Schrot&Korn Titel 06/2010 

Perspektiven - Bioberufe

Bio als Beruf

Bio schmeckt nicht nur gut, Bio ernährt auch. Eine Auswahl an Jobmöglichkeiten aus der Öko-Szene – und nicht nur jenen, bei denen man im Grünen agiert. // Ursula Quass

Bioberufe

Rund 170 000 Menschen in Deutschland verdienen nach einer Schätzung des Presseforums Biobranche ihr Geld mit „Bio“ – als Erzeuger, Hersteller, Händler, Dienstleis-ter oder in den Verbänden. Den Löwenanteil im Bio-Bereich machen Berufe in Lebensmittel verarbeitenden und erzeugenden Bereichen aus. Chancen, sein Geld in der Bio-Branche zu verdienen, gibt es viele. Das fängt beim Bio-Landwirt an, der sich immer mehr zum ökologischen Dienstleister entwickelt. Er stellt einerseits hochwertige Nahrungsmittel her, ermöglicht aber auch Familien einen angenehmen Urlaub oder erzeugt regenerative Energie.

Der seit Jahren anhaltende Trend zu Bio bewahrt auch Traditionen. Bestes Beispiel dafür sind die Käser. Bis vor 20 Jahren beschränkte sich die handwerkliche Milchverarbeitung auf wenige Sennereien und Hartkäsereien. Inzwischen produzieren über 1 000 Hofkäsereien und -molkereien wieder Käse- und Milchspezialitäten nach guter Handwerkstradition. Eine spezielle Ausbildung für die Bio-Ausrichtung gibt es in den Handwerksbetrieben meist aber nicht. Dem will der Verein Biohandwerk abhelfen, der Bio-Bäcker, -brauer, -metzger, -käser oder -safter vernetzt.

Ein Jahr frei und ökologisch

Was soll ich bloß werden? Orientierung und Berufsvorbereitung ermöglicht ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Auch anerkannte Kriegsdienstverweigerer können es anstelle des Zivildienstes leisten. Ein solches Jahr ist ebenfalls eine gute Gelegenheit, um die Zeit zwischen Schule und Ausbildung sinnvoll zu nutzen. Ein Entgelt gibt es auch.

www.foej.de

Verkäuferinnen gesucht

Für den Verkauf der Bio-Waren werden in Naturkostmärkten Einzelhandelskaufleute ausgebildet. Eine große Rolle spielt hier die Warenkunde. Verkäufer müssen in der Lage sein, gezielte Fragen zu beantworten – denn der Bedarf der Kunden an kompetenter Beratung ist groß. Einmal ausgelernt, fit für den Job – diese Devise ist angesichts der Fülle ständig neuer Produkte schon lange überholt.

Auch Quereinsteiger und Langzeitarbeitslose bekommen über Qualifizierungskurse die Chance, in Bio zu machen. Dabei muss man nicht einmal immer vor Ort die Kursbank drücken: Qualifikationen wie etwa die zum Ernährungscoach lassen sich auch im Fernlehrgang erwerben.

Auch auf Fachhochschul- und Uni-niveau sind Nachhaltigkeit, ökologischer Anbau und naturverträgliches Wirtschaften längst wichtige Themen. Viele Hochschulen haben auf den Bedarf der Branche nach hoch spezialisierten Fachleuten reagiert und vermitteln in speziellen Öko-Studiengängen gezielt Branchenwissen. Wegweisend war dabei die Universität Kassel in Witzenhausen. Dort wurde 1981 der weltweit erste Lehrstuhl für „alternativen Landbau“ eingerichtet. Heute kann man dort zum Beispiel auch Regenerative Energien und Energieeffizienz studieren – in Englisch. Längst hat sich die Bio-Branche zum internationalen Bio-Business entwickelt. Im Folgenden stellen wir fünf Personen aus der Bio-Branche und ihre Berufe vor.

Breite Palette an Angeboten

Das größte Angebot an Lehrstellen gibt es bei Einzelhandelsberufen. Aber auch Berufe, bei denen man nicht sofort an Bio denkt, kann man in größeren Bio-Betrieben lernen. Die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik ist so ein Beispiel.

 

Warum Menschen in der Bio-Branche arbeiten wollen

Warum Menschen in der Bio-Branche arbeiten wollen Die Antwort auf die Frage, warum man einen bestimmten Job macht, wird in konventionellen Unternehmen bisweilen mit einem Seufzer eingeleitet. Viele Bios tun sich leicht, die Frage zu beantworten.

Weil ich etwas ökologisch tue – und damit gesamtgesellschaftlich Sinnvolles. Und weil ich mich daher mit dem, was ich tue, identifizieren kann. So lässt sich zusammenfassen, wie Angestellte und Arbeiter in der Bio-Branche argumentieren. Die Sinnfrage stellt sich erst gar nicht.

Die Arbeit bewerten viele als interessant. Der Anbau und die Verarbeitung von Bio-Produkten erfordern viel Fachwissen und Know-how, genauso die Beratung von Kunden im Laden. Entsprechend gern gesehen und gefördert werden Mitarbeiter, die mitdenken und ein Interesse daran haben, sich fortzubilden.

