Schrot&Korn Titel 9/2009 

Wohlfühlen - Warenkunde

Öle für jeden Zweck

Ätherische Öle wirken ganzheitlich. Also auf Körper und Geist. So kann das Eukalyptusöl bei Erkältungen helfen oder ein Zitrusbad in Partylaune versetzen. // Gisela Burger

Ätherische ÖleGute Laune mit ätherischen Ölen? Aber ja! Aroma-Therapeuten arbeiten unter anderem mit diesem Effekt. Als klassische Gute-Laune-Lieferanten dienen ihnen Zitrusdüfte, wie sie Lemongrass oder Grapefruit freigeben. Die Wirkung ätherischer Öle geht darüber aber weit hinaus.

Der Aromatherapieforscher und Chemiker Dietrich Wabner von der Technischen Universität München arbeitet an einem Projekt, bei dem Klassenzimmer beduftet werden, um bei den Schülern Ausgeglichenheit und Konzentration zu fördern.

Das ätherische Öl, das man aus Basilikum gewinnt, vermag beispielsweise die Aufmerksamkeit zu steigern. Den Konzentrations-Effekt nutzt man auch gern in Yoga-Schulen: Deshalb wird Basilikumöl auch als Raumbedufter zur Meditation verwendet. Aber das sind nur einige wenige Seiten.

Was bewirkt ätherisches Öl in Ihrem Körper?

Jasmin und Muskatellersalbei schütten schmerzlindernde und beschwingende Endorphine aus. Rosmarin sorgt für eine stärkere Produktion des Botenstoffes Noradrenalin, der wach und aktiv macht. Das Aroma von Lavendel oder Vanille kurbelt die Ausschüttung von Serotonin an, das beruhigt und ausgleicht.

Die Wirkungen kommen auf folgende Weise zustande: Über die Nase erreichen Duftmoleküle eines Öls die Riechzellen, an denen sie sich anhängen. Die eingehenden Informationen werden dem Logistikzentrum des Gehirns, dem limbischen System, zugeführt. Die eingehenden „Nachrichten“ leitet es als Anweisung, aktiv zu werden, in andere Regionen des Gehirns weiter. Diese aktivieren Drüsen, die ihrerseits Hormone ausschütten. Je nach Zusammensetzung rufen die Duftmoleküle so unterschiedliche Stimmungen hervor.

Ätherische Öle sind aber auch Heilmittel. „Sie wirken ganzheitlich, können also gleichermaßen psychische und physische Beschwerden lindern“, sagt Katharina Zeh, Apothekerin und Autorin des umfassenden Handbuchs Ätherische Öle. In Ölen, Salben, Tees und Medikamenten können ätherische Öle Infekte, Verletzungen und Wunden lindern oder die Haut verschönern.

Sollte mich ein Arzt oder Heilpraktiker anleiten?

Welcher von beiden, spielt eine untergeordnete Rolle. Wer ätherische Öle als Heilmittel nutzen will, sollte in jedem Fall mit dem einen oder anderen darüber sprechen. Die Wirkungen sind nicht zu unterschätzen: Rosmarin, Salbei, Wacholder, Thymian wirken hormonanregend. Schwangere sollten diese Öle deshalb nicht nutzen.

Auch wenn man bei Säuglingen und Kleinkindern ätherische Öle als Raumbedufter, Massageöl oder als Erkältungsbalsam anwenden möchte, ist fachlicher Rat unbedingt nötig. Generell gilt: Vorsicht! Auch wenn ätherische Öle das Potenzial haben, Gutes zu bewirken, können sie – falsch angewendet – giftig sein.

Die Hersteller warnen davor, die Öle pur oral einzunehmen oder direkt auf die Haut aufzutragen. Wer zu Irritationen bei Pflanzenstoffen neigt, kann ein, zwei Tropfen in die Armbeuge geben und 48 Stunden abwarten, wie die Haut reagiert. Ätherische Öle, die Furocumarine enthalten, erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut – bei Angelika, Bergamotte und Zitrusfrüchten ist dies der Fall. Deshalb sollten sie nicht vorm Sonnenbaden aufgetragen werden.

Ätherisches Öl in Badewasser oder Kochtopf?

Ein paar Tropfen in der Wanne: Das kann durchaus ein besonderes Erlebnis sein. Einzelne Tropfen von Lavendel beruhigen. Wer das Bad als Auftakt für einen erlebnisreichen Abend plant, profitiert von Zitrusduft, der über den aufsteigenden Dampf die Nase erreicht (aber auch hier gilt: Beilage beachten!). Die Möglichkeiten, ätherische Öle anzuwenden, gehen jedoch über den Badewannenrand hinaus.

