Genießen - Warenkunde - Bio-Crunchy
Das Gourmet-Müsli
In verschiedenen Kreationen von „Amaranth“ bis „Zartbitter“ und mit aromatischer Süße sorgen Bio-Crunchys für unverfälschten Knuspergenuss. // Gisela Burger
Das Reisen durch die Prärie war kräftezehrend. Amerikanische Siedler reicherten deshalb ihre Getreideflocken mit Fett, Honig oder Sirup an und erhitzten sie in der Pfanne. So erklärt Sina Nagl, Mitbegründerin des Biopionier-Unternehmens Barnhouse, wie Crunchys (engl. crunchy: knusprig) entstanden sind.
Seit dem 19. Jahrhundert stehen sie nicht nur in Amerika, sondern auch in englischen und irischen Haushalten in den Küchenregalen. Der Partner von Sina Nagl, der Brite Neil Reen, wuchs mit ihnen auf. Als er nach Deutschland kam, fehlten ihm die Cluster (Bröckchen). So kam er auf die Geschäftsidee, Crunchys zu backen und auf dem deutschen Markt zu verkaufen. Anstelle von Weißzucker diente Honig zum Süßen. Haferflocken und Sonnenblumenöl stammten aus Öko-Anbau. Heute hat Barnhouse mehr als 20 Sorten im Sortiment.
Vielfältige Süße
Getreideflocken, ein Süßungsmittel und Fett bilden auch heute noch die Basis-Rezeptur für viele Hersteller. Je nach Geschmacksrichtung mit weiteren Zutaten ergänzt, wird die Mischung auf einem Blech gebacken. Der fertige Block wird in die Cluster gebrochen. Dann kommen noch einmal weitere Zutaten wie getrocknete Früchte hinzu. Für jedes Müsli gilt: Die Mischung macht’s - sowohl bei der Optik als auch bei den Zutaten.
„Dabei braucht es viel Fingerspitzengefühl”, sagt Stefanie Wendl von der Minderleinsmühle, die die Rosengarten-Müslis herstellt. Um unverfälschten Geschmack zu bieten, beschränken sich Biohersteller auf Zutaten der Natur. In konventionellen Crunchys ersetzen künstliche Aromen und Zitronensaft-Konzentrat zum Teil echte Früchte. Häufig setzen diese Hersteller isolierte Vitamine und Nährstoffe zu, was bei Bioherstellern verpönt ist.
Und Produzenten aus dem Naturkostbereich punkten nicht nur mit den bekannten Argumenten für den Ökolandbau wie „Anbau der Zutaten ohne synthetische Dünger“, „ohne Einsatz von Pestiziden“, „strengere Kontrollen“, Bio-Crunchy gibt es vor allem in einem sehr breiten Angebot innovativer Geschmacksrichtungen. Amaranth-Crunchy-Edelnuss, Crunchy-Cranberry-Kirsch oder Cappuccino-Crunchy sind nur 3 von über 40 in Bioläden erhältlichen Sorten. Neben Hafer verarbeiten Biofirmen altbewährte Getreide- und Körnerfrüchtesorten.
„Gerade Amaranth und Quinoa erhalten gebacken einen lecker nussigen Geschmack“, erklärt Claudia Müller von Allos. Vielfalt findet sich auch bei den Rohstoffen zum Süßen. Statt raffiniertem Zucker enthalten Bio-Crunchys Honig, Sirupe, Dicksäfte oder Rohrohrzucker. Dem Aroma der Knusperbällchen verleihen sie damit eine eigene Note.
Nicht Bircher-Benners Sache
Crunchy-Freunden sollte aber klar sein, dass die Zerealie mit dem Müsli-Urrezept des Züricher Arztes und Gesundheits-Mus-Erfinders Maximilian Bircher-Benner (s. Kasten unten) nicht sehr viel gemein hat. Und trotz der Vorteile, die Rohrohrzucker, Sirup oder Honig bieten, sind diese Zutaten Süßungsmittel. Jeder sollte für sich und seine Familie überlegen, wie viel er davon in einem Grundnahrungsmittel zu sich nehmen möchte. Wer sich ein genaues Bild von den Zutaten machen will, findet bei Bio einen weiteren Vorteil. „Alle unsere Produkte tragen Volldeklaration.
