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Geflügelhaltung

Da kräht der Hahn danach

450 Quadratzentimeter hat ein Käfighuhn zum Leben. Das ist weniger als eine Seite dieser Schrot&Korn. Bio-Hühnern geht es um vieles besser. // Manfred Loosen

„Kikerikiiii!“ Der große, hell gefiederte Gockel im Wintergarten des Bio-Stalls kräht, was das Zeug hält. Sowohl der Hahn als auch der Wintergarten zeugen von artgerechter Haltung. 77,5 Prozent aller Hennen in Deutschland sehen nie einen Hahn und niemals Tageslicht im überdachten Frischluftauslauf, genannt Wintergarten. Sie stehen ihr Leben lang auf grobmaschigen Gittern. Es fehlen ihnen viele Federn, oft sind die kahlen Hautstellen gerötet oder sogar entzündet. Gedrängte Enge, gestutzte Schnäbel, das ist die Realität für etwa 32 Millionen Legehennen in Deutschland.

Auch professionelle Bio-Geflügelhaltung muss natürlich rentabel sein. Eine kleine, im Bauerngarten idyllisch scharrende Hühnerschar ist das nicht. Will ein Bauer von der Eier-Produktion leben, muss er mindestens 3.000 Hühner halten. Allerdings haben Bio-Hennen annähernd vier Mal mehr Platz als ihre Käfig-Schwestern, und sie dürfen sich in Stall und Auslauf frei bewegen, statt eingesperrt zu sein. Bio-Hühner haben Tageslicht im Stall, sie dürfen im Sand baden, können auf Stangen sitzen und sowohl einen überdachten Auslauf als auch einen Grünauslauf nutzen.

In konventionellen Fertiggerichten werden meist Eier von Käfighühnern verarbeitet. Wer Tierquälerei ausschließen will, greift besser zu Produkten aus der Bio-Herstellung. Hier kommen nur Öko-Eier zum Einsatz. Aus welcher Haltungsform einEi stammt, lässt sich an der ersten Ziffer des Eierstempels ablesen: „0“ steht für Öko-Landbau, „1“ für Freilandhaltung, „2“ für Boden- und „3“ für Käfighaltung.

Hoffnung für Hähne

Jede Bio-Henne legt 12 bis 15 Monate lang sechs Eier pro Woche. Die braucht der Bauer, damit es sich für ihn lohnt. Danach enden sie als Suppenhühner. Die Ställe werden gründlich gereinigt, und die Junghennen kommen. Sie sind 18 Wochen alt. In den Brütereien schlüpfen ebenso viele männliche wie weibliche

Küken. Die Männchen werden direkt nach dem Schlüpfen getötet – Eier legen sie nun mal nicht, auch für die Mast kommen sie nicht in Frage, denn dafür gibt es Rassen, die mehr Fleisch ansetzen. Nun züchtet die Bio-Branche eine Hühnerrasse, die sowohl viele Eier legt, also auch gut Fleisch ansetzt. Die Weibchen könnten dann als Legehennen, die Männchen Masthühner eingesetzt werden. Dieses „Zweinutzungshuhn“ wird zwar weniger Eier legen als reine Legehennenrassen und nicht ganz so viel Fleisch ansetzen wie reine Masthühner, aber die männchen Küken müssten nicht getötet werden. Masthühner gibt es in Deutschland noch viel mehr als Legehennen: 425 Millionen schlüpfen jedes Jahr. In konventionellen Betrieben sind bis zu 50.000 Tiere und mehr in einem Stall zusammengepfercht und werden nach etwas mehr als nur einem Monat geschlachtet. Bio-Bauern mästen robustere, langsamer wachsende Rassen, die sich auch für die Freilandhaltung eignen. Diese dürfen etwa drei Mal länger leben. Und artgerecht. Das heißt: Höchstens 4.800 Tiere sind in einem Stall untergebracht, sie verfügen über Scharrflächen, Sitzstangen und einen Grünauslauf.

Aufgeregt, mit gespreizten Flügeln und vorgereckten Hälsen kommen zwanzig, dreißig Puten auf die Stalltür zugestürmt. Das Gekoller klingt wie „Stroh! Wir kriegen Stroh!“ Zwei Mitarbeiter von RoBert’s Bio-Geflügel fahren alle zwei bis drei Tage mit einer Karre durch den Stall und verteilen mit der Heugabel frisches Stroh. Man könnte auch mit einem Trecker durchfahren und das Stroh maschinell in den Stall werfen. „Aber das wäre für die Tiere ein viel zu großer Stress“, sagt Roswitha Franzsander von RoBert‘s, „Puten sind sensibel.“ Ihr ist es wichtig, dass die Tiere viel Ruhe haben. Konventionelle Mäster geben ihren Puten zudem vorbeugend Antibiotika. Das ist in der Bio-Haltung verboten. Öko-Bauern setzen deshalb auf widerstandsfähige, langsam wachsende Rassen. Puten sind nervöse Tiere, die viel Platz und Beschäftigung brauchen. In Bio-Ställen bekommen sie beides: Schlechtwetter- und Grünausläufe, Sand- und Staubbäder sowie die Möglichkeit, sich auf erhöhte Plätze – Sitzstangen oder große Strohballen – zu setzen. Konventionelle Puten brauchen das erst gar nicht: Sie sind zu groß und schwer, so dass sie kaum laufen, geschweige denn zu Sitzstangen auffliegen können.

  • Je frischer ein Ei, desto stärker zeigt sich die Wölbung des Eigelbs. Ältere Eier haben flachere Dotter.
  • Damit männliche Küken nicht mehr umgebracht werden, versucht die Bio-Branche ein Huhn zu züchten, das sowohl Eier legt als auch Fleisch ansetzt.
  • Bio-Puten brauchen Platz – ganz im Gegensatz zu konventionellen. Diese sind nämlich so groß und schwer, dass sie sich kaum bewegen können.
  • Im Bio-Hühnerstall gehören Tageslicht, Stangen und Scharrplätze zum Standard.
  • Die frischen Eier werden gestempelt, auf Schäden an der Schale untersucht und in Kartons gepackt.

Infos zur Vogelgrippe

Informationen rund um die Vogelgrippe liefern die Beiträge „Geflügelhalter in der Krise: Grippe im Anflug“ sowie „Tiere auch jetzt artgerecht halten“.

Kommentare

Kommentar­bild via Gravatar
DUi
Sehr interessant! Hat mich schon immer interessiert , ob auch in der Biohaltung die männlichen Küken aussortiert und getötet werden!

szmtag