Wieder PCB in Eiern gefunden

201213Apr

Nachdem bekannt wurde, dass Eier eines EU-Bio-Betriebes im nordrhein-westfälischen Stemwede (Landkreis Ostwestfalen-Lippe) erhöhte Gehalte des dioxinähnlichen Stoffes PCB (Polychlorierte Biphenyle) aufwiesen, sind durch das zuständige Ministerium zwei weitere Höfe im Kreis Duisburg gemeldet worden, deren Eier die Dioxin-Grenzwerte überschritten. Bei den Kleinbetrieben handelt es sich um den „AWO Ingenhammshof“, der seine Eier ungestempelt direkt vermarktet, und einen Bio-Betrieb, der seine Öko-Eier mit der Stempelnummer 0-DE-0521991 ab Hof und auf Marktständen regional vermarktet. Beide Höfe wurden nach den Dioxin-Funden, die durch amtliche Routine-Kontrollen aufgefallen waren, gesperrt.

Neben den Höfen in Nordrhein-Westfalen wurden am 12. April durch das Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung zwei konventionelle Legehennenbetriebe gesperrt, in deren Eiern erhöhte PCB-Werte aufgefallen waren. Ausgelieferte Eier beider niedersächsischer Betriebe wurden zurückgerufen. Betroffen sind Eier mit dem Stempelnummern: 1-DE-0354451, 1-DE-0354452, 1-DE-0354453, 1-DE-0352691.

Neben natürlichen Quellen entstehen hohe Dioxinbelastungen des Bodens vor allem durch industrielle Produktionsprozesse. Obwohl viele Belastungen aus der Vergangenheit stammen und Einträge reduziert werden konnten, gibt es auch noch akut Eintragspfade. Das Problem des Dioxineintrages in unsere Umwelt ist Behörden und Politik seit langem bekannt. Von den Verunreinigungen sind in der Tierhaltung alle Landwirte betroffen, die ihren Tieren einen artgerechten Auslauf auf die Weide ermöglichen. Auf Bio-Betrieben gehaltene Tiere müssen aus Tierschutzgründen Auslauf ins Freie haben. Der Ökologische Landbau zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er nicht jene Stoffe in die Umwelt bringt, die später zur Belastung für Natur, Mensch und Tier werden.

Die Verbände und Betriebsleiter sind sich der Problematik einer möglichen Belastung des Bodens mit Dioxin oder dioxinähnlichen Stoffen bewusst und reagieren in begründeten Einzelfällen bei Gefahr von Altlasten darauf mit vorsorglichen Probenahmen und einem entsprechenden Auslauf- und Weidemanagement. Grundsätzlich ist es jedoch notwendig, den Eintrag von Dioxinen weiter zu reduzieren und Strategien für die Tierhaltung zu entwickeln, mit Umweltbelastungen bei der Freilandhaltung umzugehen.

In den aktuellen Fällen muss schnellstmöglich geklärt werden, wie die Rückstände in die Eier gelangen konnten. Neben dem Eintrag über den Auslauf können Dioxine und dioxinähnliche Stoffe z.B. auch über belastetes Futter oder über falsch betriebene oder defekte Heizungsanlagen im Stall in die Eier gelangen. Bei Untersuchungen des verwendeten Futters des EU-Bio-Betriebs in Ostwestfalen-Lippe sind laut Behördenangaben keine Verunreinigungen gefunden worden. Auch die Analyse von Rückstellproben älteren Futters seit Januar 2012 wies keinerlei Rückstände auf. So kann nach derzeitigem Stand des Wissens ein Eintrag über Futtermittel ausgeschlossen werden. Auch das Futter der Duisburger Kleinbetriebe wies keine Belastungen mit Dioxin oder dioxinähnlichen PCBs auf. Auch das Tränkewasser konnte als Quelle der Kontamination in allen drei Fällen ausgeschlossen werden. Derzeit werden Bodenproben der Höfe untersucht, mit deren Ergebnissen ab dem 16. April gerechnet wird.

Wir kritisieren die mangelnde Kooperationsbereitschaft des Stemweder Hofes, dessen Inhaber nicht erreichbar ist und laut Angaben des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW keinen Einblick in die Betriebsunterlagen gewährt, denn sie erschwert eine schnelle Aufklärung des Falles. Beide Duisburger Betriebe hatten umgehend und transparent kooperiert. Laut Ministerium besteht zwischen dem Stemweder Fall und den PCB-belasteten Eiern der beiden Kleinbetriebe in NRW kein Zusammenhang. Eier des Bio-Betriebes in Ostwestfalen Lippe, von denen vom NRW-Ministerium nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie noch im Handel sind, tragen die Stempelnummer 0-DE-0521041.


Manfred Loosen

Schlagworte: ,

Kommentieren

Spamfilter: Bitte ausfüllen
+ sechs = 7


powered by
Impressum
Newsletter
Forum
Anfragen
Switch to mobile version