Schrot&Korn Titel 7/20090 

Aktuell: Kampfpreise treiben bauern in den Ruin

Biomilch statt Preis-Dumping

Discounter und Supermärkte haben den Preis für Milch drastisch gesenkt. Das ist für viele konventionelle Bauern existenzgefährdend. Die Biobranche hat eine Anzeigenaktion gestartet, die Auswege aufzeigt. // Manfred Loosen

Grafik: Eine Initiative  des BNN Herstellung und Handel e.V.

Im Milchmarkt findet wieder einmal ein ruinöser Preiskampf statt. Aldi hat den Preis für konventionelle Milch im Laden auf unter 50 Cent gesenkt. Die Konkurrenten wollten nicht zurückstehen und haben die Preise für Milch, Quark, Sahne ebenfalls gedrückt.

So sehr sich manche Verbraucher darüber gefreut haben: Für Milchbauern sind die Preissenkungen katastrophal. Für sie bedeutet das, dass sie zwei bis drei Cent weniger je Liter Milch bekommen, sagte der Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen, Reinhard Pauw. Bei den Erzeugern kommen dann nur noch 20 Cent und weniger je Liter an. Das sei auch für sehr gut wirtschaftende Betriebe problematisch. Familienbetriebe können bei diesen Preisen nicht mehr existieren. Mitte Mai waren deshalb Milchbäuerinnen vor dem Kanzleramt in einen Hungerstreik getreten. Auf Initiative des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN) Herstellung und Handel hat die Biobranche Anzeigen in den überregionalen Tageszeitungen taz, Welt und Süddeutsche geschaltet. Das Motiv ist auch als Plakat in vielen Bioläden zu sehen (s. oben).

Verbraucher sollen mit der Aktion darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie das Milchpreis-Dumping im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel nicht mitmachen müssen. Wer im Bioladen einkauft, kann ein Zeichen setzen für faire Abnahmepreise – ebenso für artgerechte Tierhaltung, gentechnikfreie Futtermittel, die messbar bessere Qualität von Biomilch und die Schaffung von Arbeitsplätzen in Familienbetrieben, was die regionale Sozialstruktur fördert. Preis-Dumping findet im Biomarkt deshalb nicht statt, weil der Milchpreis hier stabiler ist (s. Kasten). Und es werden die wirklichen Kosten widergespiegelt. Diese sind bei den Bios höher, weil sie etwa auf Billigimportfutter verzichten oder sich den Auslauf ihrer Kühe zur Pflicht machen.

Biobauern bekommen mehr für ihre Milch

Noch immer ist die Nachfrage nach Biomilch groß. Sie ist in ganz Europa knapp geworden, die Molkereien suchen händeringend nach Lieferanten. Das macht Biomilch wertvoll. Bei konventioneller Milch ist es umgekehrt: Ein Überangebot drückt auf den Preis. Wegen der Wirtschaftskrise wird weniger Milchpulver exportiert, der inländische Konsum ist schwach. Zugleich wurden die EU-Milchquoten erhöht, die deutschen Politiker sind machtlos, können das Überangebot am europäischen Milchmarkt nicht verhindern und somit die Preise nicht beeinflussen. Den Biobauern geht’s auch besser, weil sie einen Biozuschlag bekommen, der die zusätzlichen Produktionskosten abdecken soll.

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