Zurechtgerückt

Antworten auf Halbwahrheiten über Öko-Landbau und Bio-Lebensmittel

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"Pestizide sind harmlos, Naturstoffe viel gefährlicher"

 „Nach Ansicht führender Toxikologen sind die minimalen Pestizidmengen, die Endverbraucher aufnehmen, ungefährlich.“ (Miersch in Cicero 7/2008)

„Eine einzige Tasse Kaffee enthält mehr krebserregende Stoffe als alle Pestizidrückstände auf allen Lebensmitteln, die ein Verbraucher übers Jahr zu sich nimmt.“ (Miersch, in Novo, März 2005)

Der erste Satz gibt die amtliche Ansicht wieder: Für Pestizide gibt es gesetzlich festgelegte Höchstmengen. Was darunter liegt, gilt als harmlos und gelegentliche Überschreitungen stellten keine akute Gefahr dar. Exemplarisch für diese Sicht der Dinge ist die Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung.

Gegen diese Position spricht einiges:

  • Die Grundlage der Grenzwerte sind vor allem Tierversuche, die nur bedingt auf den Menschen übertragbar sind.
  • Von den weltweit über 1350 Pestizidwirkstoffen können gute Labore höchstens die Hälfte nachweisen und davon auch nur diejenigen, die löslich sind. Fest in das Pflanzengewebe eingebaute Rückstände lassen sich nicht messen. Wirken können sie trotzdem.
  • Die Wechselwirkungen der Gifte untereinander und deren Abbauprodukte sind bislang kaum untersucht. Wenig erforscht ist auch die Langzeitwirkung ständig aufgenommener kleiner Pestizidmengen. Bedenklich ist dies vor allem bei Pestiziden, die auch hormonell wirken.
  • In epidemiologischen Studien zeigen sich sehr wohl Wirkungen von Pestizidanwendungen wie ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebserkrankungen, Parkinson oder eine verzögerte Entwicklung bei Kindern. Das bestätigt auch eine Auswertung von 124 Studien durch kanadische Wissenschaftler.

Aus diesem Grund will die Europäische Unio die Zulassungsregeln für Pestizide verschärfen und krebserregende oder erbgutschädigende Wirkstoffe verbieten.

Der zweite Satz stammt von dem bekannten US-amerikanischen Biochemiker Bruce Ames. Dieser vertritt seit über 20 Jahren die These, dass viele natürliche Substanzen (die wir in großen Mengen zu uns nehmen) gefährlicher seien als synthetische Chemikalien. Seine Schlussfolgerung daraus ist, dass die Gesundheitsrisiken durch Pestizide etc. vernachlässigbar sind. Auch wenn Bruce Ames ein anerkannter Forscher (Erfinder des Ames-Tests für Mutagenität) ist, ändert dies nichts daran, dass diese These zumindest umstritten ist.

Konkret zum Kaffee-Beispiel: Die Kaffeesäure hat sich laut Ames beim Verfüttern an Ratten und Mäuse in großen Mengen als krebserregend erwiesen. Eine Tasse enthält davon 10 Milligramm. Die Menge vergleicht er mit den durchschnittlichen Rückstandsgehalten einiger krebserregender Pestizide in Lebensmitteln. Die liegen aufaddiert aufs Jahr unter 10 Milligramm.

Doch dieser Vergleich führt in die Irre.

Man kann natürliche Abwehrmechanismen pflanzlicher Nahrungsmittel wie Bitterstoffe in der Schale oder Schwefelverbindungen im Broccoli nicht mit hochgiftigen synthetischen Pestiziden vergleichen. Ein winziger Schluck synthetisches Pestizid ist oft schon tödlich, eine ganze Kiste voll pflanzlicher Nahrungsmittel nicht.

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