Schrot&Korn Titel 12/2009 

Wohlfühlen - Warenkunde - Masken

Gut aufgelegt

Ihre Haut sieht aus, als hätten Sie die Nacht durchgefeiert? Wir empfehlen einen Kurzurlaub im Badezimmer. Eine Naturkosmetik-Maske bringt das Gesicht wieder zum Strahlen. // Astrid Wahrenberg

Ein Wellness-Hotel in Baden-Baden bietet eine 24-Karat-Blattgold-Maske an, bei der man sich fühlen soll wie eine Königin. Auf das Luxusgefühl setzen auch Masken mit Kaviar, Champagner oder Austern. Dass in New Yorker Spas derzeit Vogeldreck als ultimativer Schönheitstipp gilt, mag man dagegen kaum glauben. Die „Geisha-Maske“ besteht aber tatsächlich aus Nachtigallenkot – unter anderem.

Und bei Madonna, Jennifer Lopez und Victoria Beckham sind momentan Plazenta-Masken angesagt. Sie enthalten gereinigte Mutterkuchen-Bestandteile von Schafen, Kühen und Frauen. Offensichtlich muss eine Zutat nur möglichst teuer oder exotisch sein, damit sie als Wunderwaffe im Kampf gegen Falten taugt. Naturkosmetik bleibt dagegen bei ihrer Überzeugung: Pflanzenwirkstoffe, innovative Rezepturen und der Verzicht auf bedenkliche Inhaltsstoffe reichen, um sich ein wenig zu verschönern.

Gegen Stress und Pickel.Was bewirken Masken?

Masken pflegen die Haut intensiver als eine Creme oder Lotion. Bei vielen Masken lässt deren Name schon auf die beabsichtigte Wirkung schließen. Eine Hautberuhigungs- oder Anti-Stress-Maske etwa soll gereizte, zu Rötungen und Entzündungen neigende Haut beruhigen. Regenerierungsmasken und als nährende Masken ausgelobte Produkte bauen strapazierte und reife Haut mit besonders reichhaltiger Pflege wieder auf. Vital-, Erfrischungs- oder Effektmasken sind ideal, wenn man vor einem wichtigen Termin einfach frisch aussehen will. Die Haut ist danach straffer, der Teint rosig.

Des Weiteren gibt es Feuchtigkeitsmasken. Sie polstern die Hautzellen auf, indem sie sie mit Feuchtigkeit versorgen, und lassen die Haut für eine ganze Weile glatt und gepflegt aussehen.

Reinigungsmasken reinigen auf der Basis von Heil- oder Mineralerde, die wie ein Schwamm wirkt. Während die Masse auf der Haut trocknet, entwickelt sie eine Saugwirkung. Überschüssiges Hautfett, Stoffwechselprodukte und schädliche Substanzen aus der Umwelt werden gebunden.

Peelingmasken mit Peelingkörpern oder Fruchtenzymen entfernen abgestorbene Hautpartikel. Das kommt insbesondere unreiner, fettiger Haut zugute.

Für wen sind welche Masken geeignet?

Kinderhaut braucht keine Gesichtsmasken. Ansonsten eignen sich Masken für jede und jeden. „Nicht nur unreine, fettige Haut braucht regelmäßig eine porentiefe Reinigung. Auch sensibler Haut tut es gut, wenn sie von abgestorbenen Hautschuppen befreit wird“, sagt Julia Kunz, Diplom-Kosmetikerin beim Kosmetikhersteller Sanatur. Damit empfindliche Haut dabei nicht strapaziert wird, sollten unbedingt rückfettende Substanzen wie Pflanzenöle und feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe enthalten sein. Feuchtigkeit braucht jeder Hauttyp, daher sind Feuchtigkeitsmasken auch für ölige Haut geeignet. Zu empfehlen sind hier jedoch eher leichte Emulsionen oder gelartige Produkte.

Gesichtsmasken für die reife Haut sind reichhaltig; sie sparen nicht an Fett und Feuchtigkeit. Mit zunehmendem Alter produziert die Haut nämlich immer weniger schützendes Hautfett, außerdem lässt die Kollagenproduktion nach.

Von Alge bis Zaubernuss.Was wirkt denn da?

Viele Zutaten für eine selbst gemachte Maske finden sich in jeder Küche: Eigelb, Quark, Olivenöl, Honig, Karotten, Kartoffeln oder Gurken. In gekauften Crememasken stecken die gleichen Inhaltsstoffe wie in Cremes, nur in höherer Konzentration. Naturkosmetik setzt außerdem auf Feuchtigkeitsspender wie pflanzliches Glyzerin, Algen, Aloe vera oder Hyaluronsäure (siehe Kasten).

