meldungen - Bio-Baumwolle
Bio-Faser, SOS!
Bio-Baumwolle ist von gentechnischer Verunreinigung bedroht. Erfahrene Öko-Mode-Hersteller passen auf. // Leo Frühschütz
Baumwolle ist neben Soja, Mais und Raps die wichtigste Pflanze für die Gentechnik-Konzerne. Auf 15 Millionen Hektar, vor allem in Indien, China und den USA, wachsen genmanipulierte Sorten (GVO), das entspricht fast der Hälfte der weltweiten Baumwoll-Flächen. In Indien liegt der Anteil der GVO-Baumwolle bei etwa 70 Prozent. Gleichzeitig stammten 61 Prozent der weltweiten Bio-Baumwoll-ernte 2008/2009 aus Indien.
Risiko beim Verarbeiten
Die Verunreinigungsgefahr ist also groß. Das beginnt bei den Kleinbauern, die die Baumwolle anbauen und leicht manipuliert werden können. In der Frankfurter Rundschau berichtete Mechthild Naschke, Leiterin der Textil-Abteilung beim Schweizer Zertifizierer IMO, wie Monsanto-Verkäufer Gratispackungen ihres Gen-Saatgutes an gutgläubige Bio-Bauern verteilten. Die Gefahr möglicher Auskreuzungen von GVO-Baumwolle ist bei der selbstbestäubenden Baumwolle eher gering. Entscheidend ist das Verunreinigungsrisiko bei den zahlreichen weiteren Verarbeitungsschritten wie Reinigen, Spinnen und Weben der Fasern, die nur selten in reinen Bio-Betrieben stattfinden.
„Das Thema genmanipulierte Baumwolle haben wir vor Jahren schon aufgegriffen. Wir haben ein Institut mit der Entwicklung eines Verfahrens beauftragt, mit dem wir auch beim fertigen T-Shirt nachprüfen können, ob hier GVO-Baumwolle eingesetzt wurde“, berichtet Rolf Heimann, Leiter des Bereichs Innovation und Ökologie beim Öko-Mode-Hersteller Hess natur.
Doch anders als bei Bio-Lebensmitteln hat bei der Öko-Mode niemand die Kunden für das Verunreinigungsrisiko sensibilisiert. Deshalb fielen viele Verbraucher aus allen Wolken, als Ende Januar die Medien das Thema aufgriffen und das Problem gentechnischer Verunreinigungen zum Bio-Baumwolle-Betrugsskandal aufbauschten. „Das war ein Schlag ins Gesicht der Naturtextilbranche“, kommentiert Frank Schell von Living Crafts die Vorgänge. Seit 25 Jahren stellt die Firma Öko-Mode her. Als er die Schlagzeilen las, schickte er sofort Proben ins Labor und ließ auf GVO testen. Nichts nachweisbar.
Dennoch reagierten die Verbraucher verunsichert, hinterfragten mit Recht die Richtigkeit der Abläufe. Frank Schell sieht auch positive Seiten: „Endlich kommt Bewegung in das Thema.“ Die Zertifizierer widmen den Verunreinigungen inzwischen größere Aufmerksamkeit und alle Beteiligten versuchen, mehr Transparenz in die lange Versorgungskette vom Anbau bis zum fertigen T-Shirt zu bringen. Gefordert sind vor allem die großen Modeketten wie H&M oder C&A, die erst seit einigen Jahren Bio-Baumwolle einsetzen. Im Gegensatz zu Branchenpionieren wie Hess natur, Remei oder Living Crafts verfügen sie nicht über eigene Anbauprojekte oder langjährige Partner. Da ist die Gefahr größer, dass es zu Qualitätsproblemen kommt.
Hinzu kommt, dass derzeit ein Überangebot an Bio-Baumwolle die Preise unter Druck setzt. Sie seien beinahe auf das Niveau von konventioneller Ware gefallen, schreibt die Remei AG in ihrem Geschäftsbericht vom letzten Jahr. Dort steht auch, dass „die meisten Projekte in Indien, anders als wir, den Bauern keine Bio-Prämie mehr auszahlten“. Faire Preise sind also für manche Marktteilnehmer nicht selbstverständlich.
Jedes Bio-T-Shirt spart Pestizide
Baumwolle ist die pestizid-intensivste Pflanze. Ein Viertel der weltweiten Insektizid-Menge wird auf Baumwollfeldern ausgebracht. Tausende von Kleinbauern in Entwicklungsländern leiden unter chronischer PestizidVergiftung. Jedes T-Shirt aus Bio-Baumwolle erspart der Umwelt 150 Gramm Gift auf dem Acker. Doch von den rund 26 Millionen Tonnen Baumwolle, die jedes Jahr geerntet werden, stammen erst 0,7 Prozent aus Bio-Anbau.
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