Spezial: Polen und Litauen
Urwald, Moore und Dünen
Wer durch den Urwald streifen will, muss nicht zum Amazonas: Der letzte echte Urwald Mitteleuropas befindet sich im polnischen Nationalpark Bialowieza.
„Ich kenne keinen natürlicheren Wald in Mitteleuropa als diesen“, schwärmt Peter Rottner, Polen-Experte beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Als Jagdgebiet preußischer und russischer Könige eingezäunt und in der Kernzone seit Jahrhunderten von der Holznutzung ausgenommen, hat sich im Grenzgebiet zwischen Polen und Weiß-russland eine einmalige Natur- und Tierwelt erhalten.
Flüge erst ab 700 Kilometern
Um die Umweltschäden möglichst gering zu halten, haben sich die im Forum anders reisen zusammengeschlossenen Anbieter, aber auch der Wanderreisen-Anbieter Demeter, klare Ziele gesetzt: Umweltverträgliche Verkehrsmittel werden bevorzugt, Flüge erst ab einer Mindestentfernung von 700 Kilometern zum Zielort angeboten. Als weitere Selbstbeschränkung gilt: Die Mindestaufenthaltsdauer bei Flugreisen beträgt 7, bei Flugreisen über 2 000 Kilometer 14 Tage.
Noch strenger sind die ökologischen Ansprüche beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): Er setzt bei den vom ihm angebotenen Reisen ausschließlich auf die Verkehrsmittel Bahn, Bus oder Schiff. Das Fliegen überlässt der BUND lieber den Vögeln - und bringt seine Reisenden dennoch bis zum Baikalsee oder ins Hochgebirge der Seidenstraße. Probleme, Reisende trotz dieser Selbstbeschränkungen für sich zu gewinnen, haben die Anbieter nicht. „Auch das Bahnfahren ist für viele ein wunderbares Urlaubserlebnis“, hat Annika Pusch, Bereichsleiterin Reisen beim BUND, festgestellt. Ähnlich die Erfahrung beim Forum anders reisen: „Die Kunden suchen explizit ein anderes Reisen.“
Auch insgesamt habe die CO2-Problematik die Menschen sicher erreicht - wenn auch ohne die notwendigen Konsequenzen. „Es gibt keine Verhaltensänderung. Es ist nicht so, dass die Leute weniger fliegen.“ Ein Befund, der sich auch in der Statistik widerspiegelt: Mit einem Anteil von einem Prozent sind nachhaltige Reisen nach wie vor ein absoluter Nischenmarkt. Auf Kunden, die nicht von sich aus von diesem Alternativkonzept überzeugt sind, einzuwirken, ist nach Ansicht Pfeifers schwierig: „Die Reiseveranstalter sind abhängig von den Kunden und gezwungen, verkaufsfähige Produkte anzubieten.“ Eine Veränderung werde sich erst über die Kerosinpreise ergeben, glaubt er - auch ohne ein Eingreifen der Politik: „Der Ölpreis geht ohnehin hoch.“
Ältester Nationalpark Polens
Bis heute kommen mit den Wisenten dort die letzten Vertreter wild lebender Rinder des europäischen Kontinents vor. 1956 wurden die ersten Wisente ausgewildert, heute gibt es wieder einen festen Bestand. Aber auch bedrohte Vogelarten wie Schwarzstörche und Blauracken finden eine Heimat. Ebenso ist die Flora äußerst vielfältig: 3 500 Pilz- und 5 500 Pflanzenarten wurden in Bialowieza schon beschrieben. Ein wahrer Schatz, den es zu bewahren gilt: 1979 wurde der älteste Nationalpark Polens von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Tiere, die man sonst höchstens aus dem Tierpark kennt, kann man auch in den Nationalparks Narew und Biebrza in freier Wildbahn beobachten. Dort leben Biber, Wölfe und sogar Elche. Die Landschaft ist formenreich. Die Reise führt die Naturinteressierten durch Moor- und Buschwälder, Schilfdickichte, Nasswiesen und Weidegebiete.
60 Meter hohe Dünen
Dann geht es auf dem elftägigen BUND-Trip durch insgesamt fünf Nationalparks weiter nach Litauen. Dort lockt Rottner zufolge ein weiteres Highlight der Reise: „Ein zweiter Höhepunkt sind die Sanddünen an der Kurischen Nehrung. Das ist schon ein besonderes Erlebnis, wenn man in einer mitteleuropäischen Landschaft plötzlich vor 60 Meter hohen Sandbergen steht. So freistehende Dünen gibt es nur an wenigen Orten in Europa.“
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