Zurechtgerückt
Antworten auf Halbwahrheiten über Öko-Landbau und Bio-Lebensmittel
- "Bio ist nicht gesünder"
- "Pestizide sind harmlos, Naturstoffe viel gefährlicher"
- "Biobauern spritzen hochgiftiges Kupfer"
- "Tödliche Erkrankungen durch Mist als Gemüsedünger"
- "Freilandhaltung von Hühnern ist Tierquälerei"
- "Bio braucht mehr Fläche und zerstört deshalb die Natur"
"Tödliche Erkrankungen durch Mist als Gemüsedünger"
„Naturdünger, also Mist, Kompost oder Gülle, kann riskante Keime transportieren. Da wird dann der Kopfsalat zur Gefahr. Die Salatpflanze kann beispielsweise über die Wurzeln aus dem Dünger Ehec-Bakterien aufnehmen. Die hat das Rind darin hinterlassen. Es gab sogar schon Todesfälle durch Ehec in rohem Blattgemüse.“ (Pollmer in Cicero 7/2008)
Es ist richtig, dass die Därme von Rindern und Kleinwiederkäuern (und auch die von Menschen) Erreger beherbergen, darunter auch Ehec-Bakterien. „Werden Wiederkäuer, die eigentlich Raufutterverzehrer sind (Gras, Heu), mit Getreide (Mais, Gerste) gefüttert, so verändern sich die Verdauungsprozesse und die physiologischen Bedingungen zugunsten von Ehec. Eine artgerechte Fütterung der Wiederkäuer senkt das Risiko“, schreibt dazu Urs Niggli vom FiBL.
Tatsächlich sind Ehec-Infektionen sehr selten. Das Jahrbuch der meldepflichtigen Infektionskrankheiten des Robert-Koch-Instituts verzeichnet für 2007 insgesamt 26 Ausbrüche mit 67 Erkrankten. Davon waren fünf Ausbrüche mit 17 Erkrankten lebensmittelbedingt. In zwei der fünf Fälle konnte Milch als Ursache festgestellt werden, die anderen drei blieben ungeklärt. Von allen aufgeführten 1.400 Ausbrüchen von Lebensmittelinfektionen (Salmonellen, Norovirus etc.) waren lediglich in vier Fällen Gemüse oder Gemüseprodukte die Ursache.
Urs Niggli erwähnt, dass die amerikanische Lebensmittelbehörde FDA seit 1995 18 Fälle von Ehec untersucht hat, davon betraf einer Spinat von einem ökologischen Produzenten. „Es konnte nachgewiesen werden, dass die Bakterien von einer gepferchten Rinderherde aus der Nachbarschaft per Wind verfrachtet wurden.“
Dass Gemüse so selten Salmonellen und andere Erreger überträgt, liegt daran, dass tierischer Dünger vor der Aussaat ausgebracht und in den Boden eingearbeitet wird. Eine Kopfdüngung, also Mist oder Gülle auf die wachsende Pflanze zu schütten, ist völlig unüblich.
Dass Salat Ehec-Erreger über die Wurzeln aufnehmen kann, haben amerikanische Wissenschaftler 2002 im Labor gezeigt, wo sie Salatpflanzen in stark mit Ehec kontaminierten Böden aufzogen und sie mit Ehec-verseuchtem Wasser gossen. Am Schluss ihrer Studie schrieben sie, dass nicht hinreichend erforscht sei, welchen Einfluss die Anbaupraxis auf den Höfen auf eine mögliche Belastung von Salaten mit Ehec habe. Im Klartext: Sie wissen nicht, ob ihr Laborversuch für die Wirklichkeit einer Gärtnerei überhaupt relevant ist.
Die Realität untersuchten Wissenschaftler der Uni Bonn. Sie verglichen die mikrobielle Belastung von Salat bei verschiedenen Düngerarten. Zwischen Mineraldünger und frischem Mist gab es keine nennenswerten Unterschiede.
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