beinahe 70 000 potenzielle E-Mail-Aktivisten vernetzt, die sich in kurzer Zeit zur digitalen Demonstration zusammenschließen können.

Im Herbst schrieben innerhalb von 48 Stunden 15 000 Campact-Aktivisten eine - erfolglose - Protestmail gegen den Anbau von Genmais an Verbraucherschutzminister Horst Seehofer. Erfolgreicher war Campact mit einer Mailaktion an große deutsche Banken, die sich nach öffentlichem Druck aus der Finanzierung zweier bulgarischer Atomkraftwerke zurückzogen. Nicht zu vergessen die „Online-Menschenkette“ gegen neue Kohlekraftwerke im November 2007.

Mustermails zum Mitmachen

Zu E-Mail-Aktionen bittet auch die Verbraucherorganisation Foodwatch des Ex-Greenpeacelers Thilo Bode. Hier geht es um die Ampelkennzeichnung für Lebensmittel, den Einsatz gentechnisch veränderter Futtermittel für McDonald’s-Rinder oder Grenzwerte für Uran im Trinkwasser. Auch das Einkaufsnetz von Greenpeace veröffentlicht regelmäßig Mustermails zum Mitmachen, etwa wenn es um die Pestizidbelastung von Obst und Gemüse in deutschen Supermärkten geht.

Anmerkungen und Kommentare zum Artikel

Leserbrief schreiben Seite empfehlen
powered by
Impressum
Newsletter
Forum
Anfragen