Offenheit für Quereinsteiger ist ebenfalls ein wichtiger Grund. Die Motivation für Bio ist für viele Arbeitgeber mindestens so wichtig wie die Examensnote. Auch die Karriere vieler Bio-Chefs verlief nicht immer geradlinig.

Teamgeist und eine gute Arbeitsatmosphäre werden großgeschrieben. Zusätzliche Angebote reichen vom Bio-Mittagstisch bis zur betrieblichen Weiterbildung. Flexible Arbeitszeiten, Home-Office- und Teilzeitarbeitsmodelle ermöglichen es in vielen Bio-Firmen, Arbeit und Familie miteinander zu verbinden. Zahlreiche Bio-Unternehmer sind dafür bei Wettbewerben schon ausgezeichnet worden. Die Hierarchien sind oft flacher als anderswo.

Die soziale Verantwortung, die viele Bio-Unternehmer zeigen, macht sich aber auch an anderer Stelle bemerkbar: Die Bio-Branche gehört gerade in ländlichen Räumen zu den wenigen Wirtschaftszweigen, die dem Arbeitsmarkt positive Impulse geben können.

 

Jobs, Ausbildung, Bücher

Wenzel, Eike; Kirig, Anja; Rauch, ChristianWenzel, Eike; Kirig, Anja; Rauch, Christian:
Greenomics – Wie der grüne Lifestyle Märkte und Konsumenten verändert.
Redline Wirtschaftsverlag, 2008, 232 Seiten, 19,90 Euro

 

 

Kosch, StephanKosch, Stephan (Hg.):
Zukunftsmarkt Klimaschutz – Wie wir die Welt retten und dabei Geld verdienen können.
Parthas Verlag, 2008, 212 Seiten, 19,80 Euro

 

 

 

 

Schäfer, MartinaSchäfer, Martina (Hg.):
Zukunftsfähiger Wohlstand – Der Beitrag der ökologischen Land- und Ernährungswirtschaft zu Lebensqualität und nachhaltiger Entwicklung.
Metropolis Verlag, 2007, 270 Seiten, 32,80 Euro

 

Stellen im Netz

www.biofoodproject.de
Infos zu „grünen Berufen“: Studiengänge, Ausbildung, Praktika

www.demeter.de
informiert über weltweite Praktikanten-, Ausbildungs- und Arbeitsplätze

www.forum-berufsbildung.de
Fernstudium zur Naturkostfrau, Umschulung zum/r Kaufmann/frau im Naturkost-Einzelhandel und weitere Angebote

www.greenjobs.de
Jobbörse für Umweltfachkräfte

www.naturland.de/jobs.html
Jobangebote von Naturland, dem Verband für ökologischen Landbau e. V.

www.soel.de/oekolandbau/ausbildung.html
seit fast fünf Jahrzehnten aktive Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL); engagiert sich für Weiterentwicklung des ökologischen Landbaus

www.vdoe.de/link-hochschulen.htm
Verband der Oecotrophologen e. V. (VDOE); berufspolitische Vertretung

www.ugb.de/stellenboerse
Verein für unabhängige Gesundheitsberatung (UGB); zeigt beispielsweise Wege zur Naturkost-Fachberaterin

www.umweltbildung.at
österreichisches Portal zur Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung

www.wwoof.de
World-wide opportunities on organic farms; ökologische Landwirtschaft und Leute kennenlernen

www.solaranlage.de/jobboerse
Die Jobbörse für umweltbewusste Naturfreunde

 

Stellen in Printmedien

Schrot&Korn
„Grüne Seiten“: jeden Monat Hinweise zu Seminaren, Ausbildungsgängen und Stellenanzeigen

Arbeitsmarkt Umweltschutz und Naturwissenschaften Broschüre vom Wissenschaftsladen Bonn e. V.,
www.wilabonn.de; wöchentlicher Überblick; Zusammenstellung aus mehr als 90 Printmedien und 25 Internet-Portalen; 4 Euro

 

Schulen/Hochschulen

Culumnatura
www.culumnatura.at Ausbildung zum Naturfriseur

Uni Kassel / Witzenhausen
www.uni-kassel.de/agrar Ökologische Agrarwissenschaften

Uni Hohenheim
www.uni-hohenheim.de Agarbiologie, Agrarwissenschaften, nachwachsende Rohstoffe und Bio-Energie

Justus-Liebig-Uni, Gießen
www.uni-giessen.de Agrarwissenschaften, Ökotrophologie und Umweltmanagement

Fachschule für Agrarwirtschaft, Landshut
www.oekoschule-landshut.bayern.de Fachrichtung ökologischer Landbau

Fachhochschule Münster
www.fh-muenster.de Energie, Gebäude, Umwelt; Ökotrophologie

Academia Balance, Bad Endbach
www.naturkosmetikschule.de Ausbildung zur Naturkosmetikerin

Ökoschule, Kleve
www.oekoschule.de Ökologischer Landbau und mehr mit all seinen Facetten

 

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