Wer verzichtet, gewinnt? (Schrot&Korn 12/2011)

201114Nov

Liebe Leserin, lieber Leser,

Schrot&Korn 12/2011

ba-2011wer verzichtet, gewinnt, soll Laotse seinerzeit gesagt haben. Wenn dem so ist, sollte uns ein Zeitalter der Postwachstumsökonomie nicht Bange machen. Den Begriff hat Professor Niko Paech geprägt. Im Interview erklärt der Ökonom, warum Wirtschaftswachstum in Zeiten von Ressourcenverknappung nicht mehr funktioniert und er für einen ­weniger konsum- und mobilitätsorientierten Lebensstil plädiert.

Weniger verbrauchen, das klingt erst einmal nach verzichten und damit für viele wenig attraktiv. Doch Verzicht kann wirklich Gewinn bedeuten: Ich konnte mir zum Beispiel lange Zeit nicht vorstellen, mit der Bahn statt mit dem Auto zu fahren. Losfahren, wann ich wollte, ohne Zeitdruck – diese Unabhängigkeit war mir einfach wichtig. CO2-Bilanz hin oder her. Heute, nach einem Jahr Bahnfahren, sehe ich – trotz mancher Verspätung – viele Vorteile: keine Staus, keine aggressiven Autofahrer. Dafür Zeit zum Lesen oder Abschalten.

Wer verzichtet, gewinnt? Was meinen Sie? Schreiben Sie mir, gerne auch unter www.schrotundkorn.de/editorial. Hier können Sie sich auch mit anderen Leserinnen und Lesern austauschen.

Ich wünsche Ihnen eine frohe und besinnliche Weihnachtszeit.

Ihre

Barbara Gruber

Mitmachen und gewinnen!

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(rsk)

3 Kommentare zu „Wer verzichtet, gewinnt? (Schrot&Korn 12/2011)“

  1. Sehr geehrte Frau Gruber,
    ich habe mit Begeisterung den Artikel von Dr. Pech gelesen, der mir aus der Seele spricht.
    Vor drei Jahren habe ich mich mit meinem Schneideratelier „Masz statt Masse“ selbständig gemacht.
    Schon in meinem Firmennamen wird die Philosophie erkennbar. Es geht mir nicht in erster Linie darum, die Masse der Menschen, sondern ein Umdenken zu erreichen.
    Natürlich ist die „regional“ erstellte Kleidung wesentlich teuer, als im Warenhaus und trotzdem gibt mir mein Erfolg recht.
    Schließlich will ich nicht die Kunden ansprechen, die stapelweise Hosen für jeweils 10.-€ im Kleiderschrank haben, die sie allesamt nicht anziehen können, weil ihnen das Geld für die Änderung nicht lohnend erscheint. Sie sind sich nicht bewusst, dass die Rohstoff ihrer Kleidungsstücke oftmals schon einmal um den gesamten Erdball transportiert wurden, bevor sie sie gekauft haben.
    Mein schönstes Erlebnis war die Begegnung mit einer Kundin, die vor zwei Jahren auf meine Gehröcke aufmerksam wurde. Sie hätte gerne einen bestellt, allerdings hatte sie ein Jahr zuvor einen Maßmantel bestellt und bezahlt, der schlussendlich weder gefiel noch passte. Nach einem verlorenen Prozess gegen diesen Designer, bat sie mich diesen Mantel zu ändern.
    Das versuchte ich ihr auszureden. Schließlich hatte sie schon so viel Ärger mit diesem Mantel gehabt, dass ich befürchtete, dass sich das nicht wieder „ausbügeln“ lassen würde.
    Schlussendlich hatte ich doch eine gute Idee, wie ich dem Mantel einen komplett neuen Charakter geben konnte.
    Ich setzte dem zu kleinen Mantel seitlich einen Streifen Stoff ein, arbeitet einen voluminösen Kragen und bezog die Knöpfe und Pattentaschen mit dem gleichen Soff. Das Kunstwerk war vollbracht.
    Schlussendlich hatte ich nicht nur die Kundin glücklich gemacht, sondern offensichtlich auch ihren Freund, der mich zwei Tage später anrief.
    Er bestellte nun den Gehrock aus meiner Kollektion als Weihnachtsgeschenk.
    Das hat mich darin bestätigt, dass es eben nicht nur um Service dem Kunden gegenüber geht, sondern auch, von der Wegwerfgesellschaft weg zu kommen und den Dingen die uns umgeben eine angemessene Wertschätzung entgegen zu bringen.
    Im Übrigen habe ich auch mit den von Dr. Paech erwähnten Tauschgeschäften gute Erfahrungen gemacht. Ob ich mir nun meine Änderungen mit selbst angebauten Kürbissen bezahlen lasse, mir ein altes Sofa vom Sperrmüll neu beziehen lasse im Tausch gegen einen Gehrock oder mein privates Fitnesstraining mit maßgeschneiderten Hosen. Es ist wunderbar, dass alle Dinge anfangen ihre Geschichten zu erzählen und ich zu ihnen einen besonderen Bezug habe.
    Auf meiner Dachterrasse habe ich im letzten Jahr nicht nur eine Vielzahl verschiedenster Kräuter angebaut und mich über die herrlichen Borretschblüten auf dem Salat gefreut, sondern auch das Gemüsewaschwasser sinnvoll für das wässern meiner Tomaten und Salate eingesetzt.
    Viele Menschen beginnen umzudenken, das merke ich auch in meinen Nähkursen, in denen sich Journalistinnen, Architektinnen, Friseure und Tierheilpraktiker einfinden. Es ist lange kein Verzicht mehr, sich den großen Konsumtempeln zu entziehen und selber kreativ zu sein.
    Es ist eine neue Lebensphilosophie, die einem neben einer neuen Produktivität und praktischen Fähigkeiten auch den Kontakt zu Menschen ermöglich, die ähnlich denken wie man selbst. Und das ist immer ein Gewinn, der sich in Zahlen nicht ausdrücken lässt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ulrike Gärtl
    http://www.masz-statt-masse.de

