Wohlfühlen - Biokosmetik
Zart zur Babyhaut
Babyhaut ist unvergleichlich zart und duftet zum Anbeißen. Übertriebene Reinlichkeit schadet ihr nur. Klares Wasser und kleine Mengen ausgewählter Naturkosmetikartikel reichen völlig aus. // Nicole Galliwoda
Wunde Babypopos, Ausschläge und feuerrote Hautstellen sieht Eva-Maria Chrzonsz zwar nicht jeden Tag, aber mindestens einmal in der Woche. Das ist normal und gehört zum Arbeitsalltag einer Hebamme.
Ungewöhnlich ist eher, wie sie damit umgeht: Denn Eva-Maria Chrzonsz hat sich während ihrer 32-jährigen Berufstätigkeit mehr und mehr der Naturkosmetik und Naturmedizin zugewandt.
Seit 20 Jahren leitet die 51-Jährige eine Hebammenpraxis in Fulda. Gerade kommt sie von einer Familie aus Eichenzell, die seit gut vier Wochen mit ihrem Neugeborenen zu Hause ist. „Die Mutter war besorgt, weil die Haut ihrer Tochter an manchen Stellen auffällig gerötet ist.“ In solchen Fällen inspiziert die Hebamme gleich nach der Babyhaut die Pflegeprodukte am Wickeltisch und im Bad. Mit Babyseife, -waschgel, -shampoo oder -creme steht Eva-Maria Chrzonsz eher auf Kriegsfuß. „Die meisten Eltern haben ein großes Bedürfnis, ihr Baby möglichst sauber zu halten - und tun zu viel des Guten.“
Zu viel des Guten
Damit ihr Kind wie aus dem Ei gepellt aussieht, decken sie sich vorsorglich mit allen möglichen Pflegeprodukten ein. „Manche Eltern putzen und waschen die Winzlinge mehrmals am Tag mit Seife, cremen sie jedes Mal nach dem Saubermachen ein und baden sie täglich. Ins Wasser kommen Badeöl oder Schaumbad.“
Doch alles, was auf die empfindliche Haut trifft, stört das intakte System, mit dem die meisten Babys auf die Welt kommen. „Im Grunde brauchen Säuglinge so gut wie keine Pflegemittel“, sagt Chrzonsz. Wird ein Baby mit gesunder Haut beispielsweise jeden Tag eingecremt, gewöhnt sich die Haut schnell an die Fettzufuhr von außen und bildet nicht ausreichend eigenes Hautfett.
Badezusätze, Seife und andere Zutaten greifen den natürlichen Hautschutzmantel an und entziehen der Haut ihr Fett. Das schade mehr, als es nutze. Die Babyhaut reagiert gereizt, „das kann sich beispielsweise durch rote Flecken zeigen“.
Klares Wasser, sonst nichts
Deshalb rät die Hebamme der Familie in Eichenzell zunächst einmal, für eine Woche alle Pflegeprodukte wegzulassen, damit die Haut ihrer Tochter wieder ins Gleichgewicht findet und sich beruhigt. So lange sollen die Eltern das Mädchen nur mit einem Frotteewaschlappen und klarem Wasser reinigen. „Das reicht für die tägliche Hygiene völlig aus.“
Tägliches Baden hält sie für übertrieben, „einmal in der Woche genügt“, sagt Eva-Maria Chrzonsz. Ein Schuss Milch oder Sahne darin versorgt die Haut mit natürlichem Fett. Falls die Babyhaut Unterstützung braucht, weil sie beispielsweise zu trocken ist, rät Chrzonsz zu naturkosmetischen Produkten. „Damit habe ich in meiner langjährigen Praxis nur gute Erfahrungen gemacht.“ Der entscheidende Vorteil: Sie sind besonders mild, enthalten keine problematischen chemischen Zutaten, nur natürliche oder gar keine Duftstoffe sowie hochwertige Pflanzenöle, die der Babyhaut guttun.
