Zurechtgerückt
Antworten auf Halbwahrheiten über Öko-Landbau und Bio-Lebensmittel
- "Bio ist nicht gesünder"
- "Pestizide sind harmlos, Naturstoffe viel gefährlicher"
- "Biobauern spritzen hochgiftiges Kupfer"
- "Tödliche Erkrankungen durch Mist als Gemüsedünger"
- "Freilandhaltung von Hühnern ist Tierquälerei"
- "Bio braucht mehr Fläche und zerstört deshalb die Natur"
"Biobauern spritzen hochgiftiges Kupfer"
„Beim Obst- oder Gemüsebau wird mehr gespritzt als auf konventionellen Flächen und noch dazu mit schädlicheren Chemikalien. ... Bioäpfel werden zwölf- bis achtzehnmal mit Kupfer und Schwefel gespritzt. ... Kupfer ist ein Schwermetall, das wir nie wieder aus den Böden kriegen. Es schädigt massiv das Bodenleben, insbesondere die Regenwürmer … Dann darf der Landwirt sein Erdreich austauschen und als Sondermüll entsorgen.“ (Udo Pollmer auf www.cicero.de)
Das Schwermetall Kupfer ist (anders als Quecksilber oder Cadmium) ein essentielles Spurenelement und wirkt erst in höheren Dosierungen giftig. Es ist neben Schwefel das einzige Mittel, das Ökobauern gegen Pilzerkrankungen wie Mehltau einsetzen dürfen. Auch konventionelle Bauern verwenden es immer noch, wenn synthetische Fungizide versagen oder um Resistenzen bei Schädlingen vorzubeugen. Nach Angaben des Umweltbundesamtes verbraucht der Ökolandbau in Deutschland 20 Tonnen Kupfer im Jahr, die konventionelle Landwirtschaft 300 Tonnen. Eingesetzt wird Kupfer insbesondere beim Anbau von Hopfen, Weintrauben, Kartoffeln und Obst.
Aus der konventionellen Landwirtschaft, wo Kupfer früher in Mengen von 35 bis 40 Kilogramm je Hektar (kg/ha) eingesetzt wurde, ist bekannt, dass sich das Schwermetall im Boden anreichern und sich dort negativ auf das Bodenleben, insbesondere auf Regenwürmer, auswirken kann. Deshalb ist der Kupfereinsatz für Ökobauern streng limitiert.
Obstbauern (auch ökologische) dürfen Kupfer generell nur vor der Blüte einsetzen. Je nach Blütezeit und Wetter sind das zwei oder drei, selten mehr Spritzungen. Biobauern dürfen laut EU-Öko-Verordnung insgesamt pro Jahr maximal 6 kg/ha Kupfer ausbringen. Die deutschen Anbauverbände haben diese Menge auf 3 kg/ha (Hopfen 4 kg/ha) halbiert. Dadurch ist sichergestellt, dass es nicht zu einer kurzfristigen Anreicherung im Boden kommt. Bei Demeter ist der Kupfereinsatz beim Kartoffelanbau ganz verboten.
Zur Abschätzung: Natürliche Böden enthalten zwischen 2 und 40 mg/kg Kupfer, im Schnitt also etwa 20 mg/kg. Der oberste Meter Boden enthält auf einem Hektar Fläche im Schnitt rund 280 kg Kupfer (Bodengewicht 1400 kg/m3). Davon wird ein kleiner Teil über das Erntegut ausgetragen. Ziel des Ökolandbaus ist es, nicht mehr Kupfer einzusetzen als von den Pflanzen verbraucht wird, um das Gleichgewicht zu wahren. Aus diesem Grund arbeiten Institute und Praktiker seit Jahren daran, den Kupfereinsatz zu verringern oder ganz unnötig zu machen. Zu den größten Erfolgen zählt die Zucht pilzresistenter Rebsorten wie „Regent“. Hilfreich sind aber auch einfache Maßnahmen wie das Vorkeimen von Kartoffeln, die dadurch schneller wachsen und weniger stark von der Krautfäule betroffen werden.
Zum Weiterlesen:
- Die wichtigsten Infos zum Thema Kupfer im Ökolandbau enthält dieser Reader.
- Einen Überblick über die aktuelle Forschung bekommt, wer in die Datenbank Orgprints das Suchwort Kupfer eingibt.
- Das aktuelle Fachgespräch: „Bedeutung von Kupfer für den Pflanzenschutz, insbesondere für den Ökologischen Landbau – Reduktions- und Ersatzstrategien“, Januar 2008
- Die Datensammlung Umweltbundesamt 2005: Einträge von Kupfer, Zink und Blei in Gewässer und Böden zeigt unter anderem, dass der wichtigste Eintragspfad für Kupfer in Böden das Düngen mit Mist und Gülle ist. Grund dafür sind die in der konventionellen Tiermast üblichen kupferreichen Futtermittel.
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