Wohlfühlen - Gepflegte Füße und Beine
Schöner Auftritt
Röcke und Flip-Flops bringen Pflegesünden an den Tag. Höchste Zeit für einen Besuch bei der Naturkosmetikerin. Für einen schönen Auftritt hat sie die richtigen Tipps und Ratschläge parat. // Astrid Wahrenberg
Es gibt Körperpartien, die kommen zu kurz. „An die Füße beispielsweise denken die meisten nicht“, sagt Naturkosmetikerin Liane Jochum. Stimmt bei mir zumindest im Winter, da sehe ich die Fußpflege lässiger. In Strümpfen und Socken und festem Schuhwerk eingesperrt, haben die Füße bis ins Frühjahr Dunkelhaft.
Aus den Augen, aus dem Sinn – sieht ja keiner, ob der Nagellack anfängt abzublättern oder am großen Zeh ein bisschen Hornhaut ist. Außer man gehört zu den Leuten, die ihre Füße das ganze Jahr über nie in Schuhe stecken. Der gelernte Bergmann und passionierte Barfußgänger Andreas Dörr zum Beispiel lässt Hornhaut nicht durchgehen. Mit hornhautlosen Füßen über Stock und Stein zu gehen, stelle ich mir nicht angenehm vor. Meine hornhautlosen Füße in Flip-Flops kann ich mir dagegen gut vorstellen. Für ein gründliches Prozedere melde ich mich bei Liane Jochum an.
Wüstenhaut und glanzlose Nägel
Ich wünsche mir schöne Füße und Beine und vereinbare einen Termin mit Pediküre und Bein-Enthaarung. Liane Jochum bildet in ihrer Fachschule für Naturkosmetik Academia Balance im hessischen Kneipp-Kurort Bad Endbach angehende Naturkosmetikerinnen aus.
Sie muss also wissen, wie man Wüstenhaut und glanzlosen Nägeln ohne harte Chemie sanft, aber gründlich, zu Leibe rückt. Wir beginnen das Beauty-Programm mit dem unangenehmen Teil. Frau Jochum trägt warmes, klebriges Honigwachs auf mein Bein auf. Fühlt sich gut an und riecht lecker, tut aber weh, als sie das ins Wachs gedrückte Stoffvlies abreißt.
Andererseits ist es lange nicht so schmerzhaft wie Epilieren, finde ich. Frau Jochum hat offensichtlich den richtigen Dreh raus, „man muss das Vlies mit einer schnellen Bewegung entgegen der Haarwuchsrichtung abziehen, dann ist es gar nicht so schlimm“.
Glatt wie Seide
Als Selbstbehandlungsmethode rät sie davon ab, „da ist man oft zu zaghaft und dann tut es ganz schön weh“. Glatt wie eine neue Seidenstrumpfhose fühlt sich meine Haut danach an. Prima, mit dem Nassrasierer brauche ich mich in den nächsten vier bis sechs Wochen nicht abzuplagen. Als nächstes kommt der Nagellack von den Fußnägeln – fertig fürs Peeling. Die graue Paste, mit der die Naturkosmetikerin die angefeuchteten Füße abreibt, besteht aus fein gemahlenem Bimsstein.
Ich kann förmlich spüren, wie die groben Körnchen auf meiner Haut rotieren und sie abschmirgeln. Jetzt habe ich mir das Meersalz-Fußbad verdient. Dafür hat Liane Jochum Salz vom Toten Meer, einen Esslöffel Honig und einen Schuss Apfelessig mit warmem Wasser vermischt. Der Apfelessig soll den Säureschutzmantel der Haut stärken, das Meersalz raue Haut glätten, der Honig schließlich Feuchtigkeit in der Haut binden.
Eintauchen und wohlfühlen, während das warme Wasser das Peeling abwäscht und meine Füße mollig warm werden. Die Naturkosmetikerin trocknet die Füße nacheinander sorgfältig mit einem Handtuch. So rosig und porentief sauber gefallen sie mir jetzt schon ganz gut. Aber Liane Jochum ist noch nicht zufrieden, es muss noch mehr Hornhaut weg. Die verbliebenen Stellen an Ferse und Sohle bearbeitet sie mit einer Hornhautfeile. Mir fällt ein Stein vom Herzen, dass sie nicht den Hornhauthobel nimmt, vor der scharfen Klinge habe ich großen Respekt. Als Teenager habe ich mich mit so einem Gerät mal ziemlich geschnitten.
Hornhaut ade
Sie rubbelt mit der rauen Oberfläche des Hobels auf meiner Haut hin und her und ich kann dabei die Füße kaum still halten – das kitzelt gewaltig. Der Reiz lässt aber nach einer Weile nach. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – so gründlich hätte ich das alleine zu Hause nie geschafft. Zur Pediküre gehört auch das Zurückschneiden der Nägel.
Das Fußbad hat sie weicher gemacht, sodass sie dabei weder splittern noch brechen. Ich weiß, dass man die Nägel nicht zu kurz schneiden darf, aber nicht warum. „Weil die Haut um das Nagelbett herum sonst immer weiter nach Innen wächst und der Nagel immer kleiner würde“, erklärt sie, während sie meine Nägel bearbeitet.