  2. Ulrike Kern sagt:

    ja, mir gefiel der Artikel von Niko Paech auch sehr gut.
    Ich verzichte seit drei Jahren auf das Autofahren, bin jetzt 59 und fuhr seit meinem 21igsten Lebensjahr.

    Ich mache alle Wege mit dem Fahrrad oder zu Fuß, mal mit dem Bus.
    Den Fernseher habe ich schon vor mehr als 20 Jahren abgeschafft, dafür lese ich sehr viel.

    Ein bischen Obst und Gemüse hole ich aus dem Garten und seit etwa 5 Jahren beziehe ich meinen Strom von Lichtblick.

    Aufgrund eines relativ geringen Einkommens bin ich gezwungen zu verzichten, wenn ich dann manchmal etwas mehr Geld habe, durch eine Honorartätigkeit z.b., weiß ich erst garnicht, wofür ich das Geld ausgeben soll. Dann stelle ich fest, dass ich eigentlich vieles nicht benötige.

    Gern hätte ich eine kleine Hütte mit Garten, wo es ruhig ist. und manchmal überlege ich, worauf ich noch verzichten könnte. Leider fällt mir im Moment nichts ein.

    Alles Gute für alle, die sich hier beteiligen und einen frohen Verzicht.

    Ulrike

  3. Elena sagt:

    liebes Schrot & Korn-Team,

    eine interessante Frage, die ich mir in letzter Zeit auch zu einigen Dingen stelle, die fest in meinen Alltag integriert sind und die ich als selbstverständlich und nötig empfinde.

    Erster Selbstversuch zum Verzicht ist meine Entscheidung, ab Dezember versuchsweise ohne Handy zu leben.

    Auch von Unterwegs mit einem Telefonat schnell noch was abzuklären oder einfach eben eine nette sms an eine Freundin zu schicken sind definitiv Dinge, die so normal für mich sind, dass ich kaum darüber nachdenke. Ich bin deshalb sehr gespannt, wie der Versuch sich auf diese kleinen alltäglichen Situationen auswirken wird. Werde ich diese Freiheit vermissen, oder werde ich feststellen, dass die vermeintliche Freiheit in Wirklichkeit doch eine Abhängigkeit war, und dieser Verzicht somit wirklich ein Gewinn?

    Das in der aktuellen Schrot & Korn mit Niko Paech geführte Interview finde ich sehr interessant. “Energiewende – das Handbuch” von Rob Hopkins ist meine derzeitige Lektüre, die genau die Grundsätze und Ideen behandelt, die auch Niko Paech anspricht.

    Rob Hopkins ist Gründer der “Transition-Bewegung”, die ihren Ursprung in den Prinzipien der Permakultur hat. Ein Seminar zur Permakultur habe ich übrigens dieses Jahr im Ökodorf 7Linden besucht, über das ihr im Zusammenhang mit dem Thema “Energiewende” ja ebenfalls berichtet habt.

    Witzig, dass sich in der aktuellen Ausgabe der Schrot-und-Korn für mich damit viele Kreise schließen! Und schön, dass diese Themen wohl wirklich den aktuellen Zeitgeist treffen. Das macht Mut!

    Vielleicht wird ja auch das Weihnachtsfest mit ein wenig mehr Verzicht wieder viel gewinnen? Ich wünsche euch allen jedenfalls eine schöne Adventszeit und ein ruhiges, erholsames Fest!

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