So benennen wir auch die Öl- oder Fettsorte konkret“, sagt Susanne Hintz von der Bohlsener Mühle. Und so erfährt man etwa auch über das ausgefallene Joghurt-Zitronen-Crunchy, dass für das spezielle Aroma lediglich 6 Prozent Joghurtpulver und jeweils 0,2 Prozent Zitronenöl und Zitronenschale ausreichen. Ausgewiesen wird auch, wenn Produkte ohne Weizen, Nüsse und Rosinen hergestellt sind, um auch Allergikern und Menschen mit anderen Unverträglichkeiten Genuss zu ermöglichen. Die Naturkornmühle Werz bietet diesen Verbrauchern etwa ein gluten- und fruktosefreies 4-Korn-Mandel-Crunchy. Es enthält Reisflocken, 4-Korn-Pops aus Reis, Mais, Hirse, Buchweizen und Reissirup zum Süßen.
Fett wird nicht zugegeben. „Es ist zur Ernährung bei Zöliakie, Fruktoseintoleranz und Diabetes mellitus geeignet“, erklärt Karl-Otto Werz. Während einige Crunchys stärker speziellen Ernährungsbedürfnissen entsprechen, steht bei anderen einfach das Knusper-Erlebnis im Vordergrund. So gibt es bei der Firma Rapunzel etwa eine ausgewiesene Genießer-Kreation: Ein Mandel-Ahorn-Crunchy mit Mandelsplittern und Ahornsirup.
Der Versüßer
Als süßer Snack pur mit den Fingern aus der Tüte genascht, mit Milch „verlängert“ oder gemischt mit ungesüßtem Müsli: So können Crunchys Genusshappen sein oder gesunde Sattmacher versüßen.
Karibisch inspiriertes Dessert / kein Ofen nötig
Pina Colada Crunchy Torte
Für den Boden
- 200 g gemahlenes Kokos-Crunchy-Müsli
- 100 g zerlassene Butter
Für den Belag
- 200 g Quark
- 2 P. Vanillezucker
- 2 EL weißer Rum
- 1 Glas Ananasstücke
- Ananassaft + Wasser (zusammen 250 ml)
- 0,5 l Schlagsahne
- 1 Päckchen Biogelatine
Zum Dekorieren
- 50 g kleine Kokos-Crunchy-Stücke, Ananasstücke
1 Crunchys und Butter vermengen. Als Boden in eine Torten-Springform drücken.
2 Wasser erhitzen, Gelatine darin auflösen und etwas abkühlen lassen.
3 Quark, Ananasstücke, Saft-Wasser, Vanille-zucker und Rum mischen. Geschlagene Sahne mit Gelatine unterheben.
4 Masse auf den Tortenboden auftragen; 12 Stunden kalt stellen.
5 Springformrand entfernen; Crunchy-Stücke auf den Tortenrand drücken; Ananas-Stückchen auf Oberfläche verteilen.
Müsli-Geschichte
„Wem an seiner Gesundheit liegt, der esse morgens einen Brei aus Getreideschrot“, empfahl der griechische Arzt Diokles von Karystos 400 vor Christus. Bis zur Industrialisierung dienten solche Breie als wichtigste Nährstoff-Lieferanten. Dann löste Weißmehl das Vollwert-Getreide ab. Dies schade seinen Patienten, stellte der Züricher Arzt Bircher-Benner 1902 fest. Er servierte ihnen einen Brei aus gequelltem Getreide, geriebenem Apfel, Zitronensaft, Nüssen und Milch: das Bircher-Müsli. Inspiriert hatten den Mediziner Bergbauern, die Vollwert-Breie noch immer verzehrten und sie - als Verniedlichung von Mus -Müsli nannten.
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