Außerdem könne beim Nachwachsen der Nagel in die Haut wachsen, was zu unschönen und schmerzhaften Entzündungen führen kann. Die Nägel sind jetzt in einer geraden Linie auf Zehenlänge gekürzt. So stoßen sie nicht in Schuhen an. Die vom Fußbad aufgeweichte Nagelhaut schiebt Frau Jochum mit einem sogenannten Rosenholz zurück, was sich vornehmer anhört, als es ist. Das Holzstäbchen sieht für mich aus wie ein gewöhnlicher Schaschlikspieß.
Hängematten-Feeling
Vom Zurückschneiden rät die Naturkosmetikerin ab. Die Nagelhaut schützt das Nagelbett vor Bakterien und somit Entzündungen und unterstützt ein gesundes Nagelwachstum. Ständiges Zurückschneiden kann außerdem das Wachstum erst recht anregen. Wer sehr feste, verhornte Nagelhaut hat, könne mehrmals in der Woche ein Nagelöl einmassieren, „das macht die Nagelhaut geschmeidig, sodass sie sich leichter zurückschieben lässt“.
Die groben Arbeiten sind erledigt, jetzt kommt der schönste Teil, die ayurvedische Bein- und Fußmassage mit dem komplizierten Namen Padabhyanga. Gänsehautfeeling kommt bei mir auf, als Liane Jochum warmes Sesamöl auf mein Schienbein gießt. Bei dieser Massage wird vom Knie abwärts bis zu den Fußspitzen massiert. Die Bewegungen gleiten auf dem Ölteppich auf der Haut fließend dahin. Ich schließe die Augen und stelle mir vor, dass meine Haut das Öl wie Löschpapier aufsaugt.
Frau Jochum ist ganz auf die Abfolge der Bewegung konzentriert, im Hintergrund dudeln leise indische Klänge. Ich gleite in einen angenehmen Zustand zwischen Wachsein und Schlafen. Hände streichen kreisend über meine Schienbeine und Waden, massieren die zarte Haut um die Knöchel, jetzt ziehen sie ganz sanft an den Zehen, führen sie in kleine Kreise. Ich wünsche mir, dass das noch Stunden so weitergeht. Alle Handgriffe sind sehr behutsam, die Muskulatur kaum betroffen.
Auf der Fußsohle drückt und massiert meine Wellnesstherapeutin viele Marmapunkte, erfahre ich später. Marmapunkte sind die Fußreflexzonen der Ayurveden. Darüber soll das energetische System des Körpers beeinflusst werden. Meines fährt gerade auf Hängematten-Feeling herunter. Kein Wunder, dass der Ayurveda diese indische Massage bei Schlafstörungen und Burn-out-Syndrom empfiehlt. Frau Jochum legt schließlich beide Hände auf meine Beine und hält inne – die Massagestunde ist um. Wo ist die Wiederholungstaste?! Ich mache nur ungern die Augen wieder auf.
Natürlich schön
Die ersten Sätze danach flüstern wir, keiner will die Stille im Raum stören. Frau Jochum entfernt mit einem alkoholgetränkten Wattepad die Ölreste von meinen Fußnägeln. Danach feilt sie die Nageloberfläche mit einer Polierfeile, bis sie glänzt. Das gefällt mir, sieht aus wie frisch gelackt.
Ich entscheide mich spontan gegen eine Abschlussbehandlung mit Nagellack, die Nägel sollen ganz natürlich bleiben. Die winzigen Applikationen, die mir Liane Jochum jetzt zeigt, gefallen mir. Ich suche mir ein Blumenmotiv aus. Vorsichtig platziert sie das weiße Filzblümchen auf dem Nagel vom großen Zeh – ein Hingucker auf meinen Füßen, die ich nach der ausgiebigen Pflege ebenso wie meine Beine zum ersten Mal richtig schön finde.
Zum Abschluss gibt es noch ein paar erfrischende Sprühstöße mit einem duftenden Fußspray auf die Beine und ich springe in meine Flip-Flops und dann hinaus in den Sommertag.
„Wüstenhaut ade“
Restlos begeistert war unsere Autorin Astrid Wahrenberg, nachdem sie ihren Füßen und Beinen ein Intensivpflegeprogramm samt Ayurveda-Massage gegönnt hatte. Nachdem die Enthaarung erst einmal hinter ihr lag, hieß es nur noch: genießen. Ihr Fazit: „Ich hätte nie geglaubt, dass meine Füße und Beine so schön aussehen können!“
In guten Händen
Die Leiterin der Naturkosmetikschule Academia Balance, Liane Jochum, legt großen Wert auf einen achtsamen Umgang. Im Mittelpunkt steht der Mensch, die Haut wird als Spiegel der Seele betrachtet. An ihrer Schule stehen daher neben klassischen Disziplinen wie Hautdiagnose etwa auch Anatomie, Physiologie und Ernährungslehre auf dem Lehrplan.
Buchtipp
Klüppel, G.; Kuhnt, U.:
Gesunde Füße – Schritt für Schritt zum Wohlbefinden.
Compact-Verlag, 2008, 144 Seiten, 9,80 Euro
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