Pflanzenöle und -fette binden die Feuchtigkeit in der Haut und machen sie weich. Kräuterextrakte aus Wundklee, Zaubernuss oder grünem Tee beruhigen. „Für eine milde antibakterielle Wirkung haben sich Salbei, Minze, Rosmarin und Bartflechte bewährt“, weiß Silke Fliess von Logona.

„Sie wirken gegen pickelverursachende Bakterien.“ Beliebter Inhaltsstoff von Reinigungsmasken ist Mineral- oder Heilerde. Peelingkörper in Masken können Tonerde, Stückchen von Bambus oder Fruchtkernen sein. Sogenannte Softpeelings enthalten weiche Kügelchen aus Jojobaöl.

Konventionelle Masken: Was fällt negativ auf?

Mittlerweile werden auch hier Bio-Zutaten ausgelobt. Doch ist man oft weit davon entfernt, konsequent auf Natur zu setzen. Nach wie vor kommen synthetische Stoffe zum Einsatz. Die Haut kann mit den Fremdsubstanzen oft nichts anfangen. Professor Christoph Schempp von der Universitäts-Hautklinik Freiburg, der die Wirkung von Pflanzen auf die Haut erforscht, ist davon überzeugt, dass die Natursubstanzen besser von der Haut aufgenommen werden können.
In der Deklaration konventioneller Firmen finden sich häufig Substanzen mit dem Zusatz PEG. Es handelt sich um Emulgatoren, die umstritten sind, weil sie die Haut für Fremdstoffe durchlässiger machen können. Als kritisch beurteilt das Magazin Öko-Test auch halogenorganische Verbindungen, eine Gruppe von mehreren Tausend Stoffen, die Brom, Jod oder Chlor enthalten. Sie konservieren Kosmetik, haben aber ein großes allergisches Potenzial.

Bedampfen. Abziehen. Wie anwenden?

Ein Gesichtsdampfbad vorneweg öffnet die Poren und macht die Haut besonders aufnahmefähig. Crememasken werden dann etwa messerrückendick aufgetragen und bleiben zwischen 15 und 30 Minuten auf der Haut. Für eine intensive Wirkung kann man ein feuchtes Tuch darüberdecken. Bei manchen Crememasken werden verbleibende Reste in die Haut eingecremt, bei anderen empfiehlt der Hersteller, sie mit warmem Wasser oder einem feuchten Tuch abzunehmen.

Reinigungsmasken trocknen auf der Haut. Die Augenpartie bleibt frei. Nach der Einwirkzeit wäscht man sie mit reichlich warmem Wasser ab.

Auch Peelingmasken sollen nach etwa 15 Minuten mit Wasser wieder von der Haut herunter. Dabei rubbeln die enthaltenen Peelingkörper abgestorbene Hautreste ab. Sogenannte Peel-off-Masken bilden einen elastischen Film auf der Haut, der nach der Einwirkzeit einfach abgezogen wird.

Maske macht Stress. Kann was falsch laufen?

Ja. Es ist wichtig, den Hauttyp zu beachten. So ist fettige Haut mit einer reichhaltigen Nährmaske überfordert. Sie kann mit Pickeln reagieren. Hingegen ist eine Reinigungsmaske aus Tonerde für diesen Hauttyp genau das Richtige. Für trockene Haut wiederum eignet sich die Tonerdemaske weniger. „Die entfettende Wirkung kann zu stark sein“, sagt Ariane Kaestner von Luvos. Tipp: Die Heilerde-Maske auf der Haut noch in feuchtem Zustand abnehmen. Danach kann die Haut spannen, „jetzt nicht nachfetten, sondern eine Feuchtigkeitscreme auflegen“, empfiehlt Ariane Kaestner. Bei zarter, feinporiger Haut sollte man von Peelingmasken die Finger lassen.

Hyaluronsäure

„Kein anderer Kosmetik-Inhaltsstoff kann so viel Feuchtigkeit binden“, sagt Sabine Kästner-Schlemme von Laverana. Es handelt sich um eine natürliche Substanz, die etwa in Bindegewebe und Knorpeln vorkommt. Um Hyaluronsäure herzustellen, erlauben die Naturkosmetik-Zertifizierer Ecocert, BDIH und Natrue weder tierisches noch gentechnisch verändertes Material. Stattdessen setzen die Naturkosmetik-Hersteller Bakterien ein.

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