Schrot&Korn Titel 7/20090 

Genießen – After-Work-Küche

Feierabend – jetzt wird gekocht!

Die Arbeit liegt hinter einem und man möchte am liebsten die Beine hochlegen. Jetzt noch kochen? Gerne! Denn Kochen nach Feierabend kann Spaß machen und entspannen. Wir geben Tipps. // Martina Petersen

-> Rezepte

After-Work-Küche Eigentlich ist alles klar: Die meisten von uns wissen ziemlich genau, was man braucht, um sich gesund zu ernähren. Und sie kennen das wohlige Gefühl, gut für sich gesorgt zu haben, vom Kochen und gemütlichen Essen am Wochenende. Aber unter der Woche? Da kommen wir gestresst von der Arbeit, grätschen kurz in den Bioladen, stehen hungrig vor den Regalen und stolpern zu Hause über unerledigten Abwasch. Jetzt, wo der Blutzuckerspiegel längst im Keller ist, noch in Ruhe kochen? Die Ge­lüste gehen längst in Richtung Schoko­riegel oder Pizza-Service. Und dann wartet da noch die Bügelwäsche – bleibt da überhaupt noch ‚Zeit für mich‘? Laut einer aktuellen Studie ernähren sich 85 Prozent der Bevölkerung anders, als sie es für richtig halten. Gerade den Berufstätigen fehlen am Feierabend die Disziplin und die Zeit zum Kochen – und jedem Dritten sind strukturierte Tagesabläufe wie feste Essenszeiten sowieso längst abhandengekommen. „Außerdem sind die Köpfe voller Vorurteile“, hat Mayoori Buchhalter festgestellt. Seit zwölf Jahren gibt die Gründerin des Bio-Gourmet-Clubs in Köln ihre Kochkurse für Eilige. „Die meisten Teilnehmer kommen aus Familien, in denen beide Elternteile berufstätig waren. Da hat sich das Bild ‚Kochen ist Stress‘ festgesetzt. Und wenn sie selbst mal ein Rezept ausprobiert haben, klappten die Abläufe nie so locker wie in den Kochsendungen im Fernsehen.“

Nachtisch als erster Gang

Mayoori Buchhalter greift dann als Erstes zum Apfel-Mango-Saft aus dem Bioladen, kocht ihn auf und rührt vier Esslöffel Kuzu hinein. Das mineralstoffreiche Bindemittel wird in der chinesischen Medizin als Heilmittel für Magen und Darm eingesetzt. In drei Minuten steht ein superleckeres, gesundes Dessert vor den Kursteilnehmern. „Warum fangen Sie Ihr Menü nicht mal mit einer Portion Nachtisch an?“, fragt sie in die erstaunte Runde und hat das Eis gebrochen. Bei ihr lernen die Teilnehmer nicht nur, dass ein komplettes Menü in einer Viertelstunde auf dem Tisch stehen kann – sie lernen, fernab von Dogmen zu genießen. „Eine Teilnehmerin gestand beim nächsten Termin, dass sie sich eine Woche lang von diesem Dessert ernährt hat, weil sie geradezu süchtig nach Süßem sei“, erzählt Mayoori Buchhalter. „Als ich sie ein Vierteljahr später im Bioladen traf, kochte sie bereits richtige Menüs.“ Konkrete „schnelle Rezepte“ und Tipps zum Kochmanagement sind aus Mayoori Buchhalters Erfahrung nur die halbe Miete, wenn man sein Essverhalten verändern will. Mindestens genauso wichtig ist das Erleben einer entspannten Atmosphäre und der eigenen Kompetenz. „Es muss nicht alles ein Meisterstück sein“, sagt Edward Espe Brown, amerikanischer Zen-Lehrer und Autor der Tassajara-Kochbücher. „Es geht um ehrliches Bemühen. Wichtig ist, dass das Essen nicht aus der Packung, sondern aus dem Herzen kommt.“ In Doris Dörries Kinofilm „How to cook your life“ zelebriert er das Kochen als Fest der Sinne und als Ritual der Entschleunigung. Das Zubereiten der Mahlzeit und das Essen sollten gerade nicht die Fortsetzung des Funktionalisierens und des „Multitaskings“ sein, wie wir es im Arbeitsleben oft erleben müssen.

Entschleunigen

„Als ich mit dem Kochen anfing, fragte ich meinen Meister Suzuki Roshi um Rat. Er sagte: ‚Wenn du den Reis wäschst, dann wasch’ den Reis. Wenn du Karotten schneidest, schneid’ Karotten. Und wenn du die Suppe umrührst, rühr’ die Suppe um‘“, erzählt Brown. „Wer alles in Eile macht, hat schnell das Gefühl, das Leben ziehe an ihm vorbei.“ Langsam zu werden, gedanklich wirklich bei der Sache zu sein, könne da eine große Erleichterung sein. Wer sein Essen nur herunterschlingt, wird sowieso nie ein Gefühl der Befriedigung erleben. Schon weil unser Gehirn rund zwanzig Minuten braucht, bis es einen vollen Magen registriert. Mayoori Buchhalter hat schon oft erlebt, dass bei ihren Teilnehmern mit der Zeit ein Umdenken stattfindet: „Dann dauert das Abendessen immer länger, weil es nicht mehr lästige Pflichtübung ist. Es wird dann zur ‚Zeit für mich‘!“

Gemeinsam kochen

Die Zeit der After-Work-Partys, bei der mit Cocktails und netter Musik entspannt wurde, ist vorbei. Gemeinsames Kochen ist angesagt: In Restaurants, Hotels oder Kochschulen wird nach Feierabend zusammen gebrutzelt, geschlemmt und nebenbei eine Menge übers Kochen gelernt. Was spricht dagegen, auch privat öfter gemeinsam zu kochen?

Tipps für entspanntes Kochen

 

... und abends wie ein Bettler ...

 

1001 Nacht Märchenbuch 60 Prozent der Berufstätigen essen abends ihre Hauptmahlzeit. Ein leichtes Abendessen könnte zusammengesetzt sein wie links beschrieben, also aus vielen Vitaminen, Ballaststoffen, leicht verdaulichen Kohlenhydraten, Eiweiß und wenig Fett. Dazu Obst und ein Glas Wasser. Je später es am Abend wird, desto leichter und kleiner sollte die Mahlzeit ausfallen, damit man später un- belastet schlafen kann.

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