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Kommt verbotene Gentechnik ins Essen?

Die EU-Kommission will den Verbrauchern mehr Gentechnik im Essen zumuten: Sie will die Nulltoleranz für nicht zugelassene Gentechnikpartikel in Lebensmitteln aufheben. Von Stephan Börnecke

 

Gesundheitskommissar John Dalli bestätigte im Umweltausschuss des Europaparlaments Pläne, wonach die EU der Agroindustrie mehr Ausnahmen bei der Duldung illegaler Gentech-Partikel in Lebensmitteln zugestehen will. Damit würde die Nulltoleranz bei nicht zugelassenen Gentechnik-Produkten wie zum Beispiel bei Soja-Lecithin in Schokolade, Backwaren, Margarine oder Eiscreme endgültig aufgegeben. Die war bereits vor einem Jahr auf Druck der Agrarlobby bei Futtermitteln geschehen, wo die Nulltoleranz ebenfalls gelockert und eine „technische“ Toleranzschwelle von 0,1 Prozent eingeführt wurde. Zuvor waren gentechnisch veränderte Organismen (GVO), die in der EU keine Zulassung besitzen und damit auch keine Prüfung auf Gesundheits- und Umweltrisiken durchliefen, tabu. Vor allem Schweinemäster hatten die Aufgabe der Nulltoleranz bei Futter verlangt. Ihr Argument: Die Trennung der Warenströme sei nicht mehr aufrecht zu erhalten. Der EU drohe wegen verunreinigter und damit nicht verwendbarer Sojalieferungen sogar der Futternotstand. „Schmarren“ nennt die Gentechnik-Expertin des Bund für Umwelt und Naturschutz BUND, Heike Moldenhauer, dieses Argument: Nie seien in der EU mehr Hühner und Schweine gemästet worden als zu jener Zeit, als der  behauptete Notstand hätte herrschen müssen.

Nun folgt Schritt zwei: Offenbar diesmal auf Betreiben vor allem der Ölmühlen soll die Nulltoleranz auch für Lebensmittel gekippt werden. Die Ölmühlen ständen vor dem Problem, dass Sojabohnen sowohl für Futter als auch für Lebensmittel verwendet werden könnten. Deshalb würden die Mühlen von der im Futterbereich geduldeten Kontamination nicht profitieren.

Doch gegen diese Absicht rührt sich Widerstand. Der Europaabgeordnete der Grünen, Martin Häusling, sagte, seine Fraktion werde gegen diese Absicht ein Veto im Parlament beantragen. Unklar bleibt vorerst, ob die Nulltoleranz auch bei Saatgut fallen soll, wie dies konventionelle Saatgutproduzenten verlangen.

Posted by on 27. April 2012.

Categories: Allgemeines

3 Responses

  1. Das europäische sorglose Umgang mit Lebensmitteln, bei dem nur die Industrie gewinnt, erinnert mich an den “erweiterten Suizid der Lemminge”. Wir sind leider mittendrin.

    by Zerrenner on Apr 27, 2012 at 15:54

  2. Ich bin der Meinung, dass man ruhig mit Gentechnik nachhelfen sollte, wenn man es kann, solange dadurch keine Schäden an Körper und Natur entstehen. Und nicht alles ist schlecht und die Wirkung umso größer, wenn man bedenkt, dass der Welthunger relativ leicht gestillt werden könnte, dann sollten ein paar sture Ökos etwas zurückfahren und nicht nur an sich denken…meine Meinung

    by locke on Apr 27, 2012 at 16:46

  3. Wenn der Gentechnik-Schrott jetztauch noch ins Futter kommt – egal ob für Mensch oder Tier – ist das die Bankrotterklärung der Menscheit vor der GHentechnik-Industrie!

    Herr Martin Häusling – Sie haben meine moralische Unterstützung!
    Und meine Stimme ebenfalls!

    by Margit Steidl on Apr 27, 2012 at 18:35

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