Am häufigsten sorgen sie als Raumbedufter via Duftlampen für Geborgenheit, Ruhe oder Inspiration. Christian Löschenbrand von der Firma Sonnentor empfiehlt hierzu einen Rhythmus von „zwei Stunden Beduftung und zwei Stunden Pause“. Unterwegs erfrischen, erheitern und besänftigen sogenannte Roll-ons, mit denen man das Öl in Art kleiner Deoroller etwa auf dem Handrücken aufbringt. Auch diese gibt’s in Bio-Läden.

Als Aufgüsse sind ätherische Öle in der Sauna beliebte Begleiter. Beigemischt in pflegende Öle und Cremes helfen sie Hautprobleme wie Akne und in Massagen Verspannungen zu lindern. Eukalyptus wirkt schleimlösend. Primavera bietet einen Erkältungsbalsam mit dem ätherischen Öl des australischen Baumes an. Ein nützlicher Tipp für die Küche sind ätherische Öle aus Gewürzpflanzen. Wenige Tropfen Rosmarin oder Basilikum geben Gerichten eine sehr spezielle Note. Und ein paar Spritzer reines Zitronen- oder Orangenöl verwandeln Kuchen und Plätzchen in verführerische Köstlichkeiten.

Wie sollten ätherische Öle hergestellt sein?

Die Destillation ist das häufigste Verfahren. Die Pflanzenteile werden in einen Destillierkessel gelegt – Alambique genannt – und von unten mit Wasserdampf erhitzt. Der Dampf trennt das ätherische Öl heraus und trägt es nach oben in ein Rohr, wo der Dampf kondensiert.

Das Öl sammelt sich schwimmend auf Wasser und wird abgeschöpft. Ein aufwendiger Prozess: 3 500 Kilo frische Damaszener-Rosen ergeben etwa einen Liter Öl. Bei Pflanzenarten wie Gartennelke oder Tuberose müssen die Duftöle durch Extrahieren gewonnen werden. Meist löst vergällter Alkohol das Öl aus den Rohstoffen heraus, wobei die Bio-Produzenten Bio-Alkohol verwenden.

Der Alkohol wird nach der Extraktion komplett verdampft; die Duftessenz bleibt übrig. Bio-Hersteller versetzen ihren Alkohol beim Vergällen nur mit natürlichen, biologisch abbaubaren Stoffen. Konventionelle Verarbeiter vergällen mit synthetischen Substanzen, die mitunter auch Weichmacher enthalten können. Bei einigen Pflanzen extrahieren konventionelle wie einige Öko-Hersteller auch mithilfe von Hexan. Hexan ist ein Lösungsmittel, das beispielsweise bei Treibstoffen zum Einsatz kommt (siehe auch unten).

Welche Vorteile bieten Öle aus dem Bio-Laden?

Für den Kauf der „Bio“-Duftöle spricht zunächst einmal ihre Reinheit. Öko-Anbau gewährleistet, dass die verarbeiteten Pflanzen ohne synthetische Dünge- und Giftmittel gewachsen sind.

Auch sind die Kontrollen strenger. Beispielsweise überprüfen nicht nur einmal jährlich die Landesämter für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit die Hersteller. Es kommen auch spezielle Naturkosmetik-Kontrolleure.

Und wenn das ätherische Öl dafür ausgelegt ist, innerlich eingenommen zu werden, wird es auch nach den Richtlinien der EU-Öko-Verordnung für Lebensmittel kontrolliert. Bei Bio-Produzenten sind außerdem künstlich erzeugte Düfte, wie sie „naturidentische“ Öle enthalten, tabu. Genauso wie etwa das Strecken eines „natürlichen Lavendelöls“ mit anderen Ölen.

Hexan unbedenklich?

Die Firmen Neumond und Primavera verwenden Hexan beim Herstellen von Jasminöl. Ein Risiko sehen sie nicht, weil das stark flüchtige Hexan bei 140 Grad verdampft. Rückstände seien nur in sehr hochauflösender Analytik nachweisbar, erläutert Bernhard Mirwald von Neumond: „Die sofortige Verdunstung von 12 Litern Jasmin Absolue in einem Wohnraum entspricht der Belastung mit Benzol bei einem Tankvorgang ohne Gasabzug.“

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