Aber auch hier gelte ihr Grundsatz: lieber weniger als mehr. „Ein paar Tropfen Öl oder eine erbsengroße Menge Creme sind genug.“ Damit sich die Babys rundherum wohl-fühlen, brauchen sie viel Nähe und Hautkontakt mit den Eltern. „Ich finde es gut, wenn das Kind nahe am Körper herumgetragen wird und es so oft es geht nur mit einer Windel bekleidet auf dem Bauch von Mutter oder Vater liegt. Dann hören die Kleinen den Herzschlag und spüren die Körperwärme. Das beruhigt die Babys.“
Auch der Wickeltisch eignet sich gut für ausgiebigen Körperkontakt. Statt dem Kind möglichst schnell die Windeln zu wechseln, um es dann zu einem späteren Zeitpunkt ausgiebig zu massieren, rät Eva-Maria Chrzonsz, das Wickeln zu einem kleinen Verwöhnprogramm auszubauen. Wenn das Baby sowieso nackt vor einem liegt, können Eltern mit ihrem Baby ausgiebig schmusen. Mit etwas handwarmem Babyöl gleiten die Hände besonders leicht über die Haut. Ein positiver Nebeneffekt: Für die Kinder wird der Windelwechsel damit zum Spiel statt zu einer lästigen Pflicht.
Nase, Ohren, Zähne
Beim Wickeln können die Eltern dem Kind gelegentlich mal in die Nase und die Ohren schauen, aber auf keinen Fall mit Wattestäbchen säubern. Das innere Ohr und die Nase reinigen sich ganz von allein. Was herausläuft, lässt sich mit einem weichen Taschentuch wegwischen.
Auch für die Reinigung der Augen, die morgens manchmal etwas verklebt sind, reicht ein feuchter Waschlappen. Sobald der erste Zahn durchbricht, braucht er allerdings Pflege. „Anfangs reicht eine Zahnbürste mit Gumminoppen, auf der die Kinder spielerisch herumkauen“, sagt die Hebamme. Später, wenn mehrere Zähne da sind, sollten Eltern mit einer kleinen Babyzahnbürste und Kinderzahnpasta putzen.
Die Familie aus Eichenzell hat die Pflegetipps der Hebamme beherzigt. So hat sich die Haut des kleinen Mädchens nach einer pflegeproduktlosen Woche wieder beruhigt. Nach dieser Erfahrung haben sie das Sortiment an Pflegeprodukten deutlich ausgedünnt und sind komplett auf Naturkosmetik umgeschwenkt. Zudem ist das Wickeln jetzt jeweils ein kleines Event - zur Freude der Tochter.
Die Nase weist den Weg
Babys haben sensible Geruchsnerven. Die brauchen sie, um sich zu orientieren, denn Gehör und Augen sind noch nicht voll entwickelt. Parfüm und Düfte, die ihnen in die Quere kommen, verwirren sie. Wenn die Kleinen auch noch selbst nach Parfüm riechen, können sie andere Gerüche nur schwer wahrnehmen. Sie verlieren wortwörtlich die Orientierung. Mit parfümfreien Pflegeprodukten passiert das nicht.
Darüber freuen sich junge Eltern
Kleider
Babykleidung sollte aus pestizidfrei angebauter Biobaumwolle hergestellt und zertifiziert sein. GOTS- oder IVN-Siegel garantieren, dass bei der Verarbeitung keine gefährlichen Stoffe eingesetzt werden, deren Rückstände die Gesundheit gefährden.
Spielzeug aus Holz
Es kann mit problematischen Lacken be- handelt sein oder Leim enthalten, der schädliches Formaldehyd ausgast. Unlackierte Hartholzbausteine sind deshalb besser. Der Hinweis „DIN 53 160“ garantiert, dass lackiertes Holz schweiß- und speichelecht ist.
Spielzeug aus Plastik
Plastikspielzeug besteht oft aus Polyvinyl- chlorid (PVC). Lutschen Babys länger daran, können sich schädliche Weichmacher lösen. Es gibt Spielzeug mit dem Hinweis „PVC-frei“ oder „Phthalat-frei“. Das Zeichen „Spiel gut“ steht ebenfalls für PVC-Freiheit.
Spieluhren
Sie liegen direkt neben dem Baby oder hängen an der Seite des Bettes. Deshalb sollte man sie nicht nur nach dem Äußeren aussuchen oder danach, welches Lied ertönt, sondern besonders darauf achten, dass die Töne leise spielen, wenn man sie direkt ans Ohr hält.
Gut geschützt
Babyhaut ist fünf Mal dünner als die Haut von Erwachsenen. Die schützende Hornschicht baut sich erst ab dem zweiten Lebensjahr langsam auf. Sonnenstrahlen verbrennen die Haut leicht. Deshalb gehören Kinder im ersten Lebensjahr überhaupt nicht in die Sonne. Selbst im Schatten brauchen sie schützende Kleidung. Auf alle unbedeckten Körperstellen kommt Sonnencreme.
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