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Antworten auf Halbwahrheiten über Öko-Landbau und Bio-Lebensmittel

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"Bio braucht mehr Fläche und zerstört deshalb die Natur"

 „Der Biolandbau hat einen gewaltigen Nachteil für die Natur. Da die Ernten geringer ausfallen, benötigt er mindestens ein Drittel mehr Fläche, um gleich viel zu produzieren. Angenommen, alle Bauern der Welt würden auf "Bio" umstellen, wäre dies das Ende der Wälder, der Steppen, der Feuchtgebiete und der dort lebenden Wildtiere – ein Desaster für die Natur. Die dann frei laufenden Nutztiere würden riesige Areale benötigen. Im Jahr 2007 lebten bereits über eine Milliarde Schweine auf der Welt. Freilaufend würden sie ungefähr die Fläche Australiens benötigen. Ihre Ausscheidungen würden in kurzer Zeit die Böden zu Sondermüll degradieren.“ (Miersch in Cicero, 2/2008)

Die positiven Auswirkungen des Ökolandbaus auf die Bodenfruchtbarkeit, auf die Vielfalt von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen, auf die Qualität des Grund- und Oberflächenwassers sowie auf mögliche Klimaveränderungen sind durch eine Unmenge von wissenschaftlichen Arbeiten belegt. Die wichtigsten Arbeiten hat das FiBL zusammengestellt.

Es ist richtig, dass der Ökolandbau in industrialisierten Ländern etwa 20 Prozent geringere Erträge je Flächeneinhit bringt als die konventionelle Landwirtschaft. Den Kleinbauern in Afrika, Asien oder Südamerika bringt eine Umstellung ihrer bisherigen traditionellen Erzeugung auf Ökolandbau deutliche Ertragssteigerungen. Wissenschaftler der Universität von Essex haben mit Kollegen aus aller Welt die Daten von insgesamt 286 Projekten mit nachhaltiger Landwirtschaft aus 57 Ländern analysiert. Nicht alle davon entsprachen den strengen Öko-Standards. Das Ergebnis war überraschend: Im Schnitt ernteten die Bauern nach der Umstellung 79 Prozent mehr. Ivette Perfecto und Catherine Badgley, Professorinnen an der Universität von Michigan, haben die Daten von fast 300 Vergleichen zwischen Öko- bzw. nachhaltigem Landbau mit konventioneller Produktion ausgewertet und hochgerechnet. Ihre Zahlen zeigen, dass sich mit 100 Prozent Ökoanbau weltweit mindestens so viel Nahrung produzieren lässt wie derzeit. Vermutlich ist es sogar deutlich mehr, schätzen die beiden Wissenschaftlerinnen. „Der Öko-Landbau kann zur Ernährungssicherheit beitragen, er kann den Klimawandel abmildern und die Wasserversorgung verbessern“, heißt es in einem Tagungsbericht der Welternährungsorganisation FAO von 2007.

Die industrialisierte Landwirtschaft mit ihrem hohen Bedarf an Kunstdünger und synthetischen Spritzmitteln hat nach Expertenansicht dagegen keine Zukunft. Der Weltagrarrat, ein Expertengremium der UNO, ähnlich dem Weltklimarat IPCC, hat im Frühjahr 2008 einen ausführlichen Bericht vorgelegt. Darin kommen die 400 Fachleute zu dem Schluss, die moderne Landwirtschaft habe einen „signifikanten Anstieg“ in der Nahrungsmittelproduktion mit sich gebracht. „Aber die Vorteile sind ungleich verteilt und haben einen zunehmend unannehmbaren Preis, den Kleinbauern, Arbeiter, ländliche Gegenden und die Umwelt bezahlen müssen.“ Die Experten fordern den Wechsel von einer nur auf Produktivität fixierten Sichtweise hin zu einer ganzheitlichen Betrachtung der Landwirtschaft mit ihren vielfältigen Funktionen und Leistungen. Im Mittelpunkt sollten dabei die Bedürfnisse der Kleinbauern in den verschiedenen Ökosystemen stehen. Für deren wirtschaftliche und soziale Entwicklung müssten realistische Wege gefunden werden. Ein solcher Weg ist der Öko-Landbau.

Zum Thema „Platz für Auslauf“

Die EU-Öko-Verordnung sieht pro Mastschwein einen Quadratmeter Auslauf vor. Das wäre bei einer Milliarde Tiere ein Platzbedarf von 1000 Quadratkilometern. Das entspräche einem kleinen deutschen Landkreis.

Vermutlich hat Miersch da etwas verwechselt. Eventuell meint er die im Öko-Landbau vorgeschriebene Flächenbindung. Die schreibt vor, dass ein Bauer nur so viele Tiere halten darf, dass seine Flächen ausreichen, die Tiere zu ernähren und ihren Dünger zu verwerten, ohne dass es zur Überdüngung kommt. Die EU-Öko-Verordnung erlaubt deshalb 14 Mastschweine je Hektar (10.000 m2), die Anbauverbände sogar nur 10. Für eine Milliarde Bio-Verbandsschweine wären daher eine Million Quadratkilometer notwendig. Das ist zwar nur ein Siebtel der Fläche Australiens, aber dennoch viel Platz. Doch diesen Platz brauchen auch konventionelle Schweinezüchter für ihre Futtermittel. Nur liegen die Soja-Felder dann in Argentinien oder den USA, während die Schweinegülle vor Ort anfällt und mangels Flächen die Böden überdüngt.

Zum Thema Stickstoffbedarf

In diesem Zusammenhang behaupten Miersch & Co auch, dass es gar nicht genug tierischen Dünger gäbe, um auf Kunstdünger verzichten zu können. Statt derzeit 1,3 Milliarden Rinder seien fünf Milliarden notwendig, um den für den Biogetreideanbau notwendigen Stickstoff zu erzeugen.

Das ist falsch, denn ein Großteil des Stickstoffs kommt über den Anbau von Leguminosen als Zwischenfrucht in den Bio-Acker. Leguminosen sind Pflanzen, die der Luft Stickstoff entziehen und ihn im Boden pflanzenverfügbar ablagern. Dazu zählen zum Beispiel Bohnen, Erbsen, Lupinen und Klee. Wie gut dies funktioniert, zeigen zahlreiche Bio-Getreidebauern, die ohne eigene Viehherde auskommen.

Weitere Infos:

Urs Niggli, Direktor des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL), hat einige Argumente von Michael Miersch ausführlich und mit jeder Menge Fachliteratur widerlegt. Dieser Aufsatz findet sich hier.

Grundlegende Fragen zum Thema Öko-Landbau und Bio-Lebensmittel beantwortet eine Broschüre des BÖLW (Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft).

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