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Offener Brief an die Ministerin An Bundesministerin 12. April 2007 Sehr geehrte Frau von der Leyen, Ihren jüngsten familienpolitischen Vorstoß finde ich sehr begrüßenswert. Meiner Meinung nach bedarf er noch einer entscheidenden Ergänzung: bitte sorgen Sie dafür, dass endlich auch der Schritt gedacht und gemacht wird, die innerfamiliäre Erziehungsarbeit als Berufstätigkeit anzuerkennen und gut zu bezahlen! Mir ist folgendes unerklärlich:
Wenn ich auch noch alleinerziehend bin, werde ich zum „Sozialfall“ und bewege mich, ausgestattet mit dem unteren Existenzminimum am Rande der Gesellschaft, oft mit den daraus resultierenden bekannten Konsequenzen. Innerfamiliäre Erziehungsarbeit ist ein „fulltime-job“, nein! mehr als das: ist Zukunftsarbeit, Gesellschaftsarbeit und muss unbedingt als diese anerkannt, gewürdigt und gut bezahlt werden. Es ist unhaltbar, dass „Familien-Frauen“ finanziell vom Mann oder vom „Amt“ abhängig sind. Ebenso unhaltbar ist, dass sie zwar die Rentenzahler der Zukunft erziehen, selbst aber keine Rente haben werden. Unbezahlte Familienarbeit ist ein Relikt aus Zeiten des patriarchalen Familienmodells, als die Gehälter der Männer so bemessen waren, dass sie für den Unterhalt der ganzen Familie ausreichten. Diese Zeiten sind lange vorbei.
während Single-Frauen oft Kinder an ihrer Seite haben und trotzdem - oder gerade deshalb - den Realbedarf nicht erwirtschaften können. Sechzig Jahre Materialismus und Konsumismus haben aus einem Staat, der die Anlage zum Sozialstaat vielleicht wirklich hatte, ein marodes Gebilde gemacht, in dem immer noch mit überalterten Strukturen gewurschtelt wird. Ich bitte Sie auch bei folgendem um Ihre Einflussnahme: Mir ist wichtig, dass - und das geht jetzt wohl ebenfalls Ihre Kollegin Frau Schavan an - die Ausbildungen von allen mit Erziehung betrauten Menschen (HortnerInnen, ErzieherInnen, KinderbetreuerInnen … etc.) qualitativ unbedingt verbessert werden! Damit in den „Erziehungsstätten“ gute Arbeit geleistet wird und nicht nur Aufbewahrung stattfindet. (Ich selbst bin Pädagogin und Sozialtherapeutin und weiß von ziemlich vielen ziemlich erschreckenden Einrichtungen.) Weiterhin wichtig finde ich, dass schon in den Schulen begonnen wird, auf Familienarbeit, Beziehungsarbeit etc. vorzubereiten. Das sind Lernfelder, die im Ausbildungskanon nicht vorkommen, die aber angesichts des fortschreitenden Verfalls von sozialem Wissen und Bewusstsein dringend notwendig sind! Die jüngsten alarmierenden Beispiele von völlig überforderten jungen Müttern und Vätern sprechen dafür. Ich bitte Sie, Frau von der Leyen, tragen Sie Sorge dafür, dass die familienpolitischen Entwicklungen nicht zur Verstaatlichung von Erziehungsarbeit führen, sondern dass das Ideal ebenso des mündigen wie geachteten und gewürdigten Menschen und das Freiheitsmoment, das dafür auch wesentlich ist, genauso wie der Anspruch, gute und motivierte Arbeit zu tun, nicht aus dem Blickfeld verloren gehen. Ich bedanke mich für Ihre bisherige Arbeit und hoffe, Sie mit diesen Zeilen zu erreichen!! Herzliche Grüße von Ulrike Schaper Diskutieren im Internet Würden Sie einen Job ohne feste Arbeitszeiten, Urlaub oder Feier-abendregelung annehmen, für den es zudem kein vernünftiges Gehalt gibt? Viele haben genau diesen Job: Mutter, Vater oder ganz modern: Familienmanager/in. Nach dem Brainstorming zu unserem Beitrag„Familienmanagement leicht gemacht“ war klar: Zu diesem Thema soll es ein Internetforum geben, zum Diskutieren und zum Austauschen von Erfahrungen. Unter www.schrotundkorn.de/forum können Sie mitmachen. Senait Mehari 3/2007
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