Wohlfühlen - Maniküre
Pflege mit Kusshand
Kälte macht den Händen zu schaffen. Wenn sie anfangen, rau zu werden, ist es höchste Zeit für zusätzliche Pflege. Unsere Autorin Astrid Wahrenberg hat sich eine ausgiebige Maniküre gegönnt.

Ein Blick auf meine Hände genügt – ein Pflegewunder sind sie wahrlich nicht im Moment. Das nasskalte Wetter macht ihnen mal wieder zu schaffen. Sobald das Thermometer unter null Grad fällt, werden sie zu Reibeisen. Die Natur hat eben nicht gründlich vorgesorgt. Im Gegenteil: Sobald die Kälte kommt, reduzieren die Talgdrüsen ihre Fettproduktion. Der schützende Hydrolipidfilm, der die Haut wie ein Mantel umgibt, wird dünn und rissig. Die trockene Winterluft wirkt dazu wie ein Staubsauger, sie zieht viel Feuchtigkeit aus der Haut, genauso wie die staubtrockene Heizungsluft der Innenräume. Wenn ich dann noch öfter die Hände wasche, strapaziert sie das noch zusätzlich.
Schlimmer als jetzt darf es nicht werden – ich greife zum Telefonhörer und vereinbare einen Termin mit Kirs-ten Lukas, Dr. Hauschka-Naturkosmetikerin in Frankfurt. Bis es so weit ist, lasse ich meine kurzen Nägel wachsen und feile sie nur etwas in Form. Keine gute Idee, merke ich schon bald. Beim Anziehen bleibe ich an Reißverschlüssen hängen, ziehe Laufmaschen in Strumpfhosen und verheddere mich in den Fäden von Wollpullovern. Und wie, bitte schön, soll man damit tippen? Die Nägel klappern laut auf der Tastatur, das Fremdkörpergefühl dabei gefällt mir nicht. Kirsten Lukas sieht das zum Glück ähnlich. Denn nachdem sie meine Handform gründlich betrachtet hat, schneidet sie meine Nägel kurz. Zu meinen kleinen Händen passt das am besten und das Schönste: Das Fremdkörpergefühl ist weg. Ich lehne mich in den bequemen Liegestuhl zurück und kuschele mich in die Wolldecke, die Frau Lukas über mich gelegt hat.
Die Anspannung nach dem hektischen Tag fällt von mir ab. Schön, dass ich heute die letzte Kundin bin. Kirsten Lukas hat den Laden hinter mir abgeschlossen und den Anrufbeantworter eingeschaltet. Ich schiele auf ihre Hände, die sich jetzt dem Feinschliff meiner Nägel mit einer Glasfeile widmen. Schön sind sie, schlank und gepflegt. Ich frage sie, was sie dafür tut. „Gar nichts“, sagt sie lachend, „meine Hände bekommen ständig die beste Pflege, weil ich doch den ganzen Tag meine Kunden mit guten Produkten behandle.“ Bei dieser Gelegenheit erläutert sie auch gleich die Vorteile einer Glasfeile. Sie kann nämlich durch die feinere Schleiffläche viel sorgfältiger und vorsichtiger feilen. Sogar gelackte Nägel lassen sich damit bearbeiten.
Neemöl für die Nagelhaut
Die Unterseiten der Nägel säubert sie mit einem Holzstäbchen, danach werden Nägel, Nagelbett und Hände mit einem speziellen Öl eingerieben. Ich denke spontan an Rosen, aber es ist gar kein Rosenduft. Genauso riecht es, wenn mein Mann unsere Rosen gegen Blattläuse spritzt, denn das Öl verbreitet einen dezenten Geruch nach Neem-Extrakt. Die Inder setzen Blätter und Samen des Neembaumes seit Jahrhunderten als natürliches Pflanzenschutz- und Heilmittel ein, vor allem gegen Pilzinfektionen und Entzündungen. „Wenn Sie Ihre Nägel und die umgebende Haut damit ein- bis zweimal die Woche einreiben, wird die Nagelhaut schön geschmeidig und elastisch. Außerdem beugen Sie Entzündungen vor“, erklärt Kirsten Lukas.
Nach der Ölung stellt sie eine kleine Wanne mit warmem Wasser und Lavendel-Ölbad auf meinen Schoß. Ich tauche meine Hände hinein, sie sollen 15 Minuten darin baden. Frau Lukas verlässt den Raum und ich fühle mich so ruhig wie schon lange nicht mehr. Angenehm, einmal gar nichts sagen oder tun zu müssen. Als die Zeit um ist, nimmt sie einfach meine Hände und arbeitet weiter.
Die aufgeweichte, weißliche Nagelhaut schiebt Kirsten Lukas sehr vorsichtig mit einem „Pferdefuß“ zurück. Das Gummiwerkzeug heißt so, weil seine Form an einen Pferdehuf erinnert. Außer diesen Werkzeugen benutzt sie nichts, „schon gar keine Nagelschere, um die Nagelhaut zurückzuschneiden“, erklärt sie energisch, „denn das führt schnell zu einer Nagelhautentzündung.“ Anschließend fährt sie mit einem winzigen, festen Pinsel über die Nägel, bis sie blitzblank aussehen. Wer braucht schon Nagellack? Wenn überhaupt, sollte es ein naturkosmetischer Klarlack sein, findet Kirsten Lukas: „Der enthält keine allergieauslösenden Substanzen.“ Nachteil: Der Naturlack aus Schellack ist nach ein paar Tagen wieder abgewaschen. Ich betrachte meine rosig polierten Nägel und finde sie so genau richtig. Auch meine Hände sind nach dem Ölbad schön glatt und sehen dadurch irgendwie jünger aus. Bilde ich mir zumindest ein. Aber das kann Kirsten Lukas durchaus noch mit weiteren Maßnahmen toppen:
Zunächst einmal durch eine wässrige Ampullen-Kur, die der Haut viel Feuchtigkeit spenden soll. Nachdem die Wirkstoffe eingezogen sind, bekommen die Hände noch eine richtige Nährpackung aus Mandel-, Oliven-, Avocado- und Jojobaöl und Sheabutter. Eine Probe davon darf ich mit nach Hause nehmen. Ich lese die Beschreibung durch – im Grunde ähnelt die Creme einer Gesichtsmaske. „Gönnen Sie Ihren Händen so eine Pflegebehandlung einmal pro Woche und vergessen Sie nicht, die Hände nach jedem Waschen einzucremen. Dann passiert Ihnen im Winter nichts“, rät sie.
Die Creme glänzt fettig auf meiner Haut, Zeit für den Höhepunkt der ganzen Maniküre: die Handmassage. Im Grunde kann man sich nämlich alle vorangegangenen Pflegeschritte zu Hause selbst gönnen. Das Kneten, Kreisen und zarte Streichen während der Massage ist wunderbar, allerdings viel zu schnell vorbei. Ich könnte das stundenlang genießen, doch meine Haut hat die Wirkstoffe schon gierig aufgesogen. Butterweich fühlt sie sich nun an. Kirsten Lukas tupft mit einem Papiertuch über meine Hände, sie sind kein bisschen klebrig. Mit diesem schützenden Mäntelchen ausgestattet, kann sich die Kälte an meinen Händen jetzt die Zähne ausbeißen.
Schöne Hände – Schritt für Schritt
Planschen und Pflegen
Ein warmes Handbad bereitet die Haut für nachfolgende Pflegemaßnahmen vor. Das Wasser weicht die Nagelhaut auf, sodass sie sich leicht zurückschieben lässt. Ein paar Tropfen Jojoba- oder Mandelöl darin machen die Hände geschmeidiger und pflegen sie.
Fingerspitzengefühl
Eine Handmassage dauert nicht lange, wirkt aber auf den ganzen Körper. Denn viele Energiebahnen beginnen und enden an den Fingerspitzen. So kann sich dabei sogar der Nacken-Schulter-Bereich entspannen.
Gut eingepackt
Jede naturkosmetische Handcreme lässt sich auch als Handpackung verwenden. Dazu eine großzügige Menge auf dem Handrücken verteilen und in Ruhe einziehen lassen. Die Reste abtupfen.
Sanfte Rundung
Spitz, mandelförmig oder gerade gefeilt – Nagelformen wechseln wie die Mode. Wer unsicher ist, orientiert sich an der Form des eigenen Nagelbettes. Ist es oval, wirken sanft gerundete Nagelspitzen besonders harmonisch.
Feile mit Weile
Metall- oder Sandfeilen gehen grob zur Sache und können bei dünnen Nägeln Spliss begünstigen. Glasfeilen arbeiten feiner und schonender. Einziger Nachteil: Sie sind bruchempfindlich.
Alles im Lack
Ein naturkosmetischer Klarlack bringt Glanz auf die Nägel und verstärkt außerdem die Textur des Nagels wie eine Art Schutzfilm. Auch ein Nagelöl kann Festigkeit und Elastizität verleihen.
Unglaublich:
30 Jahre lang hat die Amerikanerin Lee Redmond ihre Fingernägel nicht geschnitten, bis sie fast einen Meter lang waren. Für den Haushalt konnte sie nach eigenen Angaben jedoch selbst sorgen. Dann vernichtete ein Autounfall ihr „Lebenswerk“. Und auf einmal fällt alles viel leichter. „Meine Hände scheinen ohne das Gewicht zu fliegen“, wird sie zitiert.
Die Pflege der Hände ist genauso wichtig wie die des Gesichts. Gerade bei „gelifteten“ Promis verraten ihre Falten oft das wahre Alter, da die Hände über wenig Unterhautfettgewebe verfügen.
Autorin Astrid Wahrenberg
liebt Naturkosmetik mit Hand und Fuß. Im vergangenen Juli berichtete sie über Fußpflege, diesmal sind die Hände dran.
Bildnachweis: Kristiane Vey / jump fotoagentur
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vergangenen Juli berichtete sie über
Fußpflege, diesmal sind die